Schwerpunkte

Erweiterung für ERP-Systeme

Mehr Durchblick in der Auftragsabwicklung

18. Juni 2020, 09:25 Uhr   |  Von Philip W. Berghoff

Mehr Durchblick in der Auftragsabwicklung
© Chamille White | shutterstock.com

Im Zuge der Digitalisierung werden Prozesse in Fertigungsbetrieben mehr und mehr automatisiert. Doch das ist nicht immer einfach. Wie die Auftragsabwicklung effizienter gestaltet werden kann, zeigt Rose Systemtechnik.

Porsche setzt auf eine papierlose Fertigung – und HMI Creations by Rose Systemtechnik ist dabei immer im Blick: Das norddeutsche Unternehmen entwickelt und produziert die Bedien- und Visualisierungsterminals, mit denen der Autobauer seine Vision einer digitalen Fertigung umsetzt. Auch Rose Systemtechnik lebt Industrie 4.0. Mit der Einführung von »MiG – Materialwirtschaft im Gleichgewicht« hat das Unternehmen seine Liefertermintreue auf über 90 Prozent gesteigert und die Auftragsbearbeitung deutlich vereinfacht.

An seinem Standort in Hohenlockstedt produziert das Unternehmen, das seit einiger Zeit zu Rose Systemtechnik in Porta Westfalica gehört, individuelle Panel-PCs, Industrie-Tablets und Embedded-PC-Systeme. Sie kommen in zahlreichen Branchen und Anwendungen zum Einsatz – von der Anlagenausrüstung über Restaurantausstattungen bis zur Pharmazietechnik. Um hierbei den hohen Anforderungen gerecht zu werden, setzt das Unternehmen auf eine digitalisierte Fertigung, die zum Beispiel eine exakte Nachverfolgbarkeit aller Bauteile ermöglicht.

Software MiG von Perzeptron
© Rose Systemtechnik

Bild 1. Rose Systemtechnik setzt auf die Software MiG von Perzeptron für Materialwirtschaft und Auftragsabwicklung am Standort Hohenlockstedt.

Luft nach oben in der Auftragsabwicklung

»So gut wir in der Produktion mittlerweile sind – so umständlich und langwierig war bisher unser Prozess zur Auftragsabwicklung«, sagt Standortleiter Jan Oliver Kammesheidt. »Unsere Prozessschritte waren nicht perfekt aufeinander abgestimmt und mit unseren Anpassungen haben wir keinen Durchbruch erreicht«. So passte es gut, als der Fertigungsleiter des Unternehmens, André Cramme, das Softwaretool »MiG – Materialwirtschaft im Gleichgewicht« im Unternehmen vorstellte. Die Software wird an bestehende ERP-Systeme angebunden und schafft Transparenz im Abwickeln von Kundenaufträgen und in der Materialwirtschaft – vom Einkauf über die Fertigung bis zu Vertrieb und Geschäftsführung. Perzeptron – das Unternehmen hinter MiG – versteht die Herausforderungen und Prozesse in Einkauf und Materialfluss und bringt ein großes Branchenwissen mit.

MiG – Materialwirtschaft im Gleichgewicht
© Rose Systemtechnik

Bild 2. Schafft Durchblick: MiG – Materialwirtschaft im Gleichgewicht ist ein intelligentes Add-On für bestehende ERP-Systeme.

Für Stücklisten-Fertiger

Perzeptron entwickelte MiG auf Basis langjähriger Erfahrung in der Prozess- und Fertigungsoptimierung. Das Programm generiert aus den Daten des ERP-Systems Liefer- und Fertigungsübersichten, eine Engpassbetrachtung für den Einkauf und eine Bestandsoptimierung für das Lager. Allen Prozessbeteiligten stehen damit dieselben Daten zur Verfügung, jeweils mit abteilungsspezifischen Funktionen für die Visualisierung, Analyse und Optimierung. MiG wurde für alle Fertigungsbetriebe konzipiert, die mit Stücklisten arbeiten. Somit ist die Software für die Elektronikfertigung ebenso geeignet wie für Maschinenbauer. Sie beherrscht große Zahlen unterschiedlicher Bauteile, verschiedene Lieferanten und flexible Wünsche zur Lieferzeit seitens der Endkunden.

Schnell und ohne Risiko einsatzbereit

Letztlich überzeugt für die Einführung von MiG hat das Team eine Testphase unter realen Einsatzbedingungen. Für das Implementieren benötigt MiG lediglich einen virtuellen Server und die Schnittstellenbeschreibung des ERP-Systems. Die Software liest die Daten aus, hat jedoch keinen Schreib-Zugriff, somit verändert sie keine Daten im ERP-System. Hiermit ist eine Installation ohne Risiken möglich. Auf Seite der Anwender ist sie Browser-basiert und damit auf allen PCs lauffähig. »Einmal installiert, ist die Software sehr eingängig und man steigt schnell dahinter, wie sie funktioniert«, sagt Kammesheidt.

Laut Rose Systemtechnik liefert MiG Durchblick auf Knopfdruck. Das Programm räumt die Daten aus dem ERP-System auf und versorgt alle Mitarbeiter mit den für sie notwendigen Daten und Informationen. Um diese optimal zu nutzen, wurden die Prozesse in der Auftragsbearbeitung angepasst.

Kundenspezifische Panel-PCs, Tablets und Box-PCs
© Rose Systemtechnik

Bild 3. Kundenspezifische Panel-PCs, Tablets und Box-PCs: das Portfolio von HMI Creations.

Einen Arbeitstag gewonnen

In der Vergangenheit wartete die Auftragsbearbeitung des Teams von HMI Creations auf den Einkauf, für eine Bestätigung des Liefertermins. Das war langwierig und oft ungenau. Mit MiG legen legen die Mitarbeiter einen Auftrag direkt mit Stückliste an, die den Bedarf für den Einkauf abbildet. MiG zeigt die Materialübersicht und zu bestellende Artikel direkt an – die Auftragsverarbeitung kann den Liefertermin genau mit dem Kunden abstimmen. »Unser Informationsfluss wurde erheblich verbessert und die gesamte Auftragsabwicklung ist heute deutlich schneller und einfacher«, so Kammesheidt. »Wir haben unsere Liefertermintreue mit MiG auf über 90 Prozent gesteigert«.

Sämtliche Excel-Listen, mit denen in Lager und Einkauf bislang aufwendig nach Bauteilen und Informationen gesucht wurde, hat das Unternehmen ad Acta gelegt – ein großer Einschnitt für das Team. Letzten Endes haben alle Mitarbeiter MiG vertraut und im Ergebnis deutlich mehr Zeit für strategische Aufgaben. Beispielsweise hat der Lagermeister jede Woche einen kompletten Arbeitstag für andere Themen gewonnen, konnte sich persönlich weiterentwickeln und verantwortet nun das ERP-System und MiG.

Umsatz verdoppelt

Ebenso sind die Auswirkungen von MiG im Versand wahrnehmbar: In der eigenen Ansicht innerhalb des Programms sehen die Mitarbeiter, an welchem Tag sie wie viele Geräte versenden. Hiermit lassen sich die benötigten Ressourcen einteilen. Rose Systemtechnik ist mit der Einführung von MiG am Standort Hohenlockstedt deutlich effizienter geworden. So wurde beispielsweise der Umsatz von 2017 auf 2018 von 4,4 Mio. Euro auf 6,5 Mio. Euro gesteigert – mit der gleichen Mannschaft in der Materialwirtschaft.

Der Autor

Philip W. Berghoff ist freier Journalist.

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