Wie Verbraucher und Kommunen profitieren

Bidirektionales Laden wird zum Baustein der Energiewende

6. Mai 2026, 09:14 Uhr | Nach Unterlagen von NTT Data, Redaktion: Irina Hübner
Die Zahl der elektrischen Fahrzeugmodelle nimmt ebenso wie die Zahl geeigneter Wallboxen und Ladesäulen kontinuierlich zu.
© Wellnhofer Designs / stock.adobe.com

Beim bidirektionalen Laden wird das E-Auto zum Energiespeicher, der Strom bei Bedarf wieder abgibt. Vor allem die Einspeisung ins öffentliche Netz, Vehicle-to-Grid (V2G), bietet sowohl Haushalten und Unternehmen als auch Kommunen und ihren Stadtwerken Vorteile. NTT DATA liefert einen Überblick.

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Die Zahl der elektrischen Fahrzeugmodelle, die bidirektionales Laden unterstützen, nimmt ebenso wie die Zahl geeigneter Wallboxen und Ladesäulen kontinuierlich zu, sodass die Voraussetzungen für die großflächige Nutzung der Technik immer besser werden. Attraktiv ist sie für alle Beteiligten – private wie gewerbliche Stromkunden sowie Gemeinden und ihre lokalen Energieversorger. Noch sind zwar insbesondere bei V2G einige Fragen zur Haftung und Besteuerung zu klären, doch das Potenzial, die Energie- und Mobilitätswende entscheidend voranzubringen, ist riesig:

Vorteile für Haushalte und Unternehmen​

Niedrigere Stromkosten

Haushalte und Unternehmen mit einer Photovoltaik-Anlage können die Batterien ihrer Elektrofahrzeuge nutzen, um selbst erzeugte Energie einzuspeichern. Diese verwenden sie dann, wenn die Solarproduktion niedrig ist, sodass sie weniger Strom aus dem Netz beziehen müssen. Sie steigern also ihren Eigenverbrauch und senken damit ihre Stromkosten, da der selbst erzeugte Strom günstiger ist als der Strom aus dem Netz. Aber auch Verbraucher ohne PV-Anlage profitieren, wenn sie die Fahrzeugbatterie in Zeiten mit hohem Stromangebot und dementsprechend niedrigen Preisen laden und diesen Strom verbrauchen, wenn das Angebot knapp und die Preise hoch sind. Die Voraussetzung für das Nutzen von Preisdifferenzen im Strommarkt wurde zum Jahresbeginn 2025 mit der Einführung dynamischer Stromtarife geschaffen.

Neue Einnahmequellen

Die schwankenden Strompreise sind auch die Basis für neue Geschäftsmodelle, bei denen Fahrzeugbesitzer eine Vergütung erhalten, sobald sie Strom in Perioden mit hoher Nachfrage ins Netz zurückspeisen. Energieversorger und Netzbetreiber können diesen Strom als sogenannte Regelenergie nutzen, die Nachfragespitzen bedient und sonst sehr teuer erzeugt oder zugekauft werden müsste.

Strom für den Notfall

Stromausfälle gibt es in Deutschland nur selten und in der Regel dauern sie auch nicht allzu lange – völlig ausgeschlossen sind sie allerdings nicht. In diesem Fall verspricht der Strom aus der Fahrzeugbatterie eine gewisse Unabhängigkeit und sorgt dafür, dass elektrische Geräte im Haushalt beziehungsweise Unternehmen weiterlaufen können. Das funktioniert natürlich nur, wenn das Fahrzeug vor Ort ist. Wichtige Geräte, die keinesfalls ausfallen dürfen, benötigen weiterhin eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV).

Geringere Anschaffungskosten

Die Preise für Stromspeicher sinken zwar, dennoch kosten sie auch weiterhin einige hundert Euro pro Kilowattstunde. Wird die Fahrzeugbatterie als Zwischenspeicher genutzt, kann der Heimspeicher kleiner ausfallen, was die Anschaffungskosten senkt. Die Batterie des E-Autos ist ohnehin vorhanden und bietet üblicherweise deutlich höhere Kapazitäten, um selbst erzeugten oder günstigen Netzstrom einzuspeichern.

Vorteile für Kommunen und Stadtwerke​

Stabilisierung des Stromnetzes

Die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen erhöht den Bedarf an Regelenergie, die Überlastungen im Stromnetz und Engpässe in der Energieversorgung verhindert. Dank bidirektionalem Laden können E-Autos diese Regelenergie bereitstellen, also Überkapazitäten aus dem Netz aufnehmen oder Energie einspeisen, wenn mehr Strom benötigt als produziert wird. Damit tragen sie zu einer stabilen Stromversorgung bei und ermöglichen eine bessere Integration erneuerbarer Energiequellen ins Stromsystem.

Günstigere und umweltfreundlichere Stromversorgung

Da Regelenergie schnell und flexibel verfügbar sein muss, ist sie üblicherweise sehr teuer – und wird bislang zu großen Teilen von konventionellen Kraftwerken bereitgestellt, die ihre Stromproduktion rasch hoch- und runterfahren können. Werden künftig die Batterien von Elektrofahrzeugen als Pufferspeicher genutzt, ist das deutlich umweltfreundlicher und auch günstiger, weil preiswerter Wind- und Solarstrom eingespeichert beziehungsweise ins Netz eingespeist wird. Zudem steigt insgesamt der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix.

Geringere Investitionen in den Netzausbau

Um Energieüberschüsse schnell an Stromabnehmer in anderen Netzen weiterleiten oder Regelenergie schnell dort bereitstellen zu können, wo sie benötigt wird, sind flexible und leistungsfähige Stromnetze erforderlich. Der Netzausbau kostet jedoch viel Geld und ist für die meist klammen Kommunen nicht ohne weiteres zu stemmen. Fahrzeugbatterien stellen dezentrale Pufferspeicher bereit, die das Netz entlasten – und das aufgrund der zunehmenden Zahl an E-Autos in immer größerem Maße. Die verfügbaren Kapazitäten werden in den nächsten Monaten und Jahren zügig weiterwachsen und damit helfen, die Kosten für den Netzausbau zu reduzieren.

Günstigere Energieversorgung städtischer Einrichtungen

Nutzen städtische Einrichtungen und Unternehmen ihre Fahrzeugflotten als Stromspeicher können sie ebenso wie private und gewerbliche Stromkunden von den Preisschwankungen im Strommarkt profitieren. Sie speichern selbst erzeugte oder günstige Energie aus dem öffentlichen Stromnetz ein und verwenden sie, wenn die Eigenproduktion niedrig ist beziehungsweise die Strompreise hoch. Angesichts teilweise großer Fahrzeugflotten mit gut planbaren Standzeiten ergeben sich hier signifikante Einsparpotenziale.

Höhere Versorgungssicherheit

Die in den Fahrzeugbatterien gespeicherte Energie stellt einen – zugegebenermaßen überschaubaren – Puffer dar, sollte es in Folge von Naturkatastrophen zu größeren Stromausfällen kommen, etwa weil Überlandleitungen unter Schneelasten zusammenbrechen oder Überschwemmungen ein Kraftwerk lahmlegen. In solchen Notfällen muss dann weniger Strom, zum Beispiel mithilfe von Dieselgeneratoren, erzeugt werden.

Bessere Bindung von Stromkunden

Mit maßgeschneiderten und attraktiven Angeboten können Stadtwerke und lokale Energieversorger neue Kunden gewinnen und bestehende Kunden besser an sich binden. Denn wer dank dynamischer Stromtarife jeden Monat Geld spart oder durch die Einspeisung ins öffentliche Netz sogar etwas verdient, der wechselt nicht so schnell den Stromanbieter.

Boost für Energie- und Mobilitätswende

Bidirektionales Laden und insbesondere V2G sind ein entscheidender Baustein für die Energiewende, weil sie Kommunen helfen, erneuerbare Energien besser zu nutzen und ihre Netze zu stabilisieren. Zudem verknüpfen sie die Energiewende geschickt mit einem anderen Zukunftsprojekt, der Mobilitätswende, da sie zusätzliche Anreize für Bürger und Unternehmen schaffen, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.

Gamechanger in der Energiewende

»Das bidirektionale Laden kann zum Gamechanger in der Energiewende werden, denn die Zahl der Elektrofahrzeuge wächst stetig und damit auch die Kapazität, die für den Ausgleich von Schwankungen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen zur Verfügung steht«, betont Karsten Hauffe, Head of Public, Defense & Energy bei NTT Data DACH. »Die Batterien sind bereits in den Fahrzeugen vorhanden, sodass – anders als beim Aufbau neuer Batterieparks – keine weiteren Rohstoffe gefördert werden müssen und keine zusätzlichen CO2-Emissionen entstehen. Kommunen, die das Thema frühzeitig vorantreiben, können sich als Vorreiter der Energie- und Mobilitätswende positionieren und ihre Bürgerinnen und Bürger sowie die lokalen Unternehmen besser in diese Veränderungen einbinden.«

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