Neue Version der IBV-Software Halcon

Klassische Verfahren und Deep Learning kombiniert

7. Oktober 2022, 17:08 Uhr | Andreas Knoll
Mario Bohnacker, Technical Product Manager Halcon bei MVTec Software
Mario Bohnacker, MVTec Software: »Die 3D Gripping Point Detection bietet eine einfache Lösung für die effiziente Automatisierung einer komplexen Applikation.«
© MVTec Software GmbH

Weil traditionelle Bildverarbeitungs-Verfahren auch im KI-Zeitalter wichtig bleiben, kombiniert das Release 22.11 der Machine-Vision-Standardsoftware Halcon von MVTec Software die beiden Welten verstärkt miteinander. Zudem führt die aktuelle Auflage neue Abonnement- und Lizenzmodelle ein.

Im Release 22.11, das am 22. November 2022 auf den Markt kommen wird, setzt das Münchner Unternehmen weiterhin auf die Kombination von klassischen Bildverarbeitungsmethoden und Deep Learning. So verbindet ein neues Feature traditionelle 3D-Vision-Verfahren mit der KI-Technik. Davon sollen besonders Unternehmen der Logistikbranche profitieren.

In Halcon entwickelt MVTec die Kerntechniken aus beiden Systemwelten – klassisch und KI-basiert – kontinuierlich weiter. Das neue Release bietet eine umfassende Toolbox mit inzwischen mehr als 2100 Operatoren. So lassen sich leistungsstarke Bildverarbeitungsanwendungen für die verschiedensten Industriebranchen umsetzen, was die Produktionseffizienz in Unternehmen erhöht.

»Mit Halcon 22.11 zeigen wir erneut, dass der gezielte Einsatz von Deep Learning bestehende Bildverarbeitungstechnologien auf eine neue Stufe hebt«, erläutert Mario Bohnacker, Technical Product Manager Halcon bei MVTec. »Die 3D Gripping Point Detection beispielsweise bietet eine einfache Lösung für die effiziente Automatisierung einer komplexen Applikation.«

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

In verschiedenen Editionen erhältlich

Release 22.11 von Halcon wird am 22. November 2022 auf den Markt kommen.
Release 22.11 von Halcon wird am 22. November 2022 auf den Markt kommen.
© MVTec Software GmbH

Das Release Halcon 22.11 erscheint in einer Steady- und in einer Progress-Edition. Während letztere als Abonnement erhältlich ist und einen sechsmonatigen Release-Zyklus bietet, wird die Steady-Version zum regulären Kauf mit einem Release-Zyklus von zwei Jahren angeboten.

Eine Neuheit in Halcon 22.11 ist die Technologie „3D Gripping Point Detection“: Mit ihr lassen sich für das Greifen mit Saugern geeignete Oberflächen auf beliebigen Objekten erkennen. Anders als bei klassischen Bin-Picking-Anwendungen entfällt somit das Einlernen von Objektoberflächen; Vorkenntnisse über die jeweiligen Objekte sind nicht erforderlich. So lassen sich typische Anwendungen etwa in der Logistikbranche zügiger und damit kosteneffizienter umsetzen.

In Halcon 22.11 führt MVTec auch den neuen Datentyp „Memory Block“ ein, mittels dessen sich in Halcon Binärdaten speichern, übertragen und mit anderen Anwendungen weiterverarbeiten lassen. Dies steigert die Kompatibilität der Software mit Maschinenkommunikationstechniken wie OPC UA oder Bildeinzugs-Schnittstellen etwa zur Speicherung von Kamerakonfigurationsdateien. Zudem können damit sämtliche in Halcon verfügbaren Daten verschlüsselt werden, was die Datensicherheit erhöht. So lassen sich jetzt auch trainierte Deep-Learning-Modelle verschlüsseln. Des Weiteren können Nutzer ihr Know-how und ihre Investitionen schützen, die in das Sammeln der Daten und das Training der Modelle geflossen sind. Darüber hinaus lässt sich sicherstellen, dass nur autorisierte Anwender das jeweilige Modell verwenden.

Deep-Learning-Entscheidungen besser nachverfolgen

Ein weiteres neues Feature bringt mehr Licht in die Deep-Learning-Black-Box und erhöht damit die Nachprüfbarkeit entsprechender Prozesse: Die Guided GradCam liefert nun in Form einer Heat-Map noch präzisere Anhaltspunkte hinsichtlich der relevanten Bildbereiche für die jeweilige Entscheidung des Deep-Learning-Netzes. So lassen sich beispielsweise Fehlklassifizierungen untersuchen.

Neu in Halcon 22.11 ist auch die Unterstützung der KI-Beschleunigungs-Hardware von Hailo: Sie lässt sich jetzt über ein Plugin nutzen, um Deep-Learning-Inferenzen schnell auszuführen. Dies erweitert das Spektrum der verfügbaren Hardware und erhöht die Flexibilität, für jede Anwendung die geeignetsten Komponenten einzusetzen.

Nicht zuletzt bietet das neue Release auch die Option, Halcon über ein Netzwerk zu lizenzieren. Realisiert wird dies über sogenannte Floating-Lizenzen. Dabei teilen sich Entwickler eine vordefinierte Anzahl von Lizenzen über eine Netzwerkverbindung. So profitieren Kunden von einer flexibleren Benutzerzuordnung sowie Entwickler von mehr Unabhängigkeit und Flexibilität hinsichtlich ihres Arbeitsorts. Dezentrale oder remote arbeitende Entwicklungsteams können somit Halcons Machine-Vision-Algorithmen noch effektiver nutzen. Zudem wird das Arbeiten in virtuellen Umgebungen ohne permanente physikalische Host-ID möglich.


Verwandte Artikel

MVTec Software GmbH