DMASS Q2 Bauelemente-Distribution

Plus 31,7 Prozent in Europa, plus 36 Prozent in Deutschland!

30. Juli 2026, 15:39 Uhr | Karin Zühlke
DMASS Zahlen für Q2 2026
© DMASS Europe

Speicherchips treiben Halbleitermarkt an und die industrielle Nachfrage sorgt für breite Erholung, so das Fazit der aktuellen DMASS Zahlen. Erfreulich: Auch Deutschland startet wieder so richtig durch.

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Der europäische Markt für die Distribution elektronischer Bauelemente hat seinen Wachstumskurs im zweiten Quartal 2026 deutlich beschleunigt. Nach aktuellen Zahlen der DMASS Europe stieg der Umsatz der Distributoren gegenüber dem Vorjahresquartal um 31,7 Prozent auf 5,0 Mrd. Euro. Während der Halbleitermarkt mit einem Plus von 40,2 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro besonders dynamisch zulegte, wuchs auch der Markt für Steckverbinder, passive und elektromechanische Bauelemente (IP&E) mit 19,3 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro deutlich.

Damit setzt sich die bereits im ersten Quartal beobachtete Erholung fort. Als wichtigste Wachstumstreiber nennt DMASS die steigende Nachfrage aus den Bereichen Automatisierung, Energie, Infrastruktur sowie Investitionen in Digitalisierung und industrielle Modernisierung. Gleichzeitig warnt der Verband jedoch vor geopolitischen Risiken, möglichen Störungen der Energieversorgung sowie einer zunehmenden Volatilität der globalen Lieferketten.

„Die weltweite Halbleiterlandschaft verändert sich derzeit mit bemerkenswerter Geschwindigkeit. Während China und andere asiatische Märkte außergewöhnlich hohe Wachstumsraten verzeichnen, erhält Europa seine stärksten Impulse derzeit aus dem Speichermarkt, der sowohl von kräftigen Preissteigerungen als auch von hohen Lagerbestellungen profitiert“, erklärt Hermann Reiter, Chairman von DMASS Europe. Europa entwickle sich zwar langsamer als die USA oder China, verfüge mit seiner starken Anwendungsorientierung und neuen KI-getriebenen Einsatzfeldern jedoch über gute Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum. Gleichzeitig müsse die Branche die geopolitischen Spannungen und die hohe Marktvolatilität aufmerksam beobachten.

Deutschland legt um mehr als 36 Prozent zu

Regional zeigte sich ein überwiegend positives Bild. Deutschland, als größter europäischer Markt, steigerte den Umsatz um 36,3 Prozent. Noch höhere Wachstumsraten erzielten Irland mit 55,4 Prozent sowie Israel mit 83,8 Prozent, was DMASS insbesondere auf die starke Nachfrage aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie KI- und Cloud-Anwendungen zurückführt. Auch Österreich (+37,5 %), die nordischen Länder (+35,9 %) sowie die Benelux-Staaten (+30,2 %) entwickelten sich dynamisch.

Etwas verhaltener fiel das Wachstum in Südeuropa aus. Frankreich legte um 24,8 Prozent zu, die Iberische Halbinsel um 22,3 Prozent und Italien um 18,0 Prozent.

Halbleiter: Speicher treiben den Markt

Mit einem Umsatz von 3,2 Mrd. Euro verzeichnete die europäische Halbleiterdistribution ein Wachstum von 40,2 Prozent. Neben der steigenden industriellen Nachfrage spielten Preisentwicklungen und Investitionen in Zukunftsbranchen wie Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie KI- und Cloud-Infrastrukturen eine wesentliche Rolle.

Besonders stark entwickelte sich erneut das Speichergeschäft. Der Umsatz mit Memory-Bausteinen stieg um 189 Prozent. Nach Einschätzung von DMASS ist dieses außergewöhnliche Wachstum sowohl auf weltweite Kapazitätsengpässe und deutliche Preissteigerungen als auch auf Vorratskäufe zurückzuführen.

Auch andere Produktgruppen entwickelten sich positiv: Discrete-Bauelemente legten um 26,5 Prozent zu, Analog-ICs um 28,8 Prozent, Sensoren und Aktoren um 15,0 Prozent sowie Leistungshalbleiter um 13,4 Prozent. Dagegen blieben Optoelektronik (+1,6 %) und Standard-Logik (+8,2 %) aufgrund des Lagerabbaus und einer weiterhin verhaltenen Design-Aktivität hinter dem Gesamtmarkt zurück.

IP&E bestätigt industrielle Erholung

Auch der Markt für Steckverbinder, passive und elektromechanische Komponenten entwickelte sich robust. Der Umsatz stieg auf 1,8 Mrd. Euro, was einem Plus von 19,3 Prozent entspricht.

Nach Einschätzung von DMASS bildet dieses Marktsegment die tatsächliche industrielle Nachfrage besser ab als der Halbleitermarkt, da es weniger von Preisspekulationen oder dem KI-Boom beeinflusst werde. Das Wachstum bei passiven Bauelementen (+20,2 %) und elektromechanischen Komponenten (+18,8 %) spiegele daher vor allem reale Investitionen in industrielle Anwendungen wider.

Eine Ausnahme bilden Tantal-Kondensatoren, deren Umsatz um 35,6 Prozent zulegte. Hier machten sich laut DMASS bereits erste KI-bedingte Engpässe bei Verfügbarkeit und Preisen bemerkbar.

Positive Aussichten – trotz wachsender Risiken

Für die kommenden Monate sieht DMASS den europäischen Markt grundsätzlich auf einem stabilen Wachstumspfad. Die zunehmende Automatisierung, Investitionen in technologische Souveränität Europas sowie der Ausbau industrieller Anwendungen dürften die Nachfrage weiter stützen.

Gleichzeitig verweist der Verband auf die Warnungen des europäischen Industrieverbands Orgalim. Insbesondere geopolitische Konflikte – darunter die Spannungen im Nahen Osten und mögliche Auswirkungen auf die europäische Energieinfrastruktur – könnten jederzeit zu neuen externen Schocks führen.

„Jetzt gilt es, den positiven Schwung in nachhaltiges Wachstum, größere Resilienz und eine stärkere strategische Position Europas umzuwandeln. Gleichzeitig müssen wir die Verwundbarkeit der Lieferketten reduzieren, die Risiken volatiler Energiemärkte beherrschen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Elektronikindustrie langfristig sichern“, so Reiter.

Nach Angaben von DMASS Europe repräsentieren die Mitgliedsunternehmen rund 88 Prozent des europäischen Distributionsmarktes für elektronische Bauelemente.


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