Lässt sich das Rauschverhalten eines HF-ICs quantifizieren, so kann seine Stromversorgung optimiert werden. Am Beispiel eines HF-Transceiver-ICs wird gezeigt, wie Rauschen in eine Stromversorgung gezielt eingespeist wird, um zu ermitteln, wieviel Rauschen auf der Versorgungsspannung tolerierbar ist.
Basierend auf den Ergebnissen der durchgeführten Tests wurde eine optimierte Stromversorgung für den Transceiver-IC ADRV9009 entworfen (Bild 7), die einen Spielraum von >6 dB schafft, wenn sie auf einem ADRV9009-Transceiver-Modul eingesetzt wird.
Tabelle 1 vergleicht die optimierte Stromversorgung (Bild 7) mit der Standard-Stromversorgung (Bild 1). Das Verringern der benötigten Komponenten beträgt dabei 29,8 % und der Wirkungsgrad steigt von 66,9 % auf 69,9 %, was einer Senkung des gesamten Leistungsbedarfs um 0,5 W entspricht.
Um den Wirkungsgrad der optimierten Stromversorgung zu validieren – bezüglich des systematischen Rauschverhaltens – wurde eine Phasenrauschmessung durchgeführt.
| Standard-Stromversorgung (Bild 1) | Optimierte Stromversorgung (Bild 7) | Verbesserung | |
|---|---|---|---|
| Komponenten-fläche | 148,2 mm2 | 104,00 mm2 | –29,8 % |
| Gesamtwirkungs-grad | 65,7 % | 69,9 % | +6,4 % |
| Verlustleistung | 3,8 W | 3,2 W | –0,6 W |
Die optimierte Stromversorgung in Bild 7 wurde mit der Referenz – einer Entwickler-Version des ADRV9009-Evaluierungsmoduls, nämlich des Evaluierungsmoduls AD9378 mit einer Stromversorgung wie in Bild 1 dargestellt – verglichen. Die gleiche Baugruppe wurde benutzt, aber mit der optimierten Stromversorgung aus Bild 7, wobei die Ergebnisse des Phasenrauschens miteinander verglichen wurden. Idealerweise erfüllt die optimierte Stromversorgung die Referenz-Diagramme im Datenblatt oder übertrifft sie sogar.
Bild 8 zeigt die Ergebnisse der Vergleichsmessung mit dem AD9378-Evaluierungsmodul, einmal mit der auf dem ADP5054 basierenden Standard-Stromversorgung, verglichen mit den Ergebnissen der gleichen Baugruppe mit einer optimierten Stromversorgung (Bild 7) auf Basis der Gleichspannungswandler LTM8063 und LTM8074. Die Stromversorgung mit den einzelnen µModule-Abwärtswandlern hat im Vergleich zur ADP5054-basierten Stromversorgung eine geringfügig bessere Leistung von rund 2 dB.
| Offset-Frequenz [MHz] | Phasenrauschen [dBc/Hz] | ||
|---|---|---|---|
| Schwellenwert (Datenblatt) | Messergebnisse | ||
| ADP5054 (Bild 1) | LTM8063 und LTM8074 (Bild 7) | ||
| 0,1 | –100 | –137,74 | –137,77 |
| 0,2 | –115 | –143,16 | –143,32 |
| 0,4 | –120 | –147,37 | –147,20 |
| 0,6 | –129 | –149,02 | –149,04 |
| 0,8 | –132 | –151,81 | –151,96 |
| 1,2 | –135 | –151,73 | –151,22 |
| 1,8 | –140 | –153,97 | –153,76 |
| 6 | –150 | –155,10 | –154,80 |
| 10 | –153 | –154,51 | –154,36 |
Wie aus Bild 8 und Tabelle 2 zu erkennen, sind die Messergebnisse für beide Stromversorgungen wegen des Einsatzes eines Signalgenerators für den externen Lokal-Oszillator mit geringem Phasenrauschen geringfügig schlechter als im Datenblatt angegeben.
| LO-Frequenz [MHz] | SFDR [dBc] | ||||
|---|---|---|---|---|---|
Datenblatt-Spezifikation | Sender 1 | Sender 2 | |||
| ADP5054 | LTM8063 und LTM8074 | ADP5054 | LTM8063 und LTM8074 | ||
| 800 | 70 | 86,03 | 86,95 | 86,62 | 86,63 |
| 1.800 | 70 | 85,94 | 87,30 | 86,01 | 85,90 |
| 2.600 | 70 | 85,98 | 86,01 | 85,50 | 85,78 |
| 3.800 | 70 | 73,87 | 77,42 | 73,93 | 77,31 |
| 4.800 | 70 | 71,44 | 71,98 | 71,10 | 71,82 |
Die SFDR-Messung (Spurious Free Dynamic Range) am Transceiver-IC ADRV9009 ist in Tabelle 3 für beide Stromversorgungsalternativen aufgelistet. Die Tabelle 3 zeigt für beide eine vergleichbare Leistungsfähigkeit, außer für LO = 3800 MHz, wo die Schaltwelligkeit des ADP5054 (Bild 1) beginnt, Modulationsverzerrungen auf dem Ausgangsspektrum des Trägersignals zu erzeugen (Bild 9).
Literatur
[1] Delos, P.: Power Supply Modulation Ratio Demystified: How Does PSMR Differ from PSRR? Analog Devices, Dezember 2018, www.analog.com/en/technical-articles/power-supply-modulation-ratio-demystified.html.
[2] Delos, P.: Transceiver Phase Noise Teardown Informs Performance Capability with an External LO. Analog Devices, Oktober 2019, www.analog.com/en/technical-articles/transceiver-phase-noise-teardown-informs-performance-capability.html.
[3] Naeem, N. und Fontaine, S.: Characterizing the PSRR of Data Acquisition μModule Devices with Internal Bypass Capacitors. Analog Dialogue, 2020, Nr. 3, www.analog.com/en/analog-dialogue/articles/characterizing-the-psrr-of-data-acquisition-umodule-devices-with-internal-bypass-capacitors.html.
[4] Perez, P. und Pasaquian, P. E.: Optimizing Power Systems for the Signal Chain – Part 1: How Much Power Supply Noise Is Tolerable? Analog Dialogue, 2021, Nr. 1, www.analog.com/en/analog-dialogue/articles/optimizing-power-systems-for-the-signal-chain-part-1.html.
[5] Cruz, J. M. D. und Pasaquian, P. E.: Optimizing Power Systems for the Signal Chain – Part 2: High Speed Data Converters. Analog Dialogue, 2021, Nr. 2, www.analog.com/en/analog-dialogue/articles/optimizing-power-systems-for-the-signal-chain-part-2.html.
Die Autoren
Pablo Perez, jr.
kam im Mai 2019 als ADEF Senior Applications Engineer zu Analog Devices. Sein Arbeitsgebiet umfasst die Modifizierung und Evaluierung von Standard-Schaltnetzteilen für unterschiedliche Anwendungen (Industrie, Telekommunikation, Medizintechnik, Militär) und die Verifikation und Musterbewertung von Linearreglern, Schaltreglern sowie Stromversorgungs-ICs. Perez erwarb einen Bachelor-Abschluss in Elektronik und Kommunikationstechnik an der Manuel S. Enverga University Foundation in Lucena, Philippinen.
pablo.perezjr@analog.com
John Martin Dela Cruz
kam im Oktober 2020 als Power Applications Engineer zu Analog Devices. Sein Arbeitsgebiet sind Stromversorgungen für Luft- und Raumfahrt sowie Wehrtechnik. Er schloss sein Elektrotechnikstudium an der University of the Philippines Diliman in Quezon City, Philippinen, mit einem Bachelor-Abschluss ab.
johnmartin.delacruz@analog.com