Humanoide Robotik

Chinas Roboter brechen Sprintrekorde und zeigen rasante Fortschritte

24. August 2026, 10:09 Uhr | dpa, nwe
Chinas Roboter brechen Sprintrekorde und zeigen rasante Fortschritte
© -/kyodo/dpa

Humanoide Roboter aus China erreichen bei der World Humanoid Robot Games neue Bestzeiten. Hinter den sportlichen Rekorden steckt mehr als Show: Die Wettbewerbe dienen Herstellern und Forschungsteams als Testfeld für Lauftechnik, Regelung, KI und autonome Systeme.

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Chinesische humanoide Roboter haben bei der World Humanoid Robot Games in Peking neue Bestmarken im Sprint aufgestellt. Ein vom chinesischen Team X-Humanoid entwickelter Roboter absolvierte die 100 Meter zum Auftakt der Veranstaltung in 9,39 Sekunden. Damit unterbot das System sogar die menschliche Weltrekordzeit von Usain Bolt, der 2009 eine Zeit von 9,58 Sekunden erreichte.

Bei dem Roboter handelt es sich um den Tiangong Ultra. Das humanoide System ist rund 1,80 Meter groß und wiegt 52 Kilogramm. Auch über die längere Distanz zeigte die Plattform ihre Leistungsfähigkeit: Am Sonntag absolvierte ein Roboter desselben Modells die 400 Meter in 39,70 Sekunden. Zum Vergleich: Der menschliche Weltrekord von Wayde van Niekerk liegt bei 43,03 Sekunden und stammt von den Olympischen Spielen 2016.

Bereits im Vorfeld hatte ein Roboter des chinesischen Smartphone-Herstellers Honor für Aufmerksamkeit gesorgt. Das Modell „Blitz“ soll die 100 Meter nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens in 9,32 Sekunden bewältigt haben. Im April hatte das System außerdem einen Halbmarathon über rund 21 Kilometer in 50 Minuten und 26 Sekunden absolviert.

Bis zum 26. August treten in der olympischen Eisschnelllaufhalle in Peking weitere Roboter in unterschiedlichen Disziplinen gegeneinander an.

Robotik-WM als Testfeld für industrielle Anwendungen

Nach Angaben der Organisatoren nehmen mehr als 660 Teams mit insgesamt über 2.000 Robotern aus 16 Ländern teil. Ein Großteil der Teams stammt aus chinesischen Unternehmen und Universitäten. Insgesamt stehen 51 Disziplinen auf dem Programm.

Neben klassischen Sportarten wie Weitsprung, Gewichtheben, Tischtennis und Fußball spielen dabei zunehmend praxisnahe Aufgaben eine Rolle. Dazu gehören Haushaltsaufgaben, Rettungsszenarien und Arbeiten an Fertigungslinien. Damit werden Fähigkeiten getestet, die auch für den späteren industriellen Einsatz humanoider Roboter relevant sind – beispielsweise Mobilität, Greifen, Koordination und das autonome Bewältigen wechselnder Situationen.

Roboter-Wettkämpfe haben in China bereits eine längere Tradition. Die jüngsten Veranstaltungen zeigen jedoch, wie schnell sich insbesondere humanoide Systeme weiterentwickeln. Beim ersten Pekinger Halbmarathon für Roboter im April 2025 mussten zahlreiche Maschinen noch von Ingenieuren begleitet werden. Einige Systeme stürzten bereits beim Start oder kollidierten mit Absperrungen. Ein Jahr später erreichten bereits 47 Roboter die Ziellinie.

China investiert massiv in humanoide Robotik

Die Wettkämpfe sind deshalb auch eine Demonstrationsplattform für Chinas Robotikindustrie. Die Regierung in Peking hat sogenannte verkörperte Künstliche Intelligenz – also KI-Systeme, die über Sensorik und Aktorik mit ihrer physischen Umgebung interagieren – zu einem strategisch wichtigen Technologiefeld erklärt.

Unternehmen und Universitäten investieren entsprechend stark in humanoide Roboter und die dafür notwendigen Technologien. Dazu gehören neben KI-Modellen und Sensorik insbesondere leistungsfähige Aktoren, Motorsteuerungen, Echtzeitregelung, Energiespeicher und Embedded-Hardware.

Auch am Kapitalmarkt gewinnt der Sektor an Bedeutung. Mehrere chinesische Hardware-, Halbleiter- und Robotikunternehmen haben zuletzt den Gang an die Börse gesucht. China verfolgt damit auch das Ziel, technologische Abhängigkeiten vom Ausland zu reduzieren und neue industrielle Wachstumsfelder aufzubauen.

Gleichzeitig steigt der Wettbewerb. Neben China gehören insbesondere die USA zu den wichtigen Entwicklungsstandorten für humanoide Robotik. Zudem drängen zunehmend Unternehmen in den Markt, deren Kerngeschäft bislang außerhalb der klassischen Robotik lag. Sollte die Zahl der Anbieter weiter stark wachsen, könnte sich auch bei humanoiden Robotern ein intensiver Preiswettbewerb entwickeln – ähnlich wie zuvor in der chinesischen Elektroautoindustrie.

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