Aufgrund der weltweit angespannten wirtschaftlichen Lage im Automobilsektor sind die Auslieferungen von Automotive-MEMS-Sensoren im Jahr 2008 um 8 Prozent zurückgegangen. Für das Jahr 2009 erwartet iSuppli einen weiteren Rückgang um 19 Prozent.
Weniger abgesetzte Autos sind gleichbedeutend mit weniger MEMS-Sensoren für Automotive-Applikationen. Denn MEMS-Sensoren werden in Airbagsystemen und elektronischen Stabilitätsprogrammen verbaut, die wiederum in nahezu 90 Prozent aller Mittel- und Oberklassefahrzeuge zum Einsatz kommen. Aus diesem Grund hat der weltweit rückläufige Fahrzeugabsatz einen direkten - momentan sogar dramatischen - Einfluss auf die Auslieferungszahlen für Automotive-MEMS-Sensoren. Die meisten Hersteller dieser Sensoren mussten daher im abgelaufenen Geschäftsjahr Umsatzeinbußen in Höhe von 6 bis 15 Prozent in Kauf nehmen.
Als Negativbeispiel der aktuellen Entwicklung im Automobilsektor gilt das Unternehmen Systron Donner, das seine Automotive-MEMS-Quarz-Gyroskop-Sparte noch vor Heiligabend 2008 schließen musste. Beim französischen Hersteller Schneider Electric wurde das gesamte 87-köpfige Entwicklungs-Team für Automotive-MEMS-Sensoren entlassen. Ähnliche Entwicklungen wurden auch bei Boschs Fahrdynamik-Sparte verzeichnet. Insgesamt schätzen die Analysten von iSupply, dass der Gesamtumsatz - allein für das Gyroskopsegment - im Jahr 2008 um rund 105 Millionen Dollar rückläufig war. Ein weiterer Schock stellte Infineons Trennung von seiner norwegischen Sensorik-Tochter SensoNor dar. Als Grund hierfür führte der Halbleiterhersteller die stark rückläufigen Absatzzahlen für Drucksensoren auf, die bei SensoNor in Norwegen mitentwickelt und teilgefertigt wurden.
Nichts desto trotz gibt es immer noch Applikations-Bereiche innerhalb des Automotive-Markts, die nicht so stark der allgegenwärtigen Marktentwicklung unterworfen sind, wie beispielsweise den für elektronische Stabilitätsprogramme (ESP). Jedes ESP benötigt im Mittel drei MEMS-Sensoren inklusive einem Gyroskop sowie einen Beschleunigungs- und einen oder mehr Drucksensoren. ESP wird ab dem Jahr 2012 in den USA und ab dem Jahr 2014 auch in Europa zur Pflichtausstattung für Neufahrzeuge. Aufgrund dieser rechtlichen Vorschriften geht es einigen Senorikunternehmen immer noch ausgesprochen gut. Sensata beispielsweise konnte als einer der führenden Drucksensorhersteller für ESPs seinen Umsatz mit MEMS-Sensoren für Automotive im Geschäftsjahr 2008 sogar steigern.
Für den gesamten Automotive-MEMS-Markt prognostizieren die Analysten von iSuppli, dass dieses Marktsegment nach den schwierigen Jahren 2008 und 2009 wieder ein gesundes Wachstum ab dem Jahr 2010 erleben wird. Ab 2011 gehen die Analysten sogar von zweistelligen Wachstumsraten aus.