Cloud-native PLM- und QMS-Systeme, die in der und für die Cloud entwickelt wurden und in der Cloud gehostet werden, fördern Effizienz und Skalierbarkeit. Vorteilhaft ist dies unter anderem bei Entwicklung und Nachhaltigkeitsmanagement, wie ein Beispiel aus der Praxis zeigt.
Um seine Wearable Scanner effizienter entwickeln zu können, führte das Münchner Unternehmen ProGlove das Cloud-native Product Lifecycle Management (PLM) und Quality Management System (QMS) Arena von PTC ein. Es unterstützt ProGlove auch beim Nachhaltigkeitsmanagement.
Die Idee hinter ProGlove wurde im Zentralwerk von BMW in München geboren: Der spätere Gründer verdiente damals sein Geld mit Besucherführungen. Dabei bemerkte er, wie schwierig es für die Lagerarbeiter war, Kartons auszubalancieren und gleichzeitig Barcodes zu scannen. Er fragte sich, wie man ein praktisches, ergonomisches Produkt schaffen könnte, das die Effizienz steigert. 2016 brachte das Unternehmen den ersten Handschuhscanner auf den Markt.
Heutzutage ermöglichen es die Software-Lösungen und die ausgebauten Produktlinien von ProGlove seinen über 2000 Kunden, Daten schnell und einfach zu erfassen und zu analysieren. Nutzer in den Bereichen Lagerhaltung, Logistik, Fertigung und Einzelhandel gewinnen an Produktivität, Sicherheit und Qualität der Abläufe. Anfangs stellten die Dateistruktur und die Verwaltung aller Produktversionen das Team jedoch vor zahlreiche Herausforderungen. Sean Engineer, Leiter der Hardware-Entwicklung bei ProGlove, erinnert sich: »Ob es nun um die Stückliste oder Dateiversionen ging – wir hatten wirklich Probleme, alles strukturiert zu halten. Bei der Überprüfung von Dateien waren wir nicht sicher, ob etwas erledigt war oder nicht. Das führte auch zu Komplikationen mit unseren Lieferanten. Doch als Start-up wollten wir unsere Energie nicht in die Pflege eines Stücklisten-Tools stecken – wir wollten uns auf die Entwicklung konzentrieren. Arena ermöglichte uns das, weil es eine Cloud-basierte Lösung und einfach zu pflegen ist.«
Arena ist die Cloud-native Plattform für Product Lifecycle Management (PLM) und Quality Management System (QMS) von PTC. Im Gegensatz zu Cloud-gehosteten bzw. Cloud-basierten Plattformen, die mit derselben Client-Server-Architektur konzipiert sind wie lokale Software, wurde Arena in der und für die Cloud entwickelt und wird in der Cloud gehostet. Die mandantenfähige Architektur von Arena erfordert nur eine einzige Software-Instanz, die der Anbieter verwaltet. So lässt sich die Software schnell bereitstellen und praktisch unbegrenzt skalieren, ohne dass Investitionen in IT-Infrastruktur nötig sind. Verteilte Teams erhalten eine effiziente und agile Möglichkeit, remote zusammenzuarbeiten.
Durch die in Arena integrierten Sicherheitsmaßnahmen inklusive Zugriffskontrollen für Benutzer können Unternehmen auch mit externen Partnern Informationen austauschen und haben dabei die Sicherheit, dass ihr geistiges Eigentum geschützt ist. Indem Arena zudem Produkt- und Qualitätsinformationen in einer Informationsquelle zusammenführt, auf die interne Teams und externe Partner jederzeit von überall zugreifen können, lassen sich in der Lieferkette z. B. Konstruktionsprüfungen, Bestellungen oder Audits schnell durchführen. Die Produktstückliste (BOM) ist mit Anforderungen, Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen (CAPAs), Lieferantenlisten und anderen wichtigen Informationen verknüpft, was für vollständige Transparenz und Rückverfolgbarkeit sorgt.
Verschiedene Wearables von ProGlove.
»Wir können Fehler frühzeitig erkennen, noch bevor sie in die Produktion gelangen«, erläutert Sean Engineer. »Die Kommunikation zwischen Konstruktion, Lieferkette und Produktion findet auf einer einzigen Plattform statt. Dadurch ist sichergestellt, dass die Absichten der Ingenieure lückenlos an unsere Lieferanten vermittelt werden.«
Bei der Entwicklung von E-Textilien für die ProGlove-Produkte war es vor einigen Jahren noch kompliziert, die Technologie in die Textilien zu integrieren. Die Entwicklung stand in ständigem Austausch mit der Produktion, um sicherzustellen, dass sich das Produkt im Einsatz auch bewährt. »Mit Arena konnten wir viel schneller als vorher zwischen den Aspekten der Fertigung und Konstruktion iterieren und die Fehlerquote praktisch auf null reduzieren – und uns dabei ganz auf die Entwicklung konzentrieren«, führt Sean Engineer aus.
ProGlove hat sein Portfolio an tragbaren Scannern stetig ausgebaut. Gleichzeitig forcierte der neue Investor Nordic Capital die Vorlage eines Berichts gemäß Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und damit eine nachhaltige Zukunft für ProGlove. Der CSRD-Bericht hilft Unternehmen, Emissionen zu reduzieren, Risiken zu bewerten und mehr Möglichkeiten zu finden, um Kosten zu sparen.
ProGlove hat sich dabei zunächst auf die Handschuhe im Portfolio konzentriert, weil sie intern produziert werden. Um ihren CO2-Fußabdruck zu ermitteln, entschied sich ProGlove für Yook, heute EcoVadis. Deren Software-as-a-Service- (SaaS-) Lifecycle-Assessment- (LCA-) Plattform ermöglicht es Unternehmen, den CO2-Fußabdruck von Produkten (Product Carbon Footprint, PCF) zu messen und zu verstehen sowie Bereiche zur Reduzierung von CO2-Emissionen zu identifizieren. Sie erweitert bestehende Stücklisten (BOM) um Informationen zu CO2-Emissionen.
Um die PCFs effizient zu verwalten, integrierte ProGlove Yook und Arena. Die in Arena verwalteten Produktinformationen wurden für die Analyse nach Yook exportiert und die aktualisierten BOM-Informationen wieder in Arena eingespeist.
»Beim ersten Mal war es ein Hin und Her, bis wir die Produkte und den Prozess kannten«, berichtet Kate Kroger, Produktmanagerin bei ProGlove. »Wir haben den Datensatz langsam aufgebaut und nach Arena zurückgemeldet. So konnten wir Schwachstellen und Lücken identifizieren und feststellen, welche Daten entscheidend sind, etwa Gewicht, Ausschuss und Transport. Diese Informationen können uns helfen, die Genauigkeit unserer CSRD-Analyse zu verbessern.« So hat ProGlove die Gesamtbewertung um elf Prozent gesteigert.
Die Produktlebenszyklusanalysen kann ProGlove innerhalb von Minuten statt Monaten durchführen und so die Entwicklung nachhaltiger Produkte beschleunigen, ohne dabei Kompromisse bei den Details einzugehen.
Markus Liebig ist Customer Success Coach Arena bei PTC.
Durch die Integration der beiden Systeme stehen die PCF-Daten direkt in Arena zur Verfügung. Das ermöglicht dem Entwicklungsteam, nachhaltige Designs für die Wearables zu entwerfen. Bei neuen Lieferanten kann ProGlove die Lieferanteninformationen direkt in Arena eingeben, und die Teams können verschiedene Lieferanten für unterschiedliche Materialien prüfen. »Daten, die Yook uns zur Verfügung stellt, können wir in Arena eingeben, um den CO2-Fußabdruck der verschiedenen Komponenten zu sehen«, verdeutlicht Kate Kroger. »So haben wir die Möglichkeit, fundierte Entscheidungen für eine grünere Zukunft zu treffen.«