So schwierig 2020 auch war – dem Markt der 3D-Scantechnologie hat es weiteres Wachstum beschert. Denn mehr denn je verlagerte sich das Leben in die digitale Welt. Wie sich diese Verlagerung auf das 3D-Scannen und dessen Anwendungen im Jahr 2021 auswirken wird, erläutert A. Yukhin, CEO bei Artec 3D.
Virtuelle Anproben sind ein Bereich, der in letzter Zeit dank des 3D-Scannens eine rasante Entwicklung erlebt hat. Unterstützt durch Anbieter dieser Technologie arbeiten viele Einzelhändler an der Entwicklung von Software, die eine präzise Anpassung von 2D- und 3D-Bildern von Kleidungsstücken an verschiedene Körpermodelle ermöglicht.
Diese Technologie wird einen grundlegenden Einfluss auf die Welt des Online-Shoppings haben und den Kauf von Kleidung und Schuhen, die normalerweise vor dem Kauf anprobiert werden müssen, revolutionieren. Zeitgleich wird der Weg auch für den Verkauf maßgeschneiderter Kleidung geebnet. Unterwäsche-Designer nutzen die Technologie bereits, um maßgeschneiderte BHs für Frauen zu entwerfen – und es ist anzunehmen, dass es ihnen immer mehr Unternehmen gleichtun werden. Während die dazugehörigen Scans aktuell noch von menschlichen Akteuren durchgeführt werden müssen, erwartet uns hier bereits die nächste technologische Entwicklung. Spiegel, die über eingebaute 3D-Scanner verfügen werden schon bald den Einzelhandel für Kleidungsstücke revolutionieren und ihre Messung direkt an das gewünschte Modegeschäft übertragen.
Neben diesen Möglichkeiten wird das 3D-Scannen auch im Sport vermehrt Anwendung finden. So lassen sich mithilfe der genauen Abbildungen des eigenen Körpers die Veränderungen, die dieser im Laufe eines Fitness-Trainingsplans durchläuft, exakt einschätzen, verfolgen und analysieren. Der Erfolg von Unternehmen wie Peloton und anderen Herstellern von High-Tech-Geräten für das heimische Fitnessstudio wurde in diesem Jahr ohnehin durch die Notwendigkeit sozialer Distanzierung angekurbelt. Es gibt also bereits einen breiten Markt für diese Technologie, der weiter ansteigen könnte.
Vernetzung von Scannern erhält durch 5G weiter Aufwind
Auch der zunehmende Ausbau der Mobilfunkstandards 5G wird eine zentrale Rolle im kommenden Jahr einnehmen. Durch die höheren Übertragungsraten wird sich für Entwickler und Konstrukteure die Möglichkeit ergeben, 3D-Scanner herzustellen, die als Smart Scanner umfassend miteinander vernetzt sind. Grundlegende Funktionen zur Vernetzung sind bereits jetzt vorhanden, doch mit 5G wird die Konnektivität stärker als je zuvor. Ob im Büro oder im Außendienst – smarte 3D-Scanner werden in der Lage sein, die gewonnenen Informationen in Echtzeit in Datenbanken hochzuladen. Auf diese Weise können alle erforderlichen Arbeitsvorgänge und der gesamte Ablauf noch enger miteinander verzahnt und besser vernetzt werden. Darüber hinaus ermöglicht 5G einen schnelleren Datenaustausch weltweit, wie zum Beispiel den von Forschungsergebnissen und Informationen.
Ein Beispiel hierfür ist die kürzlich erfolgte Expedition zu einer archäologischen Stätte in Südafrika, bei der der Scanner Artec Space Spider und die Software Artec Studio zum Einsatz kamen, um ein zwei Millionen Jahre altes Fossil zu scannen. Die Scandaten konnten fast in Echtzeit an das Forschungslabor der Archäologen übermittelt und auf diese Weise umgehend für die Ausbildung von Studenten verwendet werden. Zukünftige 5G-Entwicklungen könnten diese Prozesse noch schneller gestalten. Globale Unternehmen nutzen 3D-Scandaten, um verschiedene Aufgaben in den Bereichen Technik und Produktdesign zu lösen, wobei sie gleichzeitig Ressourcen aus ihren weltweiten Standorten heranziehen.
Automatisierung von Fertigung und Lieferung
Im Jahr 2021 erwarten wir essentielle Veränderungen im Bereich der Robotik und Automatisierung. Aufgrund der zuletzt verstärkten Nutzung von Telearbeit besteht ein großer Bedarf an Automatisierung in Fertigungs- und Lieferprozessen. Verständlicherweise liegt daher der Fokus vieler Forschungseinrichtungen auf der Lösung dieser Herausforderungen. Im neuen Jahr werden wir wahrscheinlich den verstärkten Einsatz von KI-Algorithmen zur Steuerung von Prozessen erleben, die bisher menschliches Eingreifen erfordert hätten.
Neue KI-Anwendungen müssen eine 3D-Vision und die Fähigkeit zur Abbildung ihrer Umgebungen umfassen. Dies ist entscheidend, damit neue Technologien (wie etwa autonome Roboter) in der realen Welt eigenständig agieren können und nicht nur vorprogrammierte Pfade einhalten. Die Anpassungsfähigkeit an die Veränderungen ihrer Umgebung wird in den kommenden Jahren der Schlüssel für die Entwicklung dieser neuen Technologien und ihrer Lernfähigkeit sein.