»Messtechnik hat viele Facetten«

Rohde & Schwarz: Fast 100 Jahre erfolgreich mit neuen Technologien

26. Juni 2026, 07:30 Uhr | Von Dr. Philipp Weigell, Vice President Market Segment Industry, Components, Research & Universities, Rohde & Schwarz
Weltweit sind bereits mehr als 2000 Sicherheitsscanner von Rohde & Schwarz im Einsatz, seit 2026 auch am neuen Terminal 3 des Frankfurter Flughafens.
Weltweit sind bereits mehr als 2000 Sicherheitsscanner von Rohde & Schwarz im Einsatz, seit 2026 auch am neuen Terminal 3 des Frankfurter Flughafens.
© Rohde&Schwarz

Von den Anfängen der Radiowellen bis hin zu KI, Quantentechnologie und Raumfahrt: Rohde & Schwarz steht seit fast einem Jahrhundert für technologische Innovation.

Diesen Artikel anhören

Zum 50-jährigen Jubiläum der Markt&Technik wird deutlich, wie eng die Geschichte moderner Messtechnik mit den großen Technologietrends unserer Zeit verknüpft ist – und wie ein Unternehmen sie entscheidend mitprägt.

Als die Erstausgabe der Markt&Technik 1976 erschien, war Rohde & Schwarz bereits ein bekanntes und etabliertes Unternehmen. Und doch gab es von Anfang an Berührungspunkte, zählten doch weite Teile der Leserschaft der neuen Wochenzeitung für Elektrotechnik zu den Kunden des auf Messtechnik spezialisierten Unternehmens. Mehr noch. Genau wie sich das Themenspektrum der Markt&Technik in den letzten 50 Jahren stetig erweitert hat, findet Messtechnik aus dem Hause Rohde & Schwarz inzwischen auf vielen Feldern Anwendung.

Gegenwärtig sprechen nicht wenige Experten über eine bevorstehende KI-Revolution, die das Leben und den Arbeitsalltag vieler Menschen in den nächsten Jahren beeinflussen wird. Der Gründung von Rohde & Schwarz ging eine ähnlich umwälzende Entdeckung voran – die der Radiowellen. Man konnte (und kann) sie nicht sehen, und trotzdem sind sie da. Um sie nachzuweisen, waren Messgeräte erforderlich. Aus ihrer anfänglichen Faszination machten die beiden Firmengründer Lothar Rohde und Hermann Schwarz eine Geschäftsidee, die seit nunmehr fast 100 Jahren trägt.

Deutschland als Innovationsstandort

Von Beginn an spielte der Standort Deutschland eine wichtige Rolle für Rohde & Schwarz. Der erste Firmensitz befand sich in einer Wohnung im Münchner Stadtteil Lehel. Von dort ging es zum Thassiloplatz, ehe 1956 der Umzug ins Werksviertel erfolgte, in dem das Headquarter heute noch ansässig ist. Ein Großteil der Forschung und Entwicklung findet in Deutschland statt, und daran wird man auch zukünftig festhalten. Darüber hinaus fertigt der Technologiekonzern den Großteil seiner Produktpalette an den Standorten Memmingen, Teisnach im Bayerischen Wald und im grenznahen tschechischen Vimperk. Ende April wurde am Standort Memmingen ein neues Technologie- und Fertigungszentrum eröffnet. Die dort investierten 70 Millionen Euro fließen auch in den Auf- und Ausbau moderner Fertigungskapazitäten.

Rohde & Schwarz trägt zu verschiedenen Zukunftstechnologien bei, darunter die moderne Halbleiter- und Quantentechnologie.

Rohde & Schwarz trägt zu verschiedenen Zukunftstechnologien bei, darunter die moderne Halbleiter- und Quantentechnologie.

© Rohde&Schwarz

In Deutschland verwurzelt, global erfolgreich

Damals wie heute verschiebt der Konzern die Grenzen des technisch Machbaren – als erfolgreicher Mitgestalter aktueller und zukünftiger Spitzentechnologien. Das Kerngeschäft umfasst ein breites Portfolio: Messtechnik für unterschiedlichste Märkte wie Wireless oder Automotive, Lösungen für kritische Infrastrukturen, für Luftfahrt und Verteidigung, für Netzwerk- und Cybersicherheit und für Broadcast. Zu den Zukunftstechnologien, die Rohde & Schwarz ermöglicht, zählen die Millimeterwellentechnologie (mmWave), nicht-terrestrische Netze (NTN), der nächste Mobilfunkstandard 6G sowie Künstliche Intelligenz (KI) und moderne Halbleiter- und Quantentechnologie.

Dass Rohde & Schwarz in Deutschland verwurzelt ist und hierzulande weite Teile der Produktpalette entwickelt, bedeutet nicht, dass man nicht auf den Weltmärkten vertreten und erfolgreich ist. Insgesamt ist man mit eigenen Standorten oder über Tochterunternehmen weltweit in 70 Ländern präsent. In zahlreichen europäischen Ländern, in Singapur und weiteren Ländern Asiens und Afrikas, aber auch in den USA.

Moderne Sicherheitslösungen im Trend

Jüngst konnte die US-Tochter einen spektakulären Auftrag an Land ziehen, bei dem es darum geht, Flughäfen sicherer zu machen. Rohde & Schwarz hat in den USA bereits Flughäfen mit Sicherheitsscannern für die Personenkontrolle ausgerüstet. Der jetzt bekannt gegebene Großauftrag mit einem Volumen von bis zu 4,9 Milliarden US-Dollar bezieht sich auf die Umrüstung der US-Flughäfen von analoger auf die digitale Kommunikationstechnologie Certium Voice Communication System. Die Installation neuer digitaler Geräte zum Beispiel für die Kommunikation mit dem Tower ist Bestandteil der Initiative „Brand-New Air Traffic Control System“ (BNATCS) der US-Luftfahrtbehörde FAA.

Auch auf deutschen Flughäfen kommen Sicherheitsscanner von Rohde & Schwarz zum Einsatz, wie etwa im neu eröffneten Terminal 3 auf dem Frankfurter Flughafen. Die dort installierten Scanner kombinieren hochauflösende Millimeterwellentechnologie mit KI-basierten Analyse-Algorithmen. Wenn man so will, ist damit die nächste Stufe der Messtechnik aus dem Hause Rohde & Schwarz erreicht.

Sicherheit ohne Zeitverlust

Verbotene Gegenstände in den Gepäckstücken der Passagiere lassen sich auf diese Weise zuverlässig erkennen, die Rate von Fehlalarmen dagegen bleibt weit unter der seitens der Behörden geforderten Rate. Die Bildauswertung erfolgt weitgehend automatisiert, sodass das Sicherheitspersonal nur noch die als kritisch markierten Bereiche manuell überprüfen muss. Das reduziert die Nachkontrollzeit pro Passagier erheblich und erhöht die Durchsatzrate jeder Spur bei gleichbleibendem Sicherheitsniveau. Weltweit sind bereits mehr als 2000 Systeme dieses Typs im Einsatz.

Um Quantenzustände gezielt erzeugen und auslesen zu können, benötigt man Hochfrequenzsignale in extrem engen Toleranzen.

Um Quantenzustände gezielt erzeugen und auslesen zu können, benötigt man Hochfrequenzsignale in extrem engen Toleranzen.

© Rohde&Schwarz

In Frankfurt kommen auch zwei neue Scanner der Modellreihe QPS Walk2000 zum Einsatz, die die Passagiere in normaler Schrittgeschwindigkeit durchlaufen können. Anders als bei herkömmlichen Scannern, die eine feste Pose voraussetzen, entfällt dieser Aufwand vollständig. Die Scanner senken nicht nur die durchschnittliche Verweildauer pro Passagier, sondern sichern dank höchster Datenqualität und modernster Algorithmik auch eine niedrige Fehlalarmrate. Alle Geräte besitzen die notwendigen Zulassungen der ECAC, der TSA sowie weiterer nationaler Behörden. Am Frankfurter Flughafen zeigt sich, dass zukunftsweisende Technologie richtig eingesetzt ihren praktischen Nutzen entfalten kann.

Technologie-DNA: Innovation als Prinzip

Neue Technologien in marktreife Produkte zu integrieren, gehört seit der Gründung zur DNA von Rohde & Schwarz. Damit das so bleibt, entwickelt das Unternehmen an vorderster Front, auch bei der Quantentechnologie. Die großen Erwartungen an diese Technologie werden aktuell wohl nur von denen an Künstliche Intelligenz übertroffen. Kein Wunder also, wenn die Markterwartungen sich in ähnlichen Sphären bewegen. So geht das Beratungsunternehmen McKinsey & Company davon aus, dass der weltweite Markt bis zum Jahr 2035 ein Volumen von bis zu 97 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Auf Quantencomputing würden dabei laut McKinsey bis zu 72 Milliarden US-Dollar entfallen, der Markt der Quantenkommunikation käme auf bis zu 15 Milliarden US-Dollar.

Quantentechnologie steht vor dem Durchbruch

Noch ist nicht sicher, ob sich alle Vorhersagen erfüllen, aber erste Einsatzgebiete von Quantentechnologie zeichnen sich ab. In den kommenden Jahren werden die Investitionen signifikant steigen und zahlreiche weitere konkrete Anwendungen die Welt erobern. Messtechnik von Rohde & Schwarz und seinem Tochterunternehmen Zurich Instruments kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Zurich Instruments ist seit 2021 Mitglied der Rohde-&-Schwarz-Konzernfamilie.

Betrieb und Wartung von Quantencomputern erfordern eine Vielzahl an spezifischen Lösungen. Denn um Quantenzustände gezielt zu erzeugen und auszulesen, müssen Hochfrequenzsignale in extrem engen Toleranzen erzeugt und erfasst werden. Quantencomputer-Kontrollsysteme sind Teil des Portfolios.

Nächster Anwendungsstandort: Mars

Die Technologieführerschaft von Rohde & Schwarz macht auch vor dem Weg ins All nicht halt. Die moderne Raumfahrt ist auf robuste und ausfallsichere Kommunikation angewiesen. Um sich auf künftige Missionen – etwa einen Flug zum Mars – vorzubereiten, simuliert das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) seit geraumer Zeit regelmäßig Expeditionen in marsähnlichen Regionen der Erde.

Während der simulierten Marsexpeditionen erfolgt die Basislager-Astronaut-Kommunikation über ein Outdoor-WLAN. Die Geräte hierfür stammen von der Rohde-&-Schwarz-Konzerntochter Lancom Systems, die mittlerweile sieben Analog-Missionen mit Netzwerktechnik ausgestattet hat. Dabei geht es nicht nur um die Sprachübertragung, sondern auch Video-Streams über Helmkameras, das Übertragen von mehr als 50 Messparametern aus der Sensorik des Marsanzug-Simulators sowie die Steuerung und die Kommunikation mit den Mars-Vehikeln laufen über das WLAN. Ebenso die Datenübertragung von mehr als einem Dutzend wissenschaftlicher Experimente, die im Missionsverlauf durchgeführt werden.

Engagement in der Satellitennavigation

Eine gewichtige Rolle spielt Rohde & Schwarz seit vielen Jahren beim Auf- und Ausbau der europäischen Satellitennavigation. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat das Münchner Technologieunternehmen im Rahmen der Feierlichkeiten zu „30 Jahren europäische Satellitennavigation“ für seine Exzellenz und sein Engagement bei der Entwicklung von Systemen wie Galileo und EGNOS ausgezeichnet. Diese Auszeichnung unterstreicht nachdrücklich den Einfluss, den Rohde & Schwarz bei der Weiterentwicklung der europäischen Satellitennavigationstechnologie hatte und auch weiterhin hat.

Dr. Philipp Weigell, Rohde & Schwarz

Dr. Philipp Weigell, Rohde & Schwarz: »Aus ihrer anfänglichen Faszination machten die beiden Firmengründer Lothar Rohde und Hermann Schwarz eine Geschäftsidee, die seit nunmehr fast 100 Jahren trägt.«

© Rohde&Schwarz

Blick in die Zukunft

Auch mit fast 100 Jahren ist Rohde & Schwarz ein neugieriges Unternehmen, das mit modernen Technologien neuartige Lösungen konzipiert, um Kunden dabei zu helfen, Aufgaben schneller, besser und effizienter zu lösen. Deshalb steht das Verständnis für die Herausforderungen der Kunden seit jeher im Zentrum von Forschung und Entwicklung. Man darf gespannt sein, was in den nächsten Jahren in den Labors des Unternehmens entwickelt wird: Für den Einsatz auf der Erde oder sogar im Weltraum.


Lesen Sie mehr zum Thema