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5G-Funktechniken

ETSI DECT-2020 erhält die Zulassung der ITU-R

5G-Siegel der ITU-R
© ETSI

Ein Funkstandard, der keine Mobilfunkwurzeln hat, wurde von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU-R) als Teil des 5G-Standards für IMT-2020 aufgenommen: DECT-2020. Das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) spricht von einer neuen Ära der Vernetzung.

ETSI DECT-2020 NR, der weltweit erste nicht zellulare 5G-Funkstandard, wurde von der  Arbeitsgruppe 5D des Funksektors der Internationalen Fernmeldeunion (ITU-R) anerkannt und als Teil der 5G-Standards in die Technikempfehlung IMT-2020 (International Mobile Telecommunication) aufgenommen. Dr. Günter Kleindl, Vorsitzender des ETSI Technical Committee DECT, sagt: »Mit unserem traditionellen DECT-Standard haben wir bereits vor 21 Jahren die IMT-2000-Zulassung von ITU-R erhalten, aber die Anforderungen für 5G waren so viel höher, dass wir einen völlig neuen, aber kompatiblen Funkstandard entwickeln mussten.«

Der im vergangenen Jahr veröffentlichte DECT-2020-Standard ist ein Beispiel für die zukünftige Vernetzung: Die infrastrukturlose und autonome, dezentralisierte Technik ist für massive IoT-Netzwerke für Unternehmen konzipiert. Sie weist keine kritischen Komponenten auf, die als Schwachstellen (Single Point of Failure) kritische Ausfälle verursachen können, ist für jeden zugänglich und kostet nur einen Bruchteil der Kosten von Mobilfunknetzen sowohl in US-Dollar als auch in Bezug auf den CO2-Fußabdruck.

Der für IoT-Anwendungen entwickelte Standard DECT-2020, der in der Reihe ETSI TS 103 636 definiert ist, macht 5G für jedermann zugänglich, da er es jedem Unternehmen ermöglicht, ein eigenes Netz aufzubauen und zu verwalten, ohne dass irgendwo auf der Welt ein Netzbetreiber benötigt wird. DECT-2020 eliminiert die Netzwerkinfrastruktur und kritische Netzwerkkomponenten (Single Point of Failure) – und das zu einem Zehntel der Kosten im Vergleich zu zellularen Funktechniken. Außerdem ermöglicht es Unternehmen, ohne zwischengeschaltete Dienstleister als Vermittler oder Abonnementgebühren zu operieren und die erzeugten Daten so zu speichern und zu nutzen, wie es ihnen am besten passt: vor Ort, in einer Cloud oder irgendwo dazwischen.

Ein weiterer demokratisierender Aspekt sind die Frequenzen. Der neue ETSI 5G-Standard unterstützt einen effizienten Shared Spectrum Betrieb, der den Zugang zu freien, internationalen Frequenzen wie 1,9 GHz ermöglicht. Jussi Numminen, stellvertretender Vorsitzender des ETSI Technischen Ausschusses DECT, erklärt: »Es wird viel über private Netze geredet, aber dies ist die erste 5G-Technik, die einen Betrieb in einem gemein genutzten Spektrum und mehrere lokale Netze in Mobilfunkfrequenzbereichen unterstützen kann. Wir sehen dies als eine grundlegende Voraussetzung für eine massive Digitalisierung für alle. Mit dem ETSI-Standard erhalten Sie sofort Zugang zu einer freien, dedizierten 1,9-GHz-Frequenz auf internationaler Ebene. Das ist eine perfekte Ergänzung für das massive IoT«.

Technisch gesehen beruht die nichtzellulare 5G-Funktechnik auf völlig anderen Prinzipien als der zellulare 5G-Mobilfunk. Einer der größten Unterschiede – und Vorteile – ist das dezentralisierte Netzwerk. In einem nichtzellularen 5G-Netzwerk ist jedes Gerät ein Knotenpunkt, jedes Gerät kann ein Router sein – als ob jedes Gerät eine Basisstation wäre. Die Geräte finden automatisch die beste Route. Das Hinzufügen eines neuen Geräts zum Netzrouting funktioniert ebenfalls autonom, und wenn ein Gerät ausfällt, werden die Geräte selbständig neu routen. Dies bedeutet eine zuverlässige Kommunikation, die einzelne Fehlerquellen ausschließt.

Relevante Anbieter

Teppo Hemiä, CEO von Wirepas
Teppo Hemiä, CEO von Wirepas: »Dies ist die erste Technik, die Millionen von Geräten kosteneffizient miteinander verbinden kann. Es ist der erste Schritt in Richtung Digitalisierung für die breite Masse und es wird noch viel mehr kommen.«
© Wirepas

Ein dezentralisiertes Netz mit kurzen Sprüngen und geringer Übertragungsleistung bedeutet auch einen deutlich geringeren CO2-Fußabdruck des Kommunikationssystems. Eine kürzlich an der Universität Tampere in Finnland durchgeführte Studie ergab eine etwa 60 % bessere Energieeffizienz auf Systemebene im Vergleich zu einem herkömmlichen zellularen Netzwerk mit demselben Funkenergieprofil.

ETSI DECT-2020 NR in Kürze:

  • kein Vermitter,
  • keine Infrastruktur,
  • keine Abonnementgebühren,
  • kreie, internationale Frequenz,
  • dichtes Netzwerk,
  • ein Zehntel der Kosten eines Mobilfunknetzes,
  • geringster CO2-Fußabdruck unter den großen Netzwerken.

»Dieser neue 5G-IoT-Standard war das fehlende Element für die breite Einführung des IoT. Wir wissen heute, dass nur 5 % der Dinge, die verbunden werden sollen, auch verbunden sind. Um die verbleibenden 95 % zu vernetzen, müssen wir uns von der bisherigen Vorgehensweise lösen und einen neuen Weg wagen. Wir sehen diese neue Norm als den Beginn einer neuen Ära für die Vernetzung,« fasst Teppo Hemiä, CEO von Wirepas, zusammen.

Er ergänzt: »Wir glauben, dass modernste Technik, die erschwinglich ist, die Grundlage für ein egalitäres Geschäftsumfeld und eine egalitäre Welt ist. Wirepas hat seine revolutionäre Mesh-Technik für jedermann zugänglich gemacht, und der daraus resultierende neue 5G-IoT-Standard wurde von Grund auf so entwickelt, dass jeder, auch kleine und mittelständische Unternehmen, ihn sich leisten und verstehen können.«


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