Auf Auftragsboom folgt Katerstimmung

6. März 2024, 9 Bilder
Gerhardt Thomas
© Glyn

»Die meisten Marktteilnehmer verwechselten in der Allokation Bestellung mit Bedarf«

Thomas Gerhardt, Managing Director von Glyn

»Die Allokation hat alle Ressourcen gebunden. Die Branche war überwiegend mit Eskalationsgesprächen beschäftigt, um dringend benötigte Bauteile für bereits bestehende und gut nachgefragte Geräte zu beschaffen. Diese Phase ist nun vorüber. Jetzt sind wieder Innovationen gefragt. Unser interner Arbeitstitel dazu heißt ‚Von der Eskalation zur Innovation’. Alle in der Lieferkette haben wieder mehr Zeit, ihre Produkte zu verbessern: bessere Eigenschaften, günstigere Preise, mehr Funktionen, weniger Energiebedarf, kleinere Bauformen etc. pp. Auch wenn der Umsatz sich wieder normalisiert, eröffnet das doch hervorragende Chancen auf neue Designs und ein besseres Leben für alle. Wir haben in den letzten Jahren hart daran gearbeitet, sowohl logistisch, kaufmännisch als auch technisch immer besser zu werden. Deshalb sind wir ein Spezialdistributor mit Volumenfähigkeit. Bei uns findet man heute alles, was man für eine effiziente und professionelle Bauteilversorgung benötigt: vom Projektvertrieb über die technische Unterstützung sowie Auftragsabwicklung bis zur Logistik.

2024 nennen wir intern mit ein wenig Humor ‚Booking-Pause’. Unser Auftragsbestand war in der Spitze 2,5-mal so hoch wie üblich. Das war auch nötig, wegen der langen Lieferzeiten. Gehen die Lieferzeiten zurück, zieht sich der Auftragsbestand wieder zusammen. Der Bestellhorizont passt sich den Lieferzeiten an. Das ist also ganz normal. Die meisten Marktteilnehmer haben in der Allokation Bestellung mit Bedarf verwechselt. Ein heute gebuchter Auftragswert wird ja erst irgendwann in der Zukunft geliefert. Book-to-Bill-Werte über eins signalisieren in normalen Zeiten grob ein positives Wachstum. In Allokationszeiten führt das aber in die Irre. Nur weil Aufträge wegen der gestiegenen Lieferzeiten lange im Voraus vergeben werden müssen und deshalb das Book-to-Bill stark ansteigt, heißt das ja nicht automatisch, dass der Markt so heftig wächst. Das glauben aber alle nur zu gerne. Im Book-to-Bill fehlt die zeitliche Komponente komplett. Wir gehen davon aus, dass nach einer Booking-Pause leider auch noch eine gewisse Billing-Pause kommt. Der Markt ist nicht zwei Jahre in Folge um 30 Prozent gewachsen, sondern vielleicht jeweils um 5 bis 15 Prozent. Alles, was darüber hinaus geliefert wurde, liegt jetzt in allen möglichen Lagern der Lieferkette, vom Einzelbauteil über halbfertige Produkte und komplette Geräte bis zur Maschine. Bis das abgeflossen ist, wird es noch sechs bis zwölf Monate dauern. Vielleicht endet die Booking-Pause in der ersten Hälfte von 2024 und die Billing-Pause in der zweiten. Da wir die Allokation bei uns sehr gut gemanagt haben, werden wir gut damit zurechtkommen. Unser Lager ist bei niedrigsten Werten, der Auftragsbestand immer noch hoch und der Markt grundsätzlich gesund.«

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