ZF Lifetec hat einen Sicherheitsgurt mit integrierter Infrarot-Signatur entwickelt, der die zuverlässige Überprüfung der korrekten Gurtanwendung mittels Innenraumkameras erlaubt. Der Infrared Belt unterstützt Fahrzeughersteller beim Erfüllen von NCAP-Sicherheitsanforderungen.
»Bei ZF Lifetec setzen wir seit Jahren auf das gezielte Zusammenspiel unserer Sicherheitsprodukte mit Innenraumkameras«, sagt Harald Lutz, Senior Vice President Research and Development bei ZF LIFETEC. »Welch eine bedeutende Rolle Innenraumkameras in der Mobilität bereits spielen, zeigt nicht zuletzt die seit dem 7. Juli 2026 in der EU geltende Pflicht zur kamerabasierten Müdigkeits- und Ablenkungserkennung in Neuwagen zur Erkennung der Fahreraufmerksamkeit.«
Doch nicht nur die EU, sondern auch Euro NCAP misst einer zuverlässigen kamerabasierten Insassenerkennung eine immer größere Bedeutung bei. Im Fokus steht dabei unter anderem die zuverlässige Erkennung der korrekten Gurtlage. Denn der Sicherheitsgurt kann seine volle Schutzwirkung nur entfalten, wenn er korrekt angelegt ist.
Mit einem speziell für die kamerabasierte Insassenerkennung entwickelten Infrarot-Gurtband unterstützt ZF Lifetec nun Fahrzeughersteller dabei, den korrekten Sitz des Gurtes zuverlässig zu erkennen. »Mit unserem neuen Sicherheitsgurt schaffen wir die Grundlage für eine höhere Qualität der Insassenerkennung und steigern die Sicherheit für Fahrer, Beifahrer und Insassen auf der Rückbank deutlich«, so Lutz.
Der Infrared Belt von ZF Lifetec basiert auf einer gezielten materialtechnischen Auslegung des Gurtbands, bei der unterschiedliche Garne mit spezifischen spektralen Eigenschaften kombiniert werden. Sie erzeugen eine integrierte Infrarot-Signatur, die kamerabasierte Systeme eindeutig auswerten können.
Kameras, die in diesem optischen Spektrum arbeiten, erfassen Unterschiede in der Reflexion und Absorption von Materialien. Auf dieser physikalischen Grundlage hebt sich der Sicherheitsgurt deutlich von Kleidung, Haut oder Sitzoberflächen ab, unabhängig von Lichtverhältnissen im Fahrzeuginnenraum. Das Ergebnis ist ein stabiler, kontrastreicher Signalverlauf, der sich die Position des Gurts präzise bestimmen lässt. Der Start der Serienproduktion ist für August 2026 geplant – für alle Sitzposition, inklusive Fond.
Infrarotkameras können den Verlauf des Gurts entlang des Körpers (Gurtlage) verfolgen.
Dadurch können OEMs mithilfe intelligenter Erkennungsalgorithmen feststellen, ob der Gurt korrekt über die Schulter geführt wird oder beispielsweise unter dem Arm beziehungsweise hinter dem Rücken des Insassen verläuft.
Im Vergleich zu klassischen Sensorsystemen bietet dieser Ansatz klare Vorteile: Gurtschlosssensoren zum Beispiel erfassen lediglich, ob ein Sicherheitsgurt eingesteckt ist, liefern jedoch keine Informationen über dessen tatsächliche Schutzwirkung. Auch gegenüber herkömmlichen RGB-Kameras erweist sich die Lösung als robuster, denn optische Spiegelungen oder farblich identische Hintergründe können die Detektion des Gurtverlaufs bei der Verwendung von RGB-Kameras behindern. Eine infrarotbasierte Erkennung beruht dagegen auf klar definierten physikalischen Materialeigenschaften, wodurch sich der Gurt unabhängig von Kleidung, Licht oder Umgebung zuverlässig identifizieren lässt.
Im Rahmen der Vision 2030 richtet Euro NCAP seine Sicherheitsbewertungen zunehmend auf die tatsächliche Schutzleistung im realen Fahrbetrieb aus. Im Fokus steht eine ganzheitliche Betrachtung der Sicherheit und die Frage, wie wirksam Rückhaltesysteme unter realen Bedingungen funktionieren. Dazu fordert Euro NCAP, dass Fahrzeuge ihre Insassen erkennen und bewerten können, ob diese im Falle eines Unfalls optimal geschützt sind.
Bei Sicherheitsgurten reicht es künftig nicht mehr aus, zu erkennen, ob die Schlosszunge im Gurtschloss steckt. Das System muss darüber hinaus zuverlässig beurteilen, ob der Sicherheitsgurt korrekt getragen wird und somit seine Schutzwirkung entfalten kann. Innenraumüberwachungssysteme auf Kamerabasis gewinnen daher zunehmend an Bedeutung.
Darüber hinaus fordert Euro NCAP, dass erkannte Fehlanwendungen durch geeignete audiovisuelle Warnhinweise kommuniziert werden, um den Insassen zum korrekten Anlegen des Sicherheitsgurts aufzufordern. Auch künftig ist im Rahmen der Roadmap 2030 des Euro NCAP mit weiteren Anforderungen an die Insassenüberwachung zu rechnen.