Entwicklungstools im Wandel der Zeit

Hitex: Vom 8-Bit-Pionier zum Safety&Security-Profi

24. Juni 2026, 16:56 Uhr | Andreas Knoll
Peter Santel (rechts) mit Kolleginnen und Kollegen auf der Microprocessor Development Show in London 1991.
© Hitex

Nicht nur die Markt&Technik wird in diesem Jahr 50, sondern auch Hitex. Das Karlsruher Unternehmen hat die Entwicklung von Embedded-Systemen von Anfang an mitgestaltet: von den ersten allgemein eingesetzten Prozessoren und Controllern hin zu den heutigen komplexen SoCs mit KI-Verarbeitung.

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Am 20. Juli 1976 wurde Hitex in das Handelsregister eingetragen. »Status am 1. Januar 1978 war: Es gab einen einzigen Kunden, nämlich Siemens, für den wir das Textsystem 580 gemacht hatten«, erläutert Peter Santel, ehemaliger Geschäftsführer von Hitex. »Das Ding war groß und schwer; zum Transport musste man schon zu zweit sein, obwohl als Prozessor nur ein 8080 von Intel drin war. Gespeichert wurden die Daten auf riesigen Floppys mit zunächst 128 und dann 256 kB.«

Schon zu dieser Zeit gab es den ersten Vorläufer eines Debugging-Tools: »Wir nannten ihn damals Knipsmühle, eine Hardware, mit deren Hilfe man Rechner auf Basis des 8080 schrittweise, also Befehl für Befehl, ablaufen lassen konnte«, führt Peter Santel aus. »Man hat sich also Schritt für Schritt, Befehl für Befehl vorgearbeitet.«

Die »Knipsmühle«: Vorläufer eines Debugging-Tools.

Die »Knipsmühle«: Vorläufer eines Debugging-Tools.

© Hitex

Die nächste Stufe waren laut Peter Santel »einfache Debugging-Programme, mit denen man zu einem definierten Befehl oder Haltepunkt vorangehen und dort den Speicher durchsuchen konnte. Die Knipsmühle brauchte man dann nur noch, um Fehler zu finden, die der Debugger nicht gefunden hat, oder um Software-Abstürze zu beheben.«

In der Folge gewann Hitex Bosch als neuen Kunden: »Daraus ist ein Automatisierungssystem mit einer grafischen Entwicklung entstanden«, sagt Peter Santel. »Auf der Basis eines 8-Bit-Prozessors hat man damals eine grafische Eingabe realisiert, also eine grafische Programmierung. Letztlich war das dann die Funktionsplansprache FUPLA, die als Automatisierungstool mit grafischer Programmierung entstand. Mit FUPLA ließen sich immerhin schon parallele Prozesse beschreiben.«

8-Bit-Emulator teletest 8085 aus dem Jahr 1982.

8-Bit-Emulator teletest 8085 aus dem Jahr 1982.

© Hitex

Anfang der 80er-Jahre reifte allmählich der Plan, In-Circuit-Emulatoren zu entwickeln. »Die erste konkrete Idee, die wir hatten, war ein Emulator für den 8-Bit-Prozessor 8085 von Intel – und diesen über eine serielle Schnittstelle anzuschließen«, betont Peter Santel. »Der teletest 85 für den 8085 war dann im Jahr 1982 tatsächlich der erste In-Circuit-Emulator.« Im selben Jahr folgte der teletest Z80 für den Z80-Prozessor von Zilog. Und ein Höhepunkt war 1983 der auf der Hannover Messe vorgestellte teletest 16 für Intels ersten 16-Bit-Prozessor 8086 und seine Nachfolger 80186 und 80286. Parallel dazu erschien der teletest 8051 für den 8-Bit-Mikrocontroller 8051 von Intel.

Erste Generation des teletest Z80.

Erste Generation des teletest Z80.

© Hitex

Im Jahr 1989 gründete Hitex in Großbritannien seine erste Auslandsniederlassung, und 1997 erwarb Hitex das Development-Tool-Geschäft von Kontron, damals eine BMW-Tochtergesellschaft. »In dieser Zeit stiegen auch die Taktfrequenzen der Prozessoren kontinuierlich an, und die Halbleiterhersteller gingen immer mehr dazu über, Grundfunktionen des Debuggings in die Chips zu integrieren«, erklärt Peter Santel. »Es musste ein Testhilfsmittel geben, welches genau das ausnutzen kann, was die Halbleiterhersteller standardmäßig zur Verfügung stellten. Das war dann der Tanto, den wir 2001 auf den Markt gebracht haben und der noch heute eine Rolle als Spezial-Emulator für besondere Chips spielt.«

Die teletest-16-Familie unterstützt alle 16-Bit-Mikroprozessoren von Intel.

Die teletest-16-Familie unterstützt alle 16-Bit-Mikroprozessoren von Intel.

© Hitex

Eine intensive Zusammenarbeit praktiziert Hitex seit vier Jahrzehnten mit Reinhard Keil, dem Gründer des 2005 von Arm erworbenen Unternehmens Keil Elektronik. 1986 beschloss Keil Elektronik, den C51-Compiler für den 8051 zu entwickeln. »Dies war der Beginn einer sehr erfolgreichen Zusammenarbeit, die bis heute anhält«, betont Reinhard Keil. »Gamechanger waren dabei im Laufe der Zeit unter anderem die Entwicklung von JTAG-Debuggern, später Open-Source-Tools und heute KI-Tools.«

Seit 2001 ist Hitex Distributor von TESSY, einem Software-Testwerkzeug für den Modul- und Unit-Test. 2003 wurde Hitex von Infineon Technologies übernommen. Dies führte zu einem veränderten Marktumfeld mit Fokus auf Toolsupport für Arm- und Infineon- Mikrocontroller.

Tanto 3: FPGA-Plattform für Spezialchips.

Tanto 3: FPGA-Plattform für Spezialchips.

© Hitex

Schon seit 50 Jahren begleitet Hitex also die Entwicklung von Embedded-Systemen: von den ersten 8-Bit-Mikrocontrollern bis hin zu aktuellen Prozessoren mit KI-Beschleunigern und zum KI-gestützten Testen. Als Spezialist für Embedded-Entwicklungstools sowie Lösungen rund um funktionale Sicherheit (Safety) und Embedded Security hat Hitex diese Entwicklung nicht nur miterlebt, sondern auch aktiv mitgestaltet.

Insgesamt viermal wurde Hitex mit dem Embedded Award der embedded world Exhibition&Conference ausgezeichnet. Die prämierten Produkte markieren den Weg von kompakten Development Tools zu umfassenden Safety- und Security-Lösungen für die AURIX-Mikrocontroller von Infineon. Mit über 50.000 verkauften Einheiten gewann der STM32PerformanceStick für Applikation und Evaluierung den embedded award 2008. Der PowerScale von Hitex, ein Tool zur Energieprofilierung und -optimierung während der Softwareentwicklung von Embedded-Anwendungen, folgte mit dem embedded world award 2010. Gleich im Folgejahr 2011 wurde das SafeTkit als einfacher Einstieg in das PRO-SIL-Konzept von Infineon ausgezeichnet. Und 2019 bekam Hitex einen weiteren embedded award für das SafeTpack. Diese Sicherheitslösung für Mikrocontroller der AURIX-TC3xx-Architektur von Infineon vereinfacht die Umsetzung von Sicherheitsanforderungen mit AURIX und bietet einen schnellen und einfachen Weg zur Zertifizierung nach IEC 61508, ISO 26262 oder ISO 21434.

Auch in Zukunft will Hitex mit seinem reichhaltigen Wissensportfolio dazu beitragen, eine sichere Embedded-Welt zu schaffen. Wir gratulieren zum 50. Geburtstag!

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