Schwerpunkte

ADAC-Crashtest

E-Auto Suda SA01 aus China mit erheblichen Sicherheitsmängeln

14. Januar 2021, 12:00 Uhr   |  Stefanie Eckardt

E-Auto Suda SA01 aus China mit erheblichen Sicherheitsmängeln
© ADAC

Der chinesische Stromer Suda SA01 hat beim ADAC-Crashtest enorme Sicherheitsmängel offenbart.

Das erste Elektroauto des chinesischen Herstellers Suda für den deutschen Markt ist seit Ende 2020 verfügbar und kostet abzüglich der staatlichen Förderungen 10.390 Euro. Doch Vorsicht – der ADAC zeigt: Verarbeitung, Fahreigenschaften und vor allem die Sicherheitsausstattung sind mehr als dürftig.

Der Suda SA01 verfügt weder über Airbags oder ESP noch über Sicherheitssysteme wie einen Notbrems- oder Spurhalteassistenten. Das Fahrzeug darf in der EU nur aus dem Grund verkauft werden, weil es im Rahmen einer Kleinserien-Zulassung auf den Markt kommt.

Die nahezu komplett fehlende passive Sicherheitsausstattung macht sich besonders im Crashtest bemerkbar. Bei einem versetzten Frontaufprall mit 64 km/h schlugen der Kopf und die Brust des Fahrers hart auf das Lenkrad, was im Ernstfall zu schweren Verletzungen geführt hätte. Beim Beifahrer führten ferner Bauteile unter der Armaturentafel zu Verletzungen an Knie und Oberschenkel. Neben den fehlenden Airbags bei Fahrer- und Beifahrersitz machten sich beim Aufprall auch die nicht vorhandenen Gurtstraffer negativ bemerkbar.

Auffallend: Die Beschädigungen am Fahrzeug waren nach dem Crash so groß, dass sich die Tür zum Fahrer nicht öffnen ließ. Der Suda verfügt außerdem über keine Schutzvorrichtungen, mit welchen Rettungskräfte das Hochvoltsystem des Autos spannungsfrei schalten können. Im Ernstfall wären wertvolle Minuten bei der Rettung der Insassen verloren gegangen, hinzu kommt das Risiko eines elektrischen Schlags.

Nicht nur die Ergebnisse des Crashtests, sondern auch das Fahrverhalten des Suda sieht der ADAC kritisch. Bereits ab etwa 70 km/h ist das Fahrzeug beim Ausweichtest aufgrund des fehlenden ESP ins Schleudern gekommen und ließ sich nicht mehr abfangen. Moderne Autos mit ESP meistern den Test mit über 90 km/h problemlos. Eine gefühllose Lenkung und ein langer Bremsweg von durchschnittlich 42 m aus 100 km/h zahlen ebenfalls nicht gerade auf die Sicherheit ein.

Im Hinblick auf die Ladeeigenschaften ist der Suda SA01 selbst für seine Preisklasse weit vom aktuellen Stand der Technik entfernt. Die 40 kWh große Antriebsbatterie verspricht zwar eine Reichweite von rund 200 km, die geringe Ladeleistung von 3 kW AC bzw. 22 kW DC sorgt jedoch für lange Ladezeiten. Weil das Laden der Batterie an öffentlichen DC-Ladesäulen wegen Kommunikationsproblemen zwischen Fahrzeug und Säule in den Tests vielfach nicht funktioniert hat, ist das Überwinden größerer Distanzen so gut wie ausgeschlossen.

Positiv fiel beim Test auf, dass das Fahrzeug über ein ansprechendes Platzangebot für Insassen und Gepäck verfügt. Das zentrale Infotainment-Display in der Mittelkonsole reagiert gut auf Befehle, das Kombiinstrument mit dem Tacho ist gut ablesbar. Auffallend ist ferner die grundsätzlich unkomplizierte Bedienung des Fahrzeugs und die ordentliche Beschleunigung des Elektromotors.

Trotz dieser Punkte kritisiert der ADAC, dass der Hersteller die vereinfachte Typgenehmigung für Kleinserien ausnutzt, um ein Fahrzeug auf den Markt zu bringen, das deutliche Defizite bei der aktiven wie passiven Sicherheit aufweist. Auch die Hersteller von Kleinserienfahrzeugen sollten sich stets am aktuellen Stand der Technik orientieren. Aus Sicht des Clubs ist im Zweifelsfall der Gesetzgeber gefordert, die Gesetzeslücke durch eine Nachbesserung im Typgenehmigungsverfahren zu schließen. Die staatliche Förderprämie für ein Fahrzeug auf dem Sicherheitsniveau des Suda hält der Club für wenig angemessen.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

ADAC