Bitkom-Studie

Deutsche fordern mehr Tempo bei der Energiewende

15. März 2022, 14:37 Uhr | Kathrin Veigel
Windrad Fröttmaning
© Stadtwerke München (SWM)/ Nick Frank

Der Verband Bitkom hat Menschen in Deutschland ab 18 Jahren zu Themen rund um die Energiewende befragt. Herausgekommen ist dabei unter anderem, dass die Wende einem Großteil der Befragten nicht schnell genug geht und dass mehr Transparenz über den persönlichen Stromverbrauch gewünscht ist.

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Die meisten wünschen sich Label für energieeffiziente Heizung

Auch beim Thema Heizen wünschen sich die Menschen in Deutschland mehr Transparenz. So würden drei Viertel (75 Prozent) ein Siegel oder Label begrüßen, das zeigt, ob die eigene Heizung energieeffizient ist. 68 Prozent wünschen sich intelligente Zähler, die in Echtzeit anzeigen, wie viel Energie die Heizung gerade verbraucht. 59 Prozent können sich außerdem vorstellen, ihre Verbrauchsdaten anonymisiert dem Ersteller der Heizkostenabrechnung zu übermitteln.

»Insbesondere beim Thema Heizen könnten wir mit einer konsequenten Digitalisierung den Energieverbrauch massiv senken und die Energieeffizienz steigern. Heizungen gehören zu den größten CO2-Emittenten in Deutschland«, sagt Bitkom-Präsidiumsmitglied Matthias Hartmann. »Schon die im Klimaschutzgesetz formulierten Einsparziele für das Jahr 2020 wurden seitens des Gebäudesektors nicht erfüllt. Aktuelle Abschätzungen zeigen, dass die Ziele auch 2021 verfehlt wurden. Um Energie zu sparen, brauchen wir nicht nur die klassische energetische Sanierung, sondern vor allem eine smarte Steuerung von Heizungsanlagen – in Gewerbeimmobilien ebenso wie in Privathaushalten. Wir brauchen eine digitale Renovierungswelle.«

Viele Menschen teilen diese Ansicht. So meinen 65 Prozent der Deutschen, alte Gebäude sollten, wenn möglich, mithilfe digitaler Technologien effizienter gemacht werden. Ein Viertel (28 Prozent) würde mehr Miete für eine Wohnung bezahlen, wenn sie mit energiesparenden Smart-Home-Anwendungen ausgestattet ist. In vielen Haushalten sind entsprechende Tools und Anwendungen schon eingebaut: Fast ein Fünftel (18 Prozent) nutzt smarte Heizkörper und Thermostate, die in der Lage sind, die Temperatur in der Wohnung immer optimal anzupassen – beispielsweise abhängig davon, ob gerade gelüftet wird, ob Personen anwesend sind und teilweise sogar unter Berücksichtigung der Wettervorhersage.

»Während des Lüftens die Heizung ausstellen oder sie herunter drehen, wenn man das Haus verlässt – das wird häufig vergessen. Mit smarten Thermostaten können Haushalte mit kleinstem Einsatz massiv Energie sparen«, betont Hartmann.

16 Prozent haben intelligente Rollläden oder Markisen – eine smart gesteuerte, automatische Verschattung kann an heißen Tagen für Kühlung sorgen. Jeder und jede Zehnte (10 Prozent) nutzt elektronische Verbrauchszähler oder Energiemonitore, die helfen, den Energieverbrauch im eigenen Zuhause zu erfassen. Hartmann fordert: »Jetzt sind auch die Verbraucherinnen und Verbraucher gefordert. Ein großer Teil des Endenergieverbrauchs geht für warme Wohnungen und warmes Wasser drauf. Wir können alle einen Beitrag dazu leisten, die Energiewende zu beschleunigen und die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl zu verringern.«

Große Mehrheit unterstützt die Energiewende

Grundsätzlich unterstützt die Mehrheit der Menschen in Deutschland die Energiewende und hält den Umstieg von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas sowie Atomenergie hin zu Wind- oder Sonnenenergie für richtig (81 Prozent). Vielen Bürgerinnen und Bürgern geht die Energiewende jedoch nicht schnell genug. 71 Prozent bewerten das Tempo als zu langsam, wobei es 45 Prozent als viel zu langsam und 26 Prozent als eher zu langsam ansehen. Lediglich für ein Fünftel (19 Prozent) ist das Tempo genau richtig. Der Anteil derer, denen die Energiewende zu schnell geht, ist mit 6 Prozent verschwindend gering.

»Die Energiewende hat drastisch an Bedeutung gewonnen: Der Ausbau erneuerbarer Energien und vor allem die Energieeffizienz müssen jetzt stark vorangetrieben werden«, sagt Hartmann. 72 Prozent der Deutschen stimmen der Aussage zu, die Energiewende werde ohne digitale Technologien nicht zu bewältigen sein. 69 Prozent sehen in digitalen Stromnetzen die Grundlage für die Energieversorgung der Zukunft.


  1. Deutsche fordern mehr Tempo bei der Energiewende
  2. Die meisten wünschen sich Label für energieeffiziente Heizung
  3. Angst vor Cyberkriminalität ist groß


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