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Neutrale Rechenzentren

Digitale Schnellstraßen zur vernetzten Mobilität

10. Juni 2021, 09:00 Uhr   |  Autor: Klaas Mertens, Redaktion: Irina Hübner

Digitale Schnellstraßen zur vernetzten Mobilität
© Equinix | Shutterstock.com

Beim autonomen und vernetzten Fahren fallen unglaubliche Datenmengen an, die allesamt verarbeitet werden müssen. Neutralen Rechenzentren kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.

Die Automobilindustrie befindet sich in einem massiven digitalen Umbruch. Noch vor wenigen Jahren schienen autonom fahrende oder vollvernetze Fahrzeuge eine Zukunftsvision zu sein, doch mittlerweile werden sie schrittweise zur alltäglichen Realität – sowohl im Personenverkehr als auch im Transportbereich.

Vernetzte Technologien sollen die Mobilität nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer und effizienter machen. Laut dem Marktforschungsunternehmen IDC interessieren sich heute bereits 65 % der europäischen Autofahrer für das Konzept des autonomen und vernetzten Fahrens sowie die damit verbundenen Vorteile. Fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme (ADAS) sind dabei nur ein Beispiel für vernetzte Innovationen, die auf dem Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie maschinellem Lernen basieren.

Alle neuen Technologien im Automobil- und Transportwesen eint eine zentrale Voraussetzung: Sie benötigen eine leistungsstarke digitale Infrastruktur. Diese muss in der Lage sein, in der Entwicklung neuer Dienste riesige Datenvolumen schnell und sicher zu verarbeiten, und zudem kritische Daten zwischen Fahrzeugen und Automobilunternehmen sowie mit Clouds und digitalen Services zuverlässig und flexibel austauschen können. Hier kommen externe Rechenzentrumsanbieter ins Spiel, die in ihren Rechenzentren eine solche neutrale Plattform für Unternehmen der Automobilbranche anbieten.

Digitale Infrastruktur als unerlässliches Fundament

Um ihre digitalen Infrastrukturen flexibel anpassen zu können und gleichzeitig Zugang zu einem breit gefächerten Ökosystem von relevanten Partnern, Clouds und Kunden zu erlangen, sind neutrale Rechenzentren ein zentrales Fundament, ohne das viele Innovationen schlichtweg nicht umsetzbar sind. Auch in der Entwicklung und im Betrieb autonomer oder vernetzter Fahrzeuge sind sie ein kritischer Faktor.

Eine zentrale Herausforderung in diesem Technologiebereich ist die große Datenmenge, die vor allem Testfahrzeuge in den Entwicklungsphasen verschiedener Systeme generieren und sammeln. Je nach Umfang der Autonomie beim vernetzten Fahren variiert das Datenvolumen. Die Datenmenge pro Fahrzeug kann jedoch Schätzungen zu Folge bei einer lediglich eineinhalb stündigen Fahrt bei rund vier Terrabyte liegen – der gleichen Datenmenge, die etwa 3000 Internetnutzer an einem Tag produzieren.

Vernetzte Fahrzeuge wiederum müssen auch externe Daten aus anderen Netzwerken wie Verkehrsinformationssystemen in Echtzeit aggregieren, um zum Beispiel Routen zu berechnen oder den Verkehrsfluss zu antizipieren. Dabei müssen die Informationen unter Einhaltung der Sicherheits- und Datenschutzbestimmungen analysiert und geteilt werden.

Rechenzentrumsbetreiber unterstützen die Automobilindustrie beim Aufbau einer effektiven, digitalen Infrastruktur, die auf große Datenvolumen und den Austausch von Informationen ausgelegt ist: Mittels direkter und privater Verbindungen im Rechenzentrum – sogenannter Interconnection – können sich Automobilunternehmen sowohl zuverlässig, schnell und flexibel mit digitalen Service-Anbietern oder städtischen Infrastrukturbetreibern austauschen oder auf Clouds und Netzwerk-Service-Provider zugreifen als auch große Datenmengen schnell, kostengünstig und zuverlässig zwischen unterschiedlichen Plattformen transferieren.

Verteilte Rechenzentrumsstandorte garantieren dabei, dass der Zugang zum digitalen Ökosystem nah am digitalen Netzwerkrand angesiedelt ist – also dort, wo die Daten entstehen. Dadurch werden vor allem Latenzzeiten bei der Datenübertragung minimiert.

Gezielte Vernetzung aller Akteure

Die Vernetzung über eine neutrale Plattform stellt nicht nur die Basis für automatisiertes oder sogar autonomes Fahren dar, sondern auch die Voraussetzung für die Weiterentwicklung vernetzter Technologien. Dabei ist das digitale Ökosystem der Automobilbranche umfangreich und erstreckt sich nicht nur auf Automobilunternehmen selbst.

Digitale Ökosysteme im Automobil-und Transportbereich setzen sich unter anderem aus Akteuren wie Herstellern, Zulieferern, (öffentlichen) Verkehrsträgern, Behörden, Service-Anbietern, Clouds und nicht zuletzt auch den Nutzer:innen der Fahrzeuge zusammen, die es alle zu vernetzen gilt, um bestmöglichen Nutzen aus der Technologie zu schöpfen.

5G als Technologietreiber

Weitere Innovationssprünge verspricht die 5G-Technologie für die Mobilitätsbranche. Auch für die Einbeziehung und Nutzung dieser Technologie sind passende digitale Infrastrukturen unumgänglich.

Damit das volle Potenzial von 5G im Automobilsektor ausgeschöpft werden kann, müssen alle beteiligten Unternehmen und Netzwerkanbieter ihre digitale Infrastruktur entsprechend ausrichten und sich in digitalen Partner-Ökosystemen vernetzen, damit Innovationen wie vernetztes Fahren gemeinsam und effizient weiterentwickelt werden können. Eine private und direkte Vernetzung ist hier von erheblichem Vorteil. Statt mit einer isolierten, digitalen Infrastruktur zu arbeiten, stellen viele Unternehmen gerade mit Blick auf 5G neue Digitalkonzepte auf, die auf Kooperation und Flexibilität basieren.

Weichen für Innovationen der Zukunft

Um neue Innovationen zu beschleunigen und künftige Herausforderungen zu meistern, werden sich die Akteure der Automobilbranche immer stärker in einem Mobilitätsökosystem vernetzen und austauschen. Der latenzarme Zugang zu digitalen Ökosystemen aus Clouds, Netzwerken, Hardware- und Software-Anbietern sowie Partnern gewährleistet den schnellen und sicheren Datenaustausch und stellt gleichzeitig die Weichen für weitere Entwicklungen in einem Markt, der besonders in der heutigen Zeit von einem hohen Innovationsdruck geprägt ist.

Dies kommt der gesamten Wertschöpfungskette zu Gute und hilft dabei, teilautonome Fahrzeuge zu optimieren, vernetzte Fahrzeugflotten zu managen oder Defekte zu erkennen und zu verhindern. Kurz gesagt: Rechenzentren stellen eine digitale Schnellstraße zur vernetzten Mobilität bereit.

Literatur
https://www.businesswire.com/news/home/20170414005225/en/Intel-Editorial-For-Self-Driving-Cars-There%E2%80%99s-Big-Meaning-Behind-One-Big-Number-4-Terabytes

 


Der Autor

Klaas Mertens, Global Solutions Architect bei Equinix.
© Equinix

Klaas Mertens, Global Solutions Architect bei Equinix.

Klaas Mertens
ist Global Solutions Architect bei Equinix. Equinix unterstützt als führender Rechenzentrumsanbieter Unternehmen aus dem Automobil- und Mobilitätssektor beim Aufbau einer leistungsstarken digitalen Infrastruktur. Diese ermöglicht innerhalb des Rechenzentrums den direkten Datenaustausch (Interconnection) zwischen OEMs, Zulieferern sowie Cloud- und Service-Providern im digitalen Ökosystem.

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