Defizite | Bildqualität & Strahlenschutz

TÜV-Report: Mängel an Röntgengeräten bleiben ein Sicherheitsrisiko

12. Mai 2026, 08:40 Uhr | Elektronik medical (uh)
Jedes achte Röntgengerät in Deutschland weist Mängel auf - die Zahl ist im Vorjahresvergleich leicht gestiegen.
© Componeers

Kratzer auf der Speicherfolie, fehlerhafte Dosisanzeige, mangelhafter Strahlenschutz: Der TÜV-Report zeigt, dass jedes achte Röntgengerät in Deutschland Mängel hat - vor allem beim Zahnarzt. Da selbst kleine Defekte die Diagnosequalität und Patientensicherheit gefährden, besteht Handlungsbedarf.

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Ein kaum sichtbarer Kratzer auf einer Speicherfolie, eine verschmutzte Kassette oder ein fehlerhaftes Bildwiedergabesystem – was nach einem Detail klingt, kann die Aussagekraft von Röntgenaufnahmen spürbar beeinträchtigen. Artefakte im Bild erschweren die Befundung und können im Zweifel zu Fehlinterpretationen führen.

Dass solche Probleme kein Einzelfall sind, zeigt der »TÜV Röntgenreport 2026«: Bei 13 Prozent der geprüften Anlagen stellten die Sachverständigen Mängel fest. Insgesamt untersuchten die TÜV-Organisationen bundesweit 15.333 Röntgengeräte und dokumentierten 2.794 einzelne Beanstandungen an 2.037 Anlagen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um einen Prozentpunkt - jedes achte Röntgengerät ist also mangelhaft.

»Röntgen ist ein unverzichtbares Werkzeug der Medizin, aber jede Aufnahme bedeutet auch eine Strahlenbelastung«, sagt Dr. Alexander Schröer, Strahlenschutzexperte des TÜV-Verbands. »Deshalb müssen die Geräte und ihre Anwendung besonders sorgfältig kontrolliert werden.«

Relevanter Anteil schwerwiegender Mängel

Ein Teil der festgestellten Defizite ist sicherheitskritisch: 17 Prozent der Mängel stuft der TÜV als schwerwiegend ein. Dazu zählen unter anderem eine zu hohe Strahlendosis, mangelhafte Strahlfeldbegrenzung oder unzureichende Bildqualität. Auch formale Verstöße wie fehlende CE-Kennzeichnungen oder Defizite bei der Patientendosiserfassung fallen in diese Kategorie. Anlagen mit solchen Mängeln dürfen erst nach Instandsetzung und erneuter Prüfung weiterbetrieben werden.

Bildqualität und Strahlenschutz sind die häufigsten und dringendsten Beanstandungen bei Röntgengeräten derzeit.

Bildqualität und Strahlenschutz sind die häufigsten und dringendsten Beanstandungen bei Röntgengeräten derzeit.

© TÜV Verband

Mit 52 Prozent entfällt mehr als die Hälfte der Beanstandungen auf erhebliche Mängel, die zeitnah behoben werden müssen. Weitere 31 Prozent gelten als geringfügig und können in der Regel durch die Betreiber selbst beseitigt werden.

Pain Point: Dental- und Humanmedizin

Der Großteil der geprüften Systeme stammt aus der medizinischen Anwendung am Menschen: 53 Prozent der Anlagen werden in der Dentalmedizin eingesetzt, 19 Prozent in der Humanmedizin.

In der Dentalmedizin überprüften die Sachverständigen 8.144 Geräte. Die Mängelquote liegt hier bei 16 Prozent. Insgesamt wurden 1.748 Mängel dokumentiert, wobei erhebliche Mängel mit 49 Prozent dominieren.

In der Humanmedizin zeigt sich dagegen ein positiver Trend: Die Mängelquote sank seit 2022 um acht Prozentpunkte auf aktuell 14 Prozent. Bei 2.939 geprüften Anlagen stellten die Prüfer 698 Mängel fest, davon 71 Prozent erhebliche und 17 Prozent schwerwiegende.

Auffälligkeiten bei Bildgebung und Strahlenschutz

Technisch besonders relevant sind die festgestellten Defizite im Bereich der Bildgebung. Häufig betreffen sie Bildwiedergabesysteme oder beschädigte beziehungsweise unzureichend geprüfte Speicherfolien. Kratzer, Knicke oder Verschmutzungen können als Artefakte auf den Aufnahmen sichtbar werden und die Befundung erschweren oder verfälschen.

Mit der zunehmenden Digitalisierung und dem Einsatz von KI in der Bildauswertung gewinnt dieser Aspekt zusätzlich an Bedeutung. Die Qualität der Analyse hängt unmittelbar von der Qualität der Eingangsdaten ab. Fehlerhafte Bilddaten können automatisierte Auswertungen beeinträchtigen und die diagnostische Sicherheit reduzieren.

Auch im Strahlenschutz sehen die Prüfer Defizite. Beanstandet wurden unter anderem fehlerhafte oder fehlende Dosisindikatoren, unzureichende Patientenschutzmittel sowie Mängel bei der Kennzeichnung von Expositionsparametern. Diese Faktoren erschweren die Kontrolle der Strahlenexposition und können zu unnötiger Belastung von Patienten und Personal führen.

Sofortiger Handlungsbedarf

Der aktuelle TÜV-Bericht zeigt: Ein relevanter Anteil der Anlagen weist weiterhin sicherheitskritische Mängel auf – insbesondere bei Bildqualität und Strahlenschutz. Damit besteht dringender Handlungsbedarf. Die Defizite gehören konsequent und ohne Verzögerung behoben, denn sie betreffen unmittelbar die diagnostische Sicherheit und den Schutz von Patienten und des medizinischen Personals.

Aus Sicht des TÜV-Verbands liegt ein wesentlicher Teil der Probleme im Betrieb der Anlagen. Viele Mängel betreffen den Umgang mit den Systemen sowie die Umsetzung regulatorischer Anforderungen. Entsprechend fordert der Verband eine stärkere Qualitätssicherung im laufenden Betrieb, regelmäßige unabhängige Prüfungen sowie gezielte Aus- und Weiterbildungsangebote für Betreiber, Servicepersonal und Aufsichtsbehörden.

Zudem sei eine bessere Abstimmung zwischen Bund und Ländern bei der Umsetzung regulatorischer Vorgaben notwendig, um einheitliche Standards sicherzustellen. Nur so lassen sich die Qualität der Bildgebung und die Sicherheit von Patientinnen und Patienten dauerhaft gewährleisten. (uh)


Der vollständige Röntgenreport 2026 ist abrufbar unter: www.tuev-verband.de/presse/publikationen/reporte/roentgenreport

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