Skepsis bei autonomem Fahren

Europäer wollen KI nicht das Steuer überlassen

10. Juni 2026, 09:30 Uhr | Irina Hübner
XPeng hat eine Studie zur Akzeptanz von KI beim Fahren in Auftrag gegeben.
© XPeng

Eine unabhängige, von Xpeng in Auftrag gegebene internationale Studie zeigt eine wachsende Diskrepanz zwischen der intellektuellen Akzeptanz von KI in Europa und der emotionalen Bereitschaft, autonomen Systemen die Kontrolle zu überlassen.

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Die Xpeng-Studie analysiert die Einstellungen zu KI und physischer KI in sechs europäischen Ländern sowie in einer Referenzstichprobe aus chinesischen Metropolen. Die Ergebnisse machen deutlich: Europa akzeptiert KI zunehmend im Alltag – doch sobald sie eigenständig Entscheidungen in der realen Welt trifft, sinkt das Vertrauen erheblich. Obwohl 82 Prozent der Europäer angeben, KI zu verstehen, würden heute lediglich 13 Prozent in ein vollständig selbstfahrendes Auto steigen. Zum Vergleich: In China liegt dieser Wert bei 70 Prozent.

»Physische KI wird die Mobilität und den Alltag nachhaltig verändern. Doch technologische Innovation allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, dass Menschen dieser Technologie vertrauen«, betont Dr. Brian Gu, Vice Chairman und Präsident von Xpeng. »Europa nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein: Wer hier das Vertrauen gewinnt, setzt zugleich neue Maßstäbe für verantwortungsvolle Innovation auf globaler Ebene.«

Studie offenbart deutsches KI-Paradoxon

Wenn es um künstliche Intelligenz und autonomes Fahren geht, zeigt sich die deutsche Öffentlichkeit deutlich zurückhaltender als viele andere Märkte. Die Studie zeigt ein bemerkenswertes Spannungsfeld: Während 59 Prozent der Deutschen aktuell der Meinung sind, dass ihr Land bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz hinter anderen Nationen zurückliegt, würden gleichzeitig nur 10 Prozent in ein vollständig selbstfahrendes Fahrzeug einsteigen. Damit zählt Deutschland zu den skeptischsten Märkten Europas.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Herausforderung für KI-Mobilität in Deutschland nicht primär technologischer Natur ist. Vielmehr geht es um Vertrauen. So sagen die Deutschen, dass Sicherheit, Transparenz und unabhängige Zertifizierung entscheidend für Akzeptanz ist. Und: Deutsche Qualitätsansprüche könnten zum globalen Maßstab für verantwortungsvolle KI-Mobilität werden.

Die fünf zentralen Erkenntnisse der KI-Studie

  • Unterstützung ja – vollständige Autonomie noch nicht: Zwischen 42 und 53 Prozent der europäischen Befragten fühlen sich mit KI-gestützten Fahrerassistenzsystemen wie adaptivem Tempomat, Verkehrszeichenerkennung oder Spurhalteassistenten wohl. Sobald KI jedoch als eigenständiger Entscheider oder in Notfallsituationen agiert, sinkt die Zustimmung deutlich.

  • Vertrautheit bedeutet nicht Vertrauen: Obwohl 82 Prozent der Europäer angeben, mit KI vertraut zu sein, fühlen sich lediglich 21 Prozent mit physischer KI wohl. Viele Menschen nutzen zwar bereits regelmäßig KI-gestützte Funktionen im Fahrzeug, nehmen diese jedoch nicht als KI wahr.

  • Nachhaltigkeit als Vertrauensfaktor: 57 Prozent der Europäer würden KI-Mobilität positiver bewerten, wenn deren Beitrag zu Nachhaltigkeit und Emissionsreduktion glaubwürdig nachgewiesen wäre.

  • Europa ist kein homogener Markt: Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Die Spanier sind vergleichsweise offen gegenüber KI in der Mobilität: 63 Prozent vertrauen dort KI-Systemen im Auto, 32 Prozent fühlen sich mit physischer KI wohl. Die Bevölkerung in Großbritannien und Schweden zeigt sich deutlich zurückhaltender, mit Vertrauenswerten von lediglich 34 beziehungsweise 32 Prozent.

  • Vertrauen bleibt der Engpass: Während 54 Prozent der Europäer zumindest ein gewisses Vertrauen in große Technologie- und Mobilitätsunternehmen haben, dass sie im Interesse der Verbraucher handeln, liegt dieser Wert in China bei 94 Prozent. Die größte Sorge der europäischen Befragten ist der Verlust menschlicher Kontrolle über Maschinen (61 Prozent), gefolgt von Befürchtungen hinsichtlich eines möglichen Arbeitsplatzverlustes (46 Prozent).

Europas Weg zur vertrauenswürdigen KI-Mobilität

Europäische Verbraucher akzeptieren KI vor allem dann, wenn sie nachvollziehbar, kontrollierbar und als Unterstützung menschlicher Entscheidungen wahrgenommen wird. Die Zustimmung sinkt deutlich, wenn KI als eigenständiger und intransparenter Entscheidungsträger auftritt.

Für Deutschland bietet dies die Chance, seine Stärke im Bereich der Qualität und Sicherheit auf die nächste Generation intelligenter Mobilität zu übertragen. Standards, unabhängige Zertifizierungen nach dem Vorbild technischer Prüfstellen sowie nachweisbare Sicherheits- und Nachhaltigkeitsvorteile könnten entscheidende Faktoren sein, um Vertrauen in autonome Systeme aufzubauen.

Europa und China im Vergleich

Sowohl in Europa als auch in China ist die Akzeptanz von KI hoch. Die Unterschiede zeigen sich jedoch bei Vertrauen und Nutzung. In China berichten die Befragten von deutlich höherem Vertrauen in KI über verschiedene Lebensbereiche hinweg, einer wesentlich häufigeren Nutzung physischer KI und einer deutlich größeren Bereitschaft, vollständig autonome Fahrzeuge zu akzeptieren.

Die Xpeng-Studie

Die Studie wurde von der unabhängigen Marktforschungsagentur Improof Research durchgeführt. Befragt wurden repräsentative Verbrauchergruppen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Schweden und Polen (jeweils rund 800 Personen; insgesamt 5.107 Personen in Europa). Ergänzend wurde eine Referenzstichprobe in großen chinesischen Städten erhoben (1.008 Personen).

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