Daimler Truck und Keyou arbeiten künftig zusammen, um wasserstoffbetriebene Verbrennungsmotoren für den Straßengüterverkehr zur Marktreife zu führen. Ziel ist es, eine kurzfristig verfügbare, wirtschaftliche und robuste Technik anzubieten, die bestehende dekarbonisierte Antriebe sinnvoll ergänzt.
Bestehende Fahrzeug- und Motorenvarianten von Daimler Truck bilden die technische Basis für eine schnelle Umsetzung und Markteinführung. Dabei soll Keyou die Wasserstoff-Umrüstung verantworten. Dienstleister des Münchner Unternehmens passen Fahrzeug und Motor an. Eine Markteinführung ist noch für 2027 vorgesehen.
»Der Straßengüterverkehr braucht unterschiedliche Antriebslösungen für unterschiedliche Einsatzprofile. Wasserstoff kann dabei sowohl in der Brennstoffzelle als auch im Verbrennungsmotor eingesetzt werden. Mit Keyou arbeiten wir mit einem spezialisierten Partner zusammen, um die Wasserstoff-Verbrenner Technologie zügig und effizient auf den Markt zu bringen«, sagt Andreas Gorbach, Mitglied des Vorstands von Daimler Truck, verantwortlich für Truck Technology.
Thomas Korn, CEO und Co-Founder von Keyou, ergänzt: »Die Zusammenarbeit mit Daimler Truck ist ein wichtiger Schritt für uns, um unsere Keyou-inside-Technologie in die industrielle Anwendung zu überführen. Gemeinsam können wir die Entwicklung und Skalierung wasserstoffbasierter Antriebslösungen im Nutzfahrzeugbereich deutlich beschleunigen und so einen konkreten Beitrag zur Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs leisten.«
Daimler Truck verfügt über umfassendes Know-how in der Entwicklung von Verbrennungsmotoren und untersucht die Wasserstoffverbrennung seit mehreren Jahren im Rahmen der Vorentwicklung. Für die Markteinführung setzt das Unternehmen bewusst auf ein Kooperationsmodell.
Keyou hat sich auf die Umrüstung bestehender Motorenplattformen auf Wasserstoff spezialisiert und verfolgt einen Ansatz, der auf bewährten Serienfahrzeugen aufbaut. Durch diese Arbeitsteilung kann Daimler Truck Entwicklungsaufwände optimieren und gleichzeitig eine schnelle Marktreife ermöglichen.
Neben der Fahrzeugentwicklung steht für Keyoou auch die langfristige Kundenbetreuung im Fokus der Zusammenarbeit. Keyou und Daimler Truck planen im nächsten Schritt auch Gespräche darüber zu führen, wie bestehende Service- und Wartungsstrukturen perspektivisch genutzt werden könnten, um Flottenbetreibern ein hohes Maß an Betriebssicherheit und Verfügbarkeit zu bieten.
Mit der Zusammenarbeit schaffen beide Unternehmen die Grundlage für eine langfristige industrielle Partnerschaft im Bereich wasserstoffbasierter Nutzfahrzeugantriebe. Die Zusammenarbeit geht dabei bewusst über eine reine Technologiekooperation hinaus.
Unter der getroffenen Vereinbarung ist geplant, dass Daimler Truck Fahrzeuge vom Typ Mercedes-Benz Actros L 1848 als Sattelzugmaschine und in Mannheim gefertigte Motoren auf Basis der bestehenden 12,8‑Liter‑Motorenplattform an Keyou verkauft. Das Münchner Unternehmen Keyou verantwortet die technologische Adaption zu einem wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotor. Der technische Umbau der Lkw sowie die Integration des Keyou-inside Motors erfolgen durch qualifizierte externe Dienstleister.
Die daraus resultierende Sattelzugmaschine Keyou Hice.40 ist für den Betrieb mit einem Gesamtfahrzeuggewicht von 40 Tonnen ausgelegt und soll laut Hersteller, dank der 350-Bar-Druckwasserstofftechnologie, eine Reichweite von bis zu 650 km erreichen. Mit einer Leistung von bis zu 350 kW und einem Port-Fuel-Injection-System (PFI) soll sie eine erprobte und leistungsstarke Lösung für den anspruchsvollen Güterverkehr bieten. Perspektivisch lässt sich die Technologie auch auf weitere Fahrzeugbaureihen übertragen.
Keyou bietet die Fahrzeuge anschließend Kunden an – perspektivisch auch in Kombination mit entstehender Wasserstoff‑Tankstelleninfrastruktur, die unter anderem durch Förderprogramme des Bundesverkehrsministeriums unterstützt wird. So könnte auch die Nachfrage an Wasserstoff und entsprechender Infrastruktur vorangetrieben werden.
Daimler Truck unterstützt den Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen, die sowohl gasförmigen als auch flüssigen Wasserstoff abgeben können. So können alle gängigen H2-Formen an einer Station angeboten werden, genauso wie wir es auch bei Benzin und Diesel gewohnt sind. Die Integration erlaubt den Aufbau einer einheitlichen Infrastruktur und senkt dabei die Kosten durch höhere Auslastung. Heutige Wasserstoff-Verbrennungsmotoren benötigen gasförmigen Wasserstoff. Technisch ist aber auch eine Entwicklung für Flüssigwasserstoff denkbar, wie ihn Daimler Truck bereits in Brennstoffzellen-Lkw einsetzt. Dieser integrierte Ansatz erleichtert Kunden den Einstieg in wasserstoffbasierte Transporte.
Ab Ende 2027 können so Wasserstoff-Verbrenner-Lkw skalierbar in den Markt eingeführt werden, um einen nachhaltigen und messbaren Beitrag zur Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs zu leisten.