Konferenz »Next Level Datacenter«

Rechenzentren: Regionalität kann kräftig punkten

11. August 2026, 14:36 Uhr | Dr. Jörg Schröper
Diskutierten auf dem Podium mit viel Feedback aus dem Plenum: Manuel Bittorf (CEO rhöncloud), Sascha Horn (Regional Strategic Account Manager, Vertiv), Nina Grosse (CTO Cadolto Datacenter) sowie Dr. Nicolas Sölter, Staatssekretär im hessischen Digitalministerium (v.l.n.r.).
Diskutierten auf dem Podium mit viel Feedback aus dem Plenum: Manuel Bittorf (CEO rhöncloud), Sascha Horn (Regional Strategic Account Manager, Vertiv), Nina Grosse (CTO Cadolto Datacenter) sowie Dr. Nicolas Sölter, Staatssekretär im hessischen Digitalministerium (v.l.n.r.).
© Dr. Jörg Schröper

Im Juli trafen sich Fachleute der Datacenter-Branche in Frankfurt zu der von Vertiv initiierten Konferenz »Next Level Datacenter«. Neben viel Networking standen Fachvorträge auf dem Programm sowie eine Podiumsdiskussion, bei der die hessische Digitalpolitik kräftig Punkte einsammeln konnte.

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Regionalität und Datensouveränität gehören zu den Stichworten, die derzeit in den Diskussionen rund um den Bau und den Betrieb von Rechenzentren immer wieder zu hören sind. Unter anderem eine unsichere weltpolitische Ausgangslage, fragile Lieferketten, aber auch die Frage nach einer ökologisch einwandfreien Energieversorgung lassen die Verantwortlichen in Unternehmen aktuell ohnehin vermehrt darüber nachdenken, ihre IT-Aufgaben und die Datenspeicherung in der Region zu halten oder dorthin zu übertragen. Damit ist dann oft auch das Problem der DSGVO-Konformität mehr oder weniger automatisch gelöst.

In diesem Themenkontext hatten im Juli die Firmen Vertiv, Cadolto und rhöncloud zu einer Konferenz ins HOLM (House of Logistics) am Frankfurter Flughafen geladen. Auf dem Programm stand an oberster Stelle die Frage, wie sich der Aufbau einer skalierbaren, energieeffizienten und ausfallsicheren Rechenzentrumsinfrastruktur beschleunigen lasse, um eine Basisinfrastruktur für Künstliche Intelligenz, digitale Dienste und den industriellen Wandel zu schaffen und gleichzeitig „die digitale Souveränität Europas zu stärken“.

Dass man darauf zwar innerhalb der wenigen Stunden der Konferenz keine allgemeingültigen und umfassende Antworten liefern könne, war den Ausrichtern und Teilnehmern selbstverständlich klar. Jedoch: Die Vorträge und eine ausführliche Podiumsdiskussion verdeutlichten sehr eindringlich, dass überhaupt kein Anlass für übertriebenen Pessimismus besteht und für fast alle Herausforderungen die passenden technischen, konzeptionellen und auch wirtschaftlichen Lösungsansätze zur Verfügung stehen.

Bauzeit verringern

Bei der Errichtung eines RZ-Gebäudes ist die Bauzeit oft ein entscheidender Faktor. Cornelia Lindner, Chief Commercial Officer von CDC Cadolto Datacenter aus Fürth, war einer der führenden Köpfe hinter dem Event in Frankfurt. Sie stellte in ihrem Vortrag die technischen Details der modularen RZ-Lösungen ihres Hauses Cadolto Modulbau vor. Zu den Pluspunkten der Modulbauweise zählen unter anderem die Liefergeschwindigkeit, die Möglichkeit zur Individualisierung sowie die Vermeidung von Risiken: Cadolto verfügt über langjährige Erfahrungen beim Bau von derartigen Einheiten.

Die Vorteile einer regionalen Präsenz betonte Manuel Bittorf, CEO von rhöncloud. Wie der Name bereits suggeriert, offeriert das im hessischen Eichenzell ansässige Unternehmen Cloud-Dienste für Firmen und den öffentlichen Sektor. Den Standort sieht Bittorf als besonderen Vorteil: Die Gemeinde Eichenzell habe frühzeitig den Nutzen des Glasfaserausbaus erkannt und biete eines der schnellsten Breitbandnetze in Europa. Zudem verfüge man über eine direkte Anbindung an den Internetknotenpunkt in Frankfurt. Viele Kunden seien ihrerseits in der Region verwurzelt und schätzten es, dass neben ihren Daten selbst zum Beispiel auch deutschsprachige Ansprechpartner in greifbarer Nähe sind.

Sascha Horn, Regional Strategic Account Manager bei Vertiv und ebenfalls einer der Hauptinitiatoren der Konferenz, vermittelte in seiner anschließenden Präsentation einen Branchenausblick mit Schwerpunkt und Kühlung/Klimatisierung und Stromversorgung. Er zeigte unter anderem auf, wie sich der Aufbau der Rechenzentren weiterentwickeln muss, um der durch KI getriebenen Nachfrage gerecht zu werden: Die hohe Energiedichte pro Rack und die sich verändernden Stromspitzen durch den KI-Einsatz wirken sich beispielsweise auch auf die USV-Technik und den gesamten Strompfad vom Netz bis zum Chip aus – ein Fakt, der in Diskussionen oft unberücksichtigt bleibt.

Ein Punkt, der in solchen Diskussionen allerdings regelmäßig zur Sprache kommt, sind lange Genehmigungsverfahren und ein bisweilen fast grundsätzliches Desinteresse von Politik und Behörden am Thema Datacenter – scheinbar, als ob noch nicht durchgesickert wäre, dass gerade diese die Basis jeglicher Digitalisierung bilden. Genau diese Vorurteile zu widerlegen, gelang sehr überzeugend Dr. Nicolas Sölter, Staatssekretär im hessischen Digitalministerium. In seinem Vortrag stellte Sölter unmissverständlich klar, welch hohe Präferenz die Themen Datacenter, Netzausbau und Digitalisierung in seinem Haus besitzen und wie man zum Beispiel gerade auch im ländlichen Raum dazu seitens der Politik Hilfestellung bei Genehmigungsverfahren und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten bereit ist.

Eine wichtige Rolle spielte dieses Thema auch in der abschließenden Podiumsdiskussion mit den Vortragenden sowie Nina Grosse (CTO Cadolto Datacenter). Das Panel wurde ebenso wie der gesamte Tag fachkundig von Helmut Göhl (GAP solida) moderiert und sorgte für viel Feedback aus dem Publikum. Die Diskutanten waren sich zwar einig darüber, dass man eigentlich vor dem falschen Plenum missioniere, seien den anwesenden Fachleuten die Herausforderungen – und oft auch die passenden Lösungen – doch hinlänglich bekannt. Doch als Ansporn, die Argumente „in die Welt“ zu tragen und ein gewisses positives Denken rund das Thema Datacenter zu vermitteln, ging auch die Teilnehmerschaft mit einer Hausaufgabe aus der Diskussion. Das allgemeine Fazit lautete: gute und sinnvolle Konferenz, gerne wieder. (sc)

Dr. Jörg Schröper ist als freier Journalist in München tätig.

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