Was ist ökonomischer: On-Premise oder Cloud? Wer berechnen will, wie wirtschaftlich das Hosting einer Applikation in der Cloud ist, muss sämtliche versteckten Kosten transparent machen und die Total Cost of Ownership (TCO) berücksichtigen.
Bei der Prüfung von Cloud-Kosten empfiehlt sich ein Vergleich möglicher Cloud-Sourcing-Szenarien, gefolgt von der Berechnung der TCO. »Das schafft die Basis für Handlungsempfehlungen«, erklärt Florian van Keulen, Principal Consultant in den Bereichen Cloud & Security und Program Manager Cloud-Computing von Trivadis. »Für den ersten Vergleich ist eine Analyse der Anforderungen erforderlich. Schon hier müssen Unternehmen auf die Besonderheiten der Cloud achten.«
Bei der Betriebskostenberechnung von herkömmlichen Anwendungen ist eine Reihe von Faktoren relevant. Dazu gehören unter anderem die Daten, die benötigten Speicher- und Rechenkapazitäten, die Bandbreiten oder das Maximum an Zugriffen auf die Anwendung sowie die Anzahl der User und der benötigten Lizenzen. »Viele dieser Aspekte sind auch für Cloud-Applikationen relevant«, betont Keulen, »doch die simplen Kennzahlen sind allein nicht ausreichend.« Vielmehr gelte es, die Abhängigkeit der Anwendung vom Business zu betrachten: Welche und wie viele Business-Prozesse hängen mit der Applikation zusammen? Wie ist demzufolge der Stellenwert der Applikation einzuschätzen?
Aus der Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen lassen sich die entscheidenden Anforderungen ableiten, beispielsweise hinsichtlich der Ausfallsicherheit der Anwendung. Wertvolle Hinweise auf die Abhängigkeiten einer Anwendung mit anderen Systemen und dem Business liefert das Application-Performance-Monitoring (APM). Es stellt detaillierte Performance-Metriken der Anwendung zur Verfügung, die bei der Bewertung eines Cloud-Projekts sehr hilfreich sein können.
Als Nächstes gilt es, auf der Basis der ermittelten Kennzahlen verschiedene Szenarien für das Hosting der Applikation in der Cloud zu entwickeln. Hierbei müssen Fragen geklärt werden wie: Soll nur Internet as a Service (IaaS) verwendet oder sollen IaaS und Platform as a Service (PaaS) kombiniert werden? Sollen Services von nur einem Provider oder von mehreren Anbietern berücksichtigt werden? Hat man mögliche Sourcing-Szenarien zusammengestellt, wählt man zwei bis drei Anbieter, die dem eingangs festgelegten Ziel am ehesten entsprechen.
Im nächsten Schritt berechnet man die TCO der verschiedenen Cloud-Sourcing-Szenarien. Die TCO gibt an, was eine Investition tatsächlich kostet. Sie berücksichtigen idealerweise sämtliche Kosten, die über den kompletten Lebenszyklus einer Applikation hinweg entstehen. »Bei der Berechnung der TCO herkömmlicher On-Premise-Applikationen sind die Capital-Expenses ein wichtiger Posten«, erkäutert Keulen. »Da Hard- und Software in Cloud-Szenarien als Dienstleistung bei einem Anbieter eingekauft werden, ersetzen die Operational Expenses als neue Kategorie die Capital-Expenses. Sie bezeichnen die fortlaufenden Kosten für die Beanspruchung der Cloud-Dienste.«
Hier ist vor allem das Verhalten der Applikation von Relevanz. Weiß man etwa, dass eine Applikation zwei Monate im Jahr Volllast zu tragen hat und sonst mehr oder weniger inaktiv ist, sollte man dies bei der Ermittlung die TCO berücksichtigen, um dedizierter auf das Business eingehen zu können.
Ein wichtiger Kostenfaktor bei Cloud-Sourcing-Szenarien sind die Lizenzen. Dies gilt vor allem für IaaS-Szenarien, bei denen es dem Kunden obliegt, die genutzten Applikationen zu lizenzieren (BYOL – Bring Your Own License). Je nach Lizenzmodell können die Kosten von einem klassischen On-Premise-Deployment abweichen, beispielsweise wenn sich Lizenzmodelle nicht auf User, sondern auf Prozessoren beziehen. Je nach Cloud-Szenario und Anforderung kann es sein, dass ein zum On-Premise äquivalentes Setup im IaaS-Umfeld mehr CPUs verwendet – was in hohen Lizenzkosten resultiert. Ein klassisches Beispiel: Der Bedarf an Rechenleistung einer Anwendung wird auf zehn CPUs geschätzt, im Sourcing-Szenario können aber nur 8 oder 16 CPUs gewählt werden. Somit fallen sechs CPU-Lizenzen zu viel an. Dies kann einen großen Einfluss auf die Kosten haben.
Details der Lizenzierungsfragen bilden für die Bewertung versteckter Cloud-Kosten eine wertvolle Entscheidungsbasis. »Das Hosting einer Applikation in der Cloud ist nämlich nicht zwingend günstiger als der Betrieb On-Premise«, resümiert Keulen. »Gerade weil Lizenzkosten häufig falsch eingeschätzt werden, kann sich ein Cloud-Projekt als überaus kostspielige Variante entpuppen.« Es lohne sich in jedem Fall, einen in Technologie- und Lizenzfragen kompetenten Partner beizuziehen, der das Unternehmen vor den Fallstricken auf dem Weg in die Cloud warnt und sie umgehen hilft.