Die Formel-1-Klasse der Oszilloskope - was braucht der Anwender wirklich?

6. April 2009, 14:50 Uhr | Nicole Kothe, Markt&Technik
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Die Mittelklasse verschiebt sich

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Die Mittelklasse verschiebt sich

Mit den schnelleren Applikationen scheint sich aber zugleich auch die Definition des Mittelklasse-Bereiches bei den Oszilloskopen hin zu höheren Bandbreiten verlagert zu haben. »Es ist nur ein paar Jahre her, da waren 500-MHz- und 1-GHz-Geräte das Maß der Dinge im Mittelklasse-Segment«, sagt Kasenbacher. »Als Agilent dann selbst im tragbaren Scope-Bereich schon 1 GHz Bandbreite anbot, war klar, dass der Trend hin zu höheren Bandbreiten geht. Heute reicht die Mittelklasse vielleicht schon bis 2,5 GHz – mit einem absehbaren Trend nach weiter oben.«

Kasenbacher sieht jedoch im traditionellen Mittelklasse-Bandbreitenbereich für viele Kunden immer noch genügend »Luft«, weil sich ihre Designs und Geschwindigkeiten in den nächsten Jahren nicht zwangsläufig erhöhen müssen. »Hier fallen Kaufentscheidungen mittlerweile weniger nach Rekord-Abtastraten und Speichertiefen, sondern primär nach Themen wie beste Signalvisualisierung für schnellste Fehlersuche, einfacher Integration zusätzlicher Logikkanäle, gutem Tastkopf-Angebot, Applikations-Unterstützung und bester Bedienungskonzepte.«

»Es ist seit Jahren ein langsamer, aber kontinuierlicher Trend des ‚Sweep Spot’ - also des Oszilloskop-Kerngeschäftes - hin zu höherer Bandbreite zu beobachten«, erklärt auch Albert Hanselmann, Sales Manager Central North Region bei LeCroy. »Dies erfolgt aber viel langsamer als die Entwicklung der Bandbreite. Waren vor 12 Jahren maximal 2 GHz möglich, sind es heute schon 30 GHz. Viel wichtiger sind die Softwaretools, die den Anwender bei der Arbeit unterstützen. Hier wird immer mehr aus den High-End-Geräten in die Mittelklasse übertragen, und dies ist sicher ein Trend, der die nächsten Jahre anhalten wird.«

Die Software macht’s

Darin sind sich alle drei Hersteller einig: Die Software und die Anwenderunterstützung sind äußerst wichtige Faktoren. »Kunden kaufen heute ein Oszilloskop weniger basierend auf puren Hardware-Spezifikationen«, so Kasenbacher. »Im Gegenteil, sie schauen darauf, wie gut ihre spezifische Anwendung durch die Geräte samt Zubehör unterstützt wird.« Diese Meinung vertritt man auch bei LeCroy: »Es ist ein eindeutiger Trend hin zur besseren Nutzerunterstützung bei der Problemfindung zu beobachten«, betont Hanselmann. »Waren noch vor zehn Jahren 2 MByte Erfassungsspeicher pro Kanal eine Rekordmarke in einem Oszilloskop, und galten damals der mehrfache Zoom einer Kurve, oder die Verknüpfung vorgegebener Mathematikfunktionen als herausragende Tools, so bieten einige Oszilloskope heute schon die volle Integration von Matlab-Prozeduren in die Verarbeitungskette - und damit die volle Freiheit des Anwenders, seine spezifische Applikation zu analysieren.«

Auch sei das jahrelange Auszählen von Bits bei einfachen seriellen Bussen endgültig Geschichte. «Neue Softwaretools erlauben es, die Anwendungsbreite der Oszilloskope von der einfachen Aufzeichnung und Betrachtung von Signalen hin zu Analysen komplexer Zusammenhänge und riesiger Datensätze zu erweitern.« Nicht zuletzt verfolgt auch Tektronix die Strategie applikationsspezifischer Softwarepakete. »Die Bandbreite reicht von langsamen seriellen Bussystem-Lösungen, bis hin zu Serial-Data-Link-Analysis-Applikationen, die dem Anwender helfen, die Übertragungsqualität, die Signaldämpfung und die Empfängerentzerrung zu berücksichtigen«, so Smith. »Andere applikationsspezifische Lösungen umfassen Leistungsmessungen von Schaltnetzteilen, Breitband-Funkmessungen und automatische DDR-Speichermessungen.«


  1. Die Formel-1-Klasse der Oszilloskope - was braucht der Anwender wirklich?
  2. Die Mittelklasse verschiebt sich
  3. Die entscheidenden Faktoren

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