Angebote für Carsharing, E-Scooter und Leihräder gibt es viele, oft sind sie sogar mit dem ÖPNV vernetzt. Für smarte Mobilität braucht es aber mehr. Was genau, hat Dr. Karina Villela vom Fraunhofer IESE gemeinsam mit anderen im Projekt Smart MaaS erforscht. SmarterWorld hat sie Näheres dazu erzählt.
Gab es Probleme bei der Umsetzung in die Praxis? Und wie haben Sie diese letztendlich gelöst?
Tatsächlich haben wir vom Fraunhofer IESE bereits häufiger bei derartigen Forschungsprojekten festgestellt, dass anfänglich zwar alle beteiligten Stakeholder eines MaaS-Projekts mit großer Begeisterung den Plänen zustimmen. Sobald es jedoch an die konkrete Umsetzung geht, herrscht mitunter eine gewisse Zurückhaltung. Die meisten Akteure am Mobilitätsmarkt sind es gewohnt, in Konkurrenz zu anderen Anbietern zu stehen. Mobility as a Service will sie nun jedoch zu kooperierenden Teilnehmern machen – das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen vonstatten geht, sich aber definitiv lohnt. Aus meiner Sicht muss dieses Gegeneinander nämlich gar nicht zwangsläufig bestehen; vielmehr sollten sich die Akteure im Sinne der Nutzerinnen und Nutzer als Ergänzung zueinander betrachten. Das ist uns in Aachen gelungen.
Mitte des vergangenen Jahres endete das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt. Ist ein Folgeprojekt basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen geplant?
Meines Wissens nach zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Ein daran anknüpfendes Forschungsprojekt wäre aber in jedem Fall wünschenswert. Der Mobilitätsmarkt bietet ein extrem vielfältiges und sich stetig wandelndes Forschungsumfeld – gerade auch im Hinblick auf neue politische und regulatorische Rahmenbedingungen. Hier ist das Potenzial aus Forschungssicht noch lange nicht ausgeschöpft.
Da haben Sie recht, das Thema smarte Mobilität ist wirklich ein weites Feld. Wo sehen Sie künftig weiteren Forschungsbedarf?
Es ist ungemein spannend, das Ertragsmodell einer B2B-Plattform für Mobilität, wie es in Smart MaaS angestrebt wurde, genauer unter die Lupe zu nehmen, sowie die Anforderungen an einen Datentreuhänder in der Domäne zu untersuchen. Datentreuhänder ermöglichen und erleichtern den Datenaustausch zwischen Unternehmen, wo er sonst nicht wirtschaftlich, in Bezug auf Datensicherheit bedenklich oder technisch zu aufwändig wäre. Und genau an dieser Stelle kann wiederum die Forschung einen wichtigen Beitrag leisten.
Frau Villela, vielen Dank für das nette Gespräch und die informativen Einblicke in das Projekt Smart MaaS. (kv)