Bilanz der Hannover Messe 2026

Viel Prominenz und neue Hallenbelegung

25. April 2026, 12:54 Uhr | Andreas Knoll
Für den Hermes Award 2026 der Hannover Messe hat die Jury drei Unternehmen nominiert.
Den Hermes Award 2026 der Hannover Messe hat Schaeffler gewonnen – für eine Plattform für hochintegrierte Aktuatoren, speziell konstruiert zur Anwendung in den Gelenken humanoider Roboter.
© Deutsche Messe AG

Dank der neuen Center Stage war auf der Hannover Messe 2026 besonders viel deutsche und internationale Prominenz aus Politik und Wirtschaft vertreten. Die neue Hallenbelegung machte die Messe räumlich etwas kompakter als bisher. Ab dem kommenden Jahr soll der Freitag als Messetag wegfallen.

Die Hannover Messe 2026 gliederte sich in drei Ausstellungsbereiche: Automatisierung & Digitalisierung (Hallen 13 bis 17, Hallen 23, 25, 26, 27), Energie & Industrieinfrastruktur (Hallen 11 bis 13) sowie Forschung & Technologietransfer (Halle 11). In der Hallenaufteilung lag zugleich die größte Veränderung gegenüber den Vorjahren: Anstelle der Hallen 2 bis 9, 11 bis 13 und 14 bis 17 waren diesmal die Hallen 11 bis 13, 14 bis 17 sowie 23, 25, 26 und 27 ins Messegeschehen einbezogen.

Rund 110.000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt nahmen an der Hannover Messe 2026 teil. Damit lag die Beteiligung zwar unter dem Vorjahresniveau (2025: 123.000 Besucher) – Streiks im Flug- und öffentlichen Nahverkehr erschwerten die Anreise deutlich –, doch »die Qualität der Begegnungen und die Dynamik in den Hallen zeigten: Die Technologien sind vorhanden, die Ansätze erprobt – jetzt geht es darum, sie konsequent umzusetzen«, wie Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, betonte.

Trotz der erschwerten Rahmenbedingungen war die Messe erneut stark international geprägt: Rund 40 Prozent der Gäste reisten aus dem Ausland an. Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählten China, Brasilien, die USA, Japan und Südkorea.

Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG
Dr. Jochen Köckler, Deutsche Messe AG: »Die Hannover Messe war in diesem Jahr Technologieschau und Impulsgeber zugleich.«
© Deutsche Messe AG

»Die Hannover Messe war in diesem Jahr Technologieschau und Impulsgeber zugleich«, sagte Dr. Jochen Köckler. »Die Unternehmen haben gezeigt, dass Deutschland und Europa über die notwendigen Werkzeuge verfügen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Entscheidend ist nun, diese Potenziale entschlossen zu nutzen und in die Anwendung zu bringen. Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Digitalisierung und Robotik spielen dabei eine zentrale Rolle, um Produktionsprozesse effizienter zu gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.«

Innovationen, die Zukunft greifbar machen

Unternehmen präsentierten auf der Hannover Messe 2026 unter anderem: KI-gestützte Produktionssysteme und -assistenten, die Prozesse automatisieren und Ausfälle vorhersagen können, humanoide Roboter, die schon heute komplexe Bewegungsabläufe beherrschen und perspektivisch in Produktion und Service einsetzbar sind, sowie neue Lösungen für Energieeffizienz und Netzausbau, die den Weg in eine klimaneutrale Industrie ebnen.

Vertreten waren zudem viele Hochkaräter aus Wirtschaft und Politik. Neben Bundeskanzler Friedrich Merz und dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva waren unter anderem Roland Busch (Siemens), Christian Klein (SAP), Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zugegen. Auch international war die politische Prominenz stark präsent – von der kanadischen Industrieministerin Mélanie Joly bis hin zu Stéphane Séjourné von der Europäischen Kommission.

»Das neue Konzept der Hannover Messe ist ein Erfolg - besonders die Center Stage hat große Resonanz erfahren«, sagte Dr. Gunther Kegel, Präsident des ZVEI und Vorsitzender des Ausstellerbeirats. »Das stärkt das Profil als Ort des hochkarätigen Austauschs, gerade mit der Politik.« Und VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann: »Die Hannover Messe und die Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau haben in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt, dass sie die Herausforderungen einer von multiplen Krisen geprägten Welt annehmen. Die Digitalisierung unserer Industrie schreitet mit hohem Tempo voran, KI und humanoide Robotik waren zu Recht die prägenden Themen dieser Messe. Der industrielle Mittelstand will und kann Technologien liefern, die uns auch künftig international wettbewerbsfähig halten.«

Partnerland Brasilien: Impulse zur richtigen Zeit

Das Partnerland Brasilien erwies sich in diesem Jahr als starke Bereicherung der Hannover Messe – und als Impulsgeber zur richtigen Zeit. Mit einem breiten Spektrum an Industrie-, Energie- und Digitalisierungsthemen präsentierte sich Brasilien als dynamischer Wachstumsmarkt und verlässlicher Partner für internationale Kooperationen.

»Gerade in einer Phase globaler Umbrüche und neuer Handelsbeziehungen setzte die Partnerschaft wichtige Signale: für mehr Diversifizierung, für resilientere Lieferketten und für eine engere Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika«, erläuterte Dr. Jochen Köckler. Das in Kürze in Kraft tretende EU-Mercosur-Abkommen habe der Partnerlandbeteiligung einen deutlichen Schub verliehen und neue Impulse für wirtschaftliche Kooperationen gesetzt.

Neue Networking-Formate

Großen Zuspruch bekamen die neuen Networking-Formate: Besonders die Masterclasses entwickelten sich zu einem Mehrwert für die Aussteller. In kompakten, praxisnahen Sessions konnten Unternehmen ihre Expertise gezielt präsentieren und direkt mit potenziellen Kunden in den Austausch treten.

Ein Publikumsmagnet war die Center Stage, die sich als zentrale Plattform für Wissenstransfer, Diskussion und Inspiration etabliert hat. Mit einem hochkarätigen Programm über alle Messetage hinweg zog sie rund 30.000 Besucherinnen und Besucher an. »Die durchgehend starke Resonanz zeigt: Der Bedarf an Orientierung, Austausch und Einordnung der großen Transformationsthemen ist hoch – und die Hannover Messe liefert dafür den passenden Raum«, kommentierte Dr. Jochen Köckler.

Hannover Messe 2027 mit »Europe Energy Week«

Mit Blick auf 2027 setzt die Hannover Messe ihren Weg der Weiterentwicklung fort. So wird die neue Messe »Europe Energy Week« parallel zur Hannover Messe ausgerichtet. In Zusammenarbeit mit dem Messeveranstalter dmg events soll eine Plattform entstehen, die Energieerzeuger, Industrieunternehmen, Infrastrukturbetreiber und politische Entscheider zusammenführt und den Austausch über die Energiezukunft Europas stärkt.

Eine zentrale Neuerung betrifft die Laufzeit der Messe: Von 2027 an konzentriert sich die Hannover Messe auf die besucherstärksten Tage und findet dann von Montag, 5. April, bis Donnerstag, 8. April, statt. »Mit dieser Fokussierung werden Besucherfrequenz, Entscheiderpräsenz und Geschäftsanbahnung gezielt gebündelt«, hebt Dr. Jochen Köckler hervor. »Ziel ist es, die Messe noch effizienter und attraktiver für Aussteller und Besucher zu gestalten.«

Sein Resümee der Hannover Messe 2026: »Die Hannover Messe entwickelt sich konsequent weiter – fokussierter, effizienter und näher an der Industrie. Und thematisch wurde klar: Neben der konkreten Anwendung von KI rückt die Ära der physischen KI in den Fokus. Die Verbindung von künstlicher Intelligenz mit realen Maschinen und Produktionssystemen wird die Hannover Messe in den kommenden Jahren prägen – und den nächsten großen Entwicklungsschritt der Industrie bestimmen.«

Die Hannover Messe in Kürze

Die Hannover Messe definiert sich als Weltleitmesse für die produzierende Industrie. Dort versammeln sich rund 3000 ausstellende Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft, um Lösungen für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Industrie zu präsentieren. Die Hauptausstellungsbereiche sind Automatisierung & Digitalisierung, Energie & Industrieinfrastruktur sowie Forschung & Technologietransfer. Das Thema Künstliche Intelligenz zieht sich wie ein roter Faden durch alle Ausstellungsbereiche. Ein vielfältiges Konferenzprogramm ergänzt die Ausstellung. Die nächste Ausgabe der Hannover Messe wird vom 5. bis zum 8. April 2027 in Hannover ausgerichtet. Spanien ist Partnerland.

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