Die Inspektion von Teilen blieb gemäß der Studie auch im vergangenen Jahr die dominierende Applikation von Bildverarbeitungssystemen. Dagegen ging der Anteil der Inspektion von Endlosmaterial am gesamten Systemumsatz zurück. Dies schob die 3D-Messtechnik knapp auf den zweiten Platz der umsatzmäßig größten Systemanwendungen. Allerdings war bei ihr die Entwicklung im Hauptmarkt Deutschland und in Resteuropa uneinheitlich: Während der Umsatz in Deutschland praktisch stagnierte, wuchsen die Verkäufe in allen anderen Ländern zweistellig.
»Für die Stagnation im deutschen Markt dürften mehrere Gründe verantwortlich sein«, führt Breyer aus. »Dazu gehört, dass in der 3D-Messtechnik vermehrt Standardprodukte verfügbar sind, die dementsprechend preisgünstiger sind. Darüber hinaus werden 3D-Anwendungen außerhalb der Messtechnik nicht separat von der Studie erfasst. Nicht zuletzt spielen auch zyklische Effekte eine Rolle, besonders für hochpreisige anwendungsspezifische Systeme mit entsprechend langer Lieferzeit.«
Die Zusammenführung der beiden Produktarten Smart Cameras / Kompaktsysteme und Vision-Sensoren in der aktuellen Ausgabe der Studie spiegelt Breyer zufolge die Marktentwicklung wider, die eine Abgrenzung zwischen den beiden Produktarten zusehends erschwert. »In beiden Richtungen, also bei der Nutzung kompakter Systeme für kostengünstige Anwendungen und beim Ersatz von Lösungen auf PC-Basis, ist eine wachsende Nachfrage zu erwarten«, sagt er. Wie in den Vorjahren hatten technisch aufwändige Bildverarbeitungssysteme und Kameras 2010 den größten Anteil am Gesamtumsatz. Kameras verzeichneten unter allen Produktarten die höchste Zuwachsrate. Im Vergleich zu 2009 verbuchten aber alle Produktarten deutlich zweistellige Umsatzsteigerungen.
»Die weitere Vereinfachung der Bedienung von Bildverarbeitungssystemen wird künftig neue Kundenbranchen erschließen und zur Miniaturisierung der Systeme beitragen«, stellt Breyer fest. »Durch die Miniaturisierung und den Einsatz von LED-Beleuchtungen in großem Maßstab wird sich zudem die Energieeffizienz der Systeme weiter verbessern. Bei industriellen Anwendungen folgt die Branche zunehmend dem Wunsch der Kunden nach Komplettlösungen - einschließlich deren Integration in die Produktionsstätte schon während des Planungsprozesses.«
Kleine und mittlere Unternehmen dominieren weiter
Die durchschnittliche Zahl der Mitarbeiter pro Unternehmen hat sich laut der Studie während der Boomphase im vergangenen Jahr nicht wesentlich verändert. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Mehrzahl der europäischen Bildverarbeiter ihr Personal im Jahr der Krise unterproportional zum Rückgang des Umsatzes reduziert hat. Das zahlt sich jetzt aus, weil Personallücken nicht mit viel Aufwand wieder geschlossen werden müssen. Bei einer durchschnittlichen Unternehmensgröße von 29 Mitarbeitern ist die Branche in ganz Europa weiterhin von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) geprägt. Europaweit melden fast die Hälfte der Bildverarbeiter eine Mitarbeiterzahl zwischen 1 und 10 und können somit als »klein« bezeichnet werden.
Französische Bildverarbeitungsbranche ist zweitgrößte Europas
Erstmals beleuchtet die aktuelle Ausgabe der Studie mit einem detaillierten Länderreport Frankreich, den zweitgrößten europäischen Markt für Bildverarbeitungstechnik. »Im Zuge der Recherche erwies sich der französische Markt als dynamischer und facettenreicher als zunächst angenommen«, betont Breyer. »Der Länderreport zeigt eine Reihe signifikanter Unterschiede des französischen Marktes zu anderen großen europäischen Bildverarbeitungsmärkten wie etwa Deutschland und Italien. Dazu gehören die Struktur der Unternehmen und Unternehmenstypen sowie die Spezialisierung auf bestimmte Kundenbranchen.«