Produkte und Lösungen für Industrial 5G

Kontron: »Embedded wird zum entscheidenden Baustein des IoT«

5. August 2026, 15:00 Uhr | Andreas Knoll
Verschiedene Geräte und Module von Kontron für die industrielle 5G-Connectivity.
Verschiedene Geräte und Module von Kontron für die industrielle 5G-Connectivity.
© Kontron

Seit einiger Zeit richtet sich Kontron verstärkt an Produkten und Lösungen für das IoT aus, wie die Aussage »The Power of IoT« im Firmenlogo verdeutlicht. Das Embedded-Geschäft bleibt aber für das Unternehmen zentral und bildet die Basis für IoT-Produkte wie etwa industrielle 5G-Module.

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Hannes Niederhauser, CEO von Kontron, und Christoph Caselitz, dort EVP Automotive & VP Sales Europe, erläutern die Hintergründe.

Elektronik: Die industrielle Fertigung wird immer mobiler, automatisierter und datengesteuerter. Welche Möglichkeiten eröffnet 5G in der industriellen Fertigung, auch im Vergleich zu anderen drahtlosen Technologien wie Wi-Fi 6 und Wi-Fi 7?

Christoph Caselitz: Die industrielle Fertigung wird zunehmend von mobilen Robotern, fahrerlosen Transportfahrzeugen (AGVs), modularen Fertigungszellen und kamerabasierten Qualitätssystemen geprägt. Dadurch steigt die Zahl vernetzter Geräte rasant und ebenso der Bedarf an skalierbaren und vorhersehbaren Funknetzen. Wi-Fi 6 und Wi-Fi 7 spielen in diesem Umfeld eine wichtige Rolle für lokale Best-Effort-Connectivity, etwa für Bedienterminals, HMIs, Tablets und nicht kritischen IT-Verkehr innerhalb definierter Bereiche. Allerdings stößt Wi-Fi mit steigender Gerätedichte, Mobilität und Roaming-Anforderungen an Grenzen – nicht nur bei deterministischer Latenz und stabiler Uplink-Kapazität, sondern vor allem auch bei Sicherheitsarchitekturen im industriellen Maßstab. Wi-Fi beruht meist auf netzwerkbasierten Sicherheitsmechanismen und gemeinsamen Zugangskonzepten, die in hochkritischen Produktionsumgebungen zusätzlichen Aufwand für Segmentierung, Absicherung und Betrieb bedeuten.

Christoph Caselitz ist EVP Automotive & VP Sales Europe bei Kontron.

Christoph Caselitz ist EVP Automotive & VP Sales Europe bei Kontron.

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Hannes Niederhauser: Genau hier setzt 5G an – und zwar nicht nur bei Performance, sondern ganz wesentlich bei der Sicherheit. 5G wurde von Grund auf mit einer Ende-zu-Ende-Sicherheitsarchitektur entwickelt. Durch SIM-basierte Authentifizierung, hardwaregestützte Identitäten und standardisierte Verschlüsselung bietet 5G ein deutlich höheres Sicherheitsniveau als klassische Wi-Fi-Netze. Jeder Teilnehmer ist eindeutig identifizierbar und kontrollierbar – ein entscheidender Vorteil in industriellen Umgebungen mit hohen Anforderungen an Zugriffsschutz und Datenintegrität. Gerade im Kontext zunehmender Cyberbedrohungen und regulatorischer Anforderungen wird dieser Unterschied immer wichtiger. Zusätzlich bietet 5G deterministische Latenz, hohe Mobilitätsunterstützung und zuverlässige Kommunikation auch in dichten und dynamischen Umgebungen. Private 5G-Netze lassen sich über große Standorte hinweg skalieren und ermöglichen eine konsistente Sicherheits- und Netzwerkarchitektur über Innen- und Außenbereiche hinweg. Damit wird 5G nicht nur zum Performance-, sondern auch zum Sicherheits-Enabler für moderne industrielle Infrastrukturen.

Hannes Niederhauser ist CEO von Kontron.

Hannes Niederhauser ist CEO von Kontron.

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Wie weit ist 5G heutzutage in der industriellen Produktion verbreitet?

Hannes Niederhauser: Industrielles 5G befindet sich noch in einer frühen Phase, die Verbreitung nimmt jedoch deutlich zu. Aktuell nutzen etwa 10 bis 15 Prozent der Industriestandorte 5G in Produktivumgebungen, wobei Europa und Nordamerika eine Vorreiterrolle einnehmen. Analysten erwarten bis Mitte des Jahrzehnts zweistellige jährliche Wachstumsraten für private und industrielle 5G-Rollouts, getrieben durch Automatisierung, Robotik und Logistik. Ein zusätzlicher Treiber ist die zunehmende Bedeutung von Sicherheits- und Compliance-Anforderungen, die Unternehmen dazu bewegen, ihre Kommunikationsinfrastruktur strategisch neu zu bewerten.

Christoph Caselitz: In der Praxis beginnt die Einführung meist mit klar abgegrenzten Anwendungsfällen statt mit einem flächendeckenden Rollout. Erste Projekte fokussieren häufig auf mobile Maschinen und Fahrzeuge wie AGVs, mobile Roboter, Gabelstapler oder Anwendungen im Außenbereich, wo 5G unmittelbare betriebliche Vorteile und einen messbaren ROI liefert. Nach erfolgreicher Validierung folgt die schrittweise Ausweitung auf gesamte Standorte oder Campus-Netze. Kontron unterstützt diesen Übergang, indem industrietaugliches 5G direkt in Maschinen und Gateways integriert wird – auf Basis von Technologie aus westlicher Entwicklung und Fertigung. Das ist besonders im Hinblick auf Datenhoheit, Sicherheit und vertrauenswürdige Lieferketten ein entscheidender Faktor.

Die 5G-M.2-Breitband-Modem-Card IB17M-W von Kontron.

Die 5G-M.2-Breitband-Modem-Card IB17M-W von Kontron.

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Die Einführung von 5G in industriellen Umgebungen war anfangs mit hohen Erwartungen verbunden. Hat 5G diese Erwartungen sowohl hinsichtlich der Verbreitung als auch der Funktionalität in industriellen Anwendungen erfüllt?

Christoph Caselitz: Aus funktionaler Sicht hat 5G seine Versprechen erfüllt. Es ermöglicht Latenzen im einstelligen Millisekundenbereich, eine hohe und stabile Uplink-Bandbreite für Video- und Sensordaten sowie eine zuverlässige Machine-to-Machine-Kommunikation. Darüber hinaus zeigt sich, dass die integrierten Sicherheitsmechanismen von 5G ein wesentlicher Vorteil gegenüber klassischen Funktechnologien sind – besonders bei kritischen Anwendungen wie Robotik, Bildverarbeitung und mobiler Automatisierung. Die anfänglich langsamere Verbreitung ist vor allem auf Brownfield-Umgebungen, lange Validierungszyklen und hohe Verfügbarkeitsanforderungen zurückzuführen.

Hannes Niederhauser: Dennoch hat der Markt bereits eine relevante Größe erreicht und wächst sehr dynamisch. Ein wesentlicher Beschleuniger ist dabei auch die zunehmende regulatorische Klarheit im Bereich Cybersecurity. Unternehmen erkennen, dass moderne Kommunikationsinfrastrukturen nicht nur leistungsfähig, sondern auch nachweisbar sicher und resilient sein müssen – und genau hier bietet 5G klare Vorteile.

Die Produktionsstätte von Kontron in Augsburg.

Die Produktionsstätte von Kontron in Augsburg.

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Welche Alleinstellungsmerkmale bietet das neue industrielle 5G-Modul im Vergleich zu anderen Produkten auf dem Markt?

Christoph Caselitz: Das Modul ist speziell für anspruchsvolle industrielle Umgebungen und langlebige Produktionssysteme ausgelegt. Im Gegensatz zu Consumer-nahen Lösungen bietet es ein vorhersehbares Betriebsverhalten und ist auf den langfristigen Einsatz in Fabriken und mobilen Maschinen ausgelegt. Neben Robustheit und Performance spielt dabei auch die integrierte Sicherheitsfähigkeit eine zentrale Rolle – von sicherer Authentifizierung bis hin zu stabilen, kontrollierbaren Kommunikationsverbindungen.

Hannes Niederhauser: Weitere Faktoren sind die Integrationsflexibilität und die langfristige Verfügbarkeit. Darüber hinaus legen wir großen Wert auf Cyber-Resilienz und regulatorische Konformität. Themen wie der Cyber Resilience Act gewinnen aktuell massiv an Bedeutung. Mit unserem Modul adressieren wir diese Anforderungen gezielt: durch sichere Entwicklungsprozesse, kontrollierte Lieferketten, langfristige Wartbarkeit und die Möglichkeit, Systeme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg sicher zu betreiben und zu aktualisieren. Das schafft Vertrauen – nicht nur technologisch, sondern auch regulatorisch.

Welche neuen Möglichkeiten eröffnet das Modul in industriellen Anwendungen?

Christoph Caselitz: Mit integriertem 5G lassen sich jetzt auch anspruchsvolle Anforderungen an Latenz, Verfügbarkeit und sichere Datenübertragung drahtlos erfüllen. Gerade in mobilen und dynamischen Umgebungen ist die Kombination aus Performance und Sicherheit entscheidend, um neue Anwendungen überhaupt erst wirtschaftlich umsetzen zu können.

Hannes Niederhauser: Zusätzlich ermöglicht die 5G-Architektur eine deutlich bessere Kontrolle über Zugriffe und Kommunikationsbeziehungen. Das ist besonders im Kontext von Cybersecurity und industrieller Resilienz ein zentraler Vorteil gegenüber klassischen Funktechnologien.

Zwei Automotive-Grade 5G-Network- Access-Devices des Typs AV6540558 von Kontron.

Zwei Automotive-Grade 5G-Network- Access-Devices des Typs AV6540558 von Kontron.

© Kontron

Inwieweit unterstützt das Modul Sensor-to-Cloud- oder Edge-to-Cloud-Anwendungen in industriellen Umgebungen?

Christoph Caselitz: Das Modul verbindet Sensoren und Maschinen nicht nur performant, sondern auch sicher mit Edge- und Cloud-Infrastrukturen. Gerade bei sensiblen Produktionsdaten ist eine durchgängige Absicherung der Kommunikation ein entscheidender Faktor.

Hannes Niederhauser: Zusätzlich unterstützt 5G die Umsetzung resilienter Architekturen, in denen Daten sicher übertragen, verarbeitet und gespeichert werden können. Das wird auch vor dem Hintergrund regulatorischer Anforderungen wie dem Cyber Resilience Act immer wichtiger.

Welche Rolle wird das Embedded-Geschäft für Kontron in absehbarer Zukunft spielen?

Hannes Niederhauser: Embedded-Systeme bilden nach wie vor das Fundament von Kontron, entwickeln sich jedoch deutlich weiter. Neben Trends wie KI und 5G spielen vor allem Cybersecurity und regulatorische Anforderungen eine immer größere Rolle. Der Cyber Resilience Act ist hier ein zentraler Treiber, weil er klare Anforderungen an Sicherheit, Updatefähigkeit und Lebenszyklusmanagement vernetzter Systeme stellt. Das bedeutet: Systeme müssen von Anfang an so entwickelt werden, dass sie resilient, updatefähig und langfristig sicher betreibbar sind. Genau darauf richten wir unsere Plattformen aus – mit einem Fokus auf cyberresiliente Architekturen, sichere Connectivity und integrierte Softwarefähigkeiten. Embedded bleibt damit nicht nur die technologische Basis, sondern wird zum entscheidenden Baustein für sichere und zukunftsfähige IoT- und Industrieanwendungen.

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