Schutz vor Verpolung ist unerlässlich, um empfindliche Fahrzeugelektronik vor dem Anschluss von Batterien mit verkehrter Polarität zu schützen. MOSFET-basierte Lösungen mit idealen Dioden-Controllern und n-Kanal-MOSFETs eignen sich perfekt für den Verpolungsschutz leistungsfähiger Fahrzeugsysteme.
Hauptzweck des Verpolungsschutzes (RVP; Reverse Voltage Protection) ist, unter normalen Betriebsbedingungen den Stromfluss (von Plus nach Minus) zu ermöglichen und ihn bei Verpolung zu unterbrechen (Bild 1). Darüber hinaus muss der Schutz Szenarien berücksichtigen, in denen die Lastspannung die Versorgungsspannung überschreiten könnte, beispielsweise aufgrund der Gegen-EMK (elektromotorischen Kraft) eines Motors. In diesen Fällen ist zu entscheiden, ob der Rückstrom zur Versorgung zugelassen oder blockiert werden soll. In diesem Beitrag werden die gängigen Ansätze für einen solchen Verpolungsschutz untersucht – mit Schwerpunkt auf den Vorteilen von MOSFETs hinsichtlich Kosteneffizienz und Leistungsfähigkeit.
Bild 1. Spannungspolaritäten und Stromfluss.
Alle Schutzvorrichtungen müssen das in Bild 1, Schaltungen A und B, gezeigte Verhalten aufweisen. Die beiden gängigsten Methoden sind eine einfache Sperrdiode oder ein MOSFET mit externer Ansteuerung. Alle Lösungen für den Verpolungsschutz weisen unterschiedliche technische Vor- und Nachteile auf.
Die einfachste Lösung besteht darin, eine einzelne Sperrdiode in Serie zur Last einzufügen (Bild 2). Diese Konfiguration lässt den Strom nur in Durchlassrichtung fließen und blockiert den Strom in Sperrrichtung unter allen Bedingungen, einschließlich der in Bild 1, Schaltung C2, dargestellten. Diese Methode ist die kostengünstigste Variante, vor allem für Anwendungen mit niedrigem Strom, und erfordert die geringste Leiterplattenfläche.
Bild 2. Schutz vor verpolter Eingangsspannung mittels Diode.
Der Hauptnachteil ist die Verlustleistung in Form von Wärme, wenn die Diode in Durchlassrichtung vorgespannt ist (P = U𝐹 ∙ ILast). Dieser Leistungsverlust senkt den Wirkungsgrad der Schaltung und erhöht die Temperatur des Bauteils und der Leiterplatte. So führt die Stromversorgung eines 12-V-Infotainmentsystems mit 10 A bei Verwendung einer Schottky-Diode (U𝐹 = 0,46 V) zu einem Leistungsverlust von 4,6 W und einem Wirkungsgrad von 96,16 %. Mit einer SBRT-Diode (Super Barrier Rectifier Technology) von Diodes lässt sich zwar ein besseres Ergebnis erzielen (U𝐹 = 0,37 V; 3,7 W Verlust; 96,92% Wirkungsgrad), sie verursacht aber immer noch einen beträchtlichen Verlust.
Schottky-Dioden können trotz ihrer niedrigen U𝐹 bei erhöhten Temperaturen einen hohen Rückstrom-/Sperrstromverlust aufweisen, wodurch sie anfällig für thermisches Durchgehen sind. Darüber hinaus erfordern Hochstromanwendungen größere Dioden und mehr Kühlkörperfläche aus Kupfer, was den anfänglichen Platzvorteil zunichte machen kann.
MOSFETs bieten eine effizientere Alternative für den Verpolungsschutz und reduzieren die Verlustleistung im Vergleich zu Dioden deutlich. Als ideale Diode in Serie zur Last wird der Leistungsverlust eines MOSFETs durch seinen intrinsischen Durchlasswiderstand RDS(ON) und den Laststrom (𝑃Verlust = 𝐼𝐿ast² ∙ 𝑅𝐷𝑆(𝑂𝑁)) bestimmt. Weniger Verlustleistung bedeutet weniger Temperaturanstieg und somit einen geringeren Kühlbedarf.
Zwei gängige MOSFET-basierte Schaltungen für den Verpolungsschutz sind:
Bild 3. Selbstvorgespannter Sperrspannungsschutz mittels p-Kanal-MOSFET in einer High-Side-Konfiguration.
Selbstvorgespannte p-Kanal-MOSFET-Schaltung:
Diese einfache High-Side-Konfiguration verwendet einen p-Kanal-MOSFET, häufig mit einer Zenerdiode zum Schutz des Gates (Bild 3). Im Normalbetrieb (Bild 1, Schaltung A) schaltet der p-Kanal-MOSFET und ermöglicht einen Vorwärtsstromfluss mit Verlusten, die durch RDS(ON) bestimmt werden. Bei Verpolung bleibt der MOSFET gesperrt, und seine Body-Diode blockiert den Strom.
Die Schaltung ermöglicht einen Rückstrom zur Versorgung (Bild 1, Schaltung C1), wenn die Lastspannung die Versorgungsspannung überschreitet, da dies je nach Anwendung unerwünscht sein kann. Die Vorteile dieses Ansatzes sind eine geringere Verlustleistung im Vergleich zu einer Diode, ein einfacheres Schaltungsdesign und eine unkomplizierte Dimensionierung für verschiedene Lastströme. Allerdings ist er teurer als eine einfache Diode.
Idealer Dioden-Controller mit n-Kanal-MOSFET-Schaltung:
Ideale Dioden-Controller, wie der AP74700AQ von Diodes, steuern aktiv einen externen n-Kanal-MOSFET, um einen High-Side-Verpolungsschutz bereitzustellen (Bild 4). Die ideale Diode verwendet eine interne Ladungspumpe, um das Gate des n-Kanal-MOSFET anzusteuern.
Im Normalbetrieb kann die Spannungsdifferenz am MOSFET bei niedrigen Lastströmen auf 20 mV geregelt oder der MOSFET vollständig eingeschaltet werden. Der Spannungsabfall wird bei höheren Strömen durch seinen RDS(ON) begrenzt. Entscheidend ist, dass der Controller den MOSFET abschaltet, sobald eine Sperrspannung (>10 mV) erkannt wird. Sperrströme bei umgekehrter Polarität als auch beim Überschreiten der Versorgungsspannung durch die Lastspannung werden so blockiert (Bild 1, Schaltungen B und C2).
Bild 4. High-Side-Verpolungsschutz mit n-Kanal-MOSFET und idealem Dioden-Controller.
Für Anwendungen mit hohem Strom (hoher Leistung) ergibt sich mit dieser Lösung die geringste Verlustleistung unter den diskutierten Methoden – sie reguliert die MOSFET-Verstärkung, sorgt für ein schnelles Abschalten des MOSFET und blockiert Rückströme (Bild 1, Schaltung C2). Befindet sich der n-Kanal-MOSFET jedoch im geregelten Bereich von 20 mV kann seine Verlustleistung höher sein als die eines eingeschalteten p-Kanal-MOSFETs mit einem Spannungsabfall von etwa 10 mV.
n-Kanal-MOSFETs sind kleiner und günstiger als p-Kanal-MOSFETs mit vergleichbarem RDS(ON), was die Entwicklungskosten senkt. Im Beispiel des 12-V-Infotainmentsystems mit 10 A benötigt ein p-Kanal-MOSFET wie der DMP4013LFGQ von Diodes nur 1,3 W (98,92% Wirkungsgrad). Im Gegensatz dazu benötigt ein n-Kanal-MOSFET (DMTH43M8LFGQ) nur 0,3 W (99,75% Wirkungsgrad) und ist damit die effizienteste Lösung.
Bei hohen Strömen ist ein idealer Dioden-Controller günstiger als die Verwendung einer für diese Ströme geeigneten Diode – aber teurer als eine Diode bei niedrigen Strömen. Sie blockiert auch Rückströme (C1), was für Anwendungen, die einen Rückstrom zur Versorgung erfordern, unerwünscht ist. Der Gesamtplatzbedarf der Lösung kann aufgrund des Controllers und der externen Komponenten auch größer sein als bei einer einzelnen Diode.
Die Wahl des geeigneten MOSFETs ist für optimierte Kosten und die Leistungsfähigkeit eines Verpolungsschutzes entscheidend – insbesondere beim Einsatz eines idealen Dioden-Controllers (Bild 5).
Bild 5. Schaltplan für den idealen Dioden-Controller AP74700AQ.
Die Drain-Source-Spannung (UDS) des MOSFETs ist ein kritischer Parameter. Sie muss der normalen Batteriespannung standhalten und eine mögliche Verdopplung der Spannung bei Verpolung berücksichtigen. Als Beispiel dient eine vollgeladene Lastkapazität, die bei +12 V mit einer Eingangsspannung von -12 V zu einer Differenzspannung von 24 V über dem MOSFET führt. Darüber hinaus müssen Fahrzeugsysteme Normen wie ISO7637-2 und ISO16750-2 erfüllen, die verschiedene Puls-/Spannungsspitzen festlegen und eine höhere Spannungsfestigkeit erfordern.
Als allgemeine Empfehlung für Fahrzeuganwendungen wird ein 40-V-MOSFET für 12 V Nennspannung, ein 60-V-MOSFET für 24 V und ein 80- oder 100-V-MOSFET für 48-V-Systeme vorgeschlagen. Der ideale Dioden-Controller AP74700AQ mit einer Nennspannung von 65 V (max.) kann einer Schienenspannung von -65 V standhalten, was bedeutet, dass selbst für eine Nennspannung von 12 V ein 60-V-MOSFET gewählt werden kann, um die Robustheit zu erhöhen.
Der nächste wichtige Parameter ist der RDS(ON) des MOSFETs. Er steht in direktem Zusammenhang mit dem Laststrom und der Verlustleistung.
Betriebsmodi: Der ideale Dioden-Controller AP74700AQ betreibt den n-Kanal-MOSFET in zwei Modi:
Geregelter Modus: Bei niedrigen Lastströmen hält der Controller den Spannungsabfall über dem MOSFET aktiv auf minimal 20 mV.
RDS(ON)-begrenzter Modus: Bei höheren Strömen wird der Spannungsabfall über dem MOSFET durch seinen inhärenten RDS(ON) bestimmt, der effektiv als Widerstand wirkt (U = ILast × RDS(ON)). Die Verlustleistung in diesem Modus berechnet sich als 𝐼𝐿ast² × 𝑅𝐷𝑆(𝑂𝑁).
Kosteneffizienz bei niedrigen Strömen: Ein Aspekt für ein kosteneffizientes Design ist, dass ein niedrigerer RDS(ON) zu einem größeren Chip/Gehäuse und damit zu höheren Kosten führt. Bei niedrigen Strömen, bei denen der ideale Dioden-Controller den Spannungsabfall aktiv auf 20 mV regelt, bietet ein Bauteil mit sehr niedrigem RDS(ON) keinen wesentlichen Leistungsvorteil.
Der Spannungsabfall wird in erster Linie durch den AP74700AQ gesteuert, nicht durch den Eigenwiderstand des MOSFETs. Daher würde die Auswahl eines MOSFETs mit unnötig niedrigem RDS(ON) in diesem Bereich zusätzliche Kosten verursachen, ohne einen entsprechenden Leistungsvorteil zu erzielen.
Entwickler können Kosten optimieren, indem sie einen MOSFET wählen, der die Anforderungen ausreichend erfüllt, ohne überdimensioniert zu sein. Wird beispielsweise ein 15-mΩ-MOSFET meist bei 20 mV geregelt und überschreitet diesen Wert nur bei Stromspitzen geringfügig, bietet ein 10-mΩ-MOSFET zwar eine kleine Verbesserung, die aber für diesen Strompegel nicht kosteneffizient ist.
Leistung und Effizienz bei hohen Strömen: Umgekehrt arbeitet der MOSFET in Hochstromanwendungen (20, 30, 40 A oder mehr für Systeme wie moderne Infotainmentsysteme oder Elektrofahrzeuge) häufig im RDS(ON)-begrenzten Bereich. In diesen Fällen ist ein möglichst niedriger RDS(ON) entscheidend.
Der I²R-Leistungsverlust wird erheblich, und ein niedrigerer RDS(ON) reduziert den Leistungsverlust direkt. Dies führt zu einer deutlich verbesserten Effizienz und weniger Wärmebelastung. Die geringeren Verluste sind entscheidend für eine höhere Reichweite von Elektrofahrzeugen und leistungsfähigere Anwendungen in Fahrzeugen.
Eine geringere Verlustleistung führt auch zu einen deutlich geringeren Temperaturanstieg des MOSFETs. Dies reduziert den Bedarf an umfangreichen Kupferkühlflächen oder ermöglicht kleinere Gehäusegrößen. MOSFETs sind zwar teurer, bieten aber indirekte Einsparungen beim Wärmemanagement, beim Platzbedarf auf der Leiterplatte und tragen durch die verbesserte Systemzuverlässigkeit insgesamt zu einer kostengünstigen Lösung für hohe Leistungsanforderungen bei.
Die Entscheidung hinsichtlich des idealen RDS(ON) erfordert einen Kompromiss zwischen maximaler Effizienz und Kostenkontrolle. Ein 25-mΩ-MOSFET bietet gegenüber einer herkömmlichen Diode eine erhebliche Effizienzsteigerung. Entwickler müssen abwägen, ob die durch ein Bauteil mit noch niedrigerem RDS(ON) erzielten Effizienzsteigerungen die zusätzlichen Kosten rechtfertigen – basierend auf dem jeweiligen Stromprofil und den Designzielen der Anwendung.
Neben den elektrischen Eigenschaften beeinflussen das Gehäuse des MOSFETs und die Kupferfläche auf der Leiterplatte dessen Wärmeverhalten. Berechnungen der Verlustleistung (UI für den geregelten Betrieb oder I²R für den RDS(ON)-begrenzten Betrieb) sind entscheidend, um die erforderliche thermische Impedanz (RθJA) zu bestimmen und das am besten geeignete Gehäuse auszuwählen. Die Gehäuse PowerDI 3333 und 5060 von Diodes sind mit idealen Dioden-Controllern wie dem AP74700AQ effizient auf das Leiterplattenlayout ausgerichtet. Bei den Berechnungen muss auch der thermische Koeffizient von RDS(ON) berücksichtigt werden, der mit steigender Temperatur zunimmt.
Für den Schutz vor Verpolung bieten einfache Dioden zwar eine kostengünstige Lösung mit geringem Platzbedarf für Anwendungen mit niedrigen Strömen, sind jedoch aufgrund ihrer erheblichen Verlustleistung bei höheren Strömen ineffizient. MOSFET-basierte Lösungen mit idealen Dioden-Controllern und n-Kanal-MOSFETs haben eine deutlich geringere Verlustleistung und einen höheren Wirkungsgrad. Damit eignen sie sich ideal für hochleistungsfähige Fahrzeugsysteme und Elektrofahrzeuge.
Die Wahl des RDS(ON) eines MOSFETs ist eine wichtige Designentscheidung, die sich direkt auf die Leistungsfähigkeit und Kosteneffizienz auswirkt. Bei Anwendungen mit niedrigem Strom, in denen der ideale Dioden-Controller den Spannungsabfall aktiv regelt, lassen sich Kosten sparen, indem ein unnötig niedriger RDS(ON) vermieden wird, ohne die Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen.
Bei Anwendungen mit hohem Strom ist hingegen ein möglichst niedriger RDS(ON) entscheidend, um den Wirkungsgrad zu maximieren, Leistungsverluste zu minimieren und die Wärmeentwicklung zu optimieren. All dies trägt zur Gesamtleistungsfähigkeit des Systems bei und kann zu indirekten Kosteneinsparungen durch geringere Anforderungen an das Wärmemanagement führen.
Die beste Lösung gegen Verpolung hängt von mehreren Faktoren ab. Sie erfordert ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kosten, Baugröße, Wirkungsgrad, Anforderungen an die Verlustleistung, Komplexität der Schaltung und gewünschten Funktionen.
Eduard Santa
ist System Solutions Applications Engineer bei Diodes Incorporated.