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Interview mit Falko Eidner von FMB-Technik

Selektivveredelung von Schüttgut: »Jetzt reagiert der Markt überraschend schnell!«

09. Dezember 2010, 09:42 Uhr   |  Corinna Puhlmann

Selektivveredelung von Schüttgut: »Jetzt reagiert der Markt überraschend schnell!«
© FMB-Technik

Falko A. Eidner: »Die Entwicklungsabteilungen der großen Elektronik-Unternehmen reagieren auf die Veränderungen des Marktes überraschend schnell.«

Mit neuen galvanischen Oberflächen sowie der Selektivveredelung von Schüttgut befasst sich FMB-Technik seit mittlerweile mehr als zehn Jahren. Umso überraschender ist es für Geschäftsführer Falko A. Eidner, »welche enorme Dynamik die gesamte Thematik plötzlich gewinnt!«

Sie haben in der Vergangenheit des Öfteren betont, dass der Oberflächenveredelung – und im Speziellen der selektiven Veredelung von Schüttgut – viel zu wenig Beachtung geschenkt wird...

Ja, wir gehören zu den sehr wenigen Unternehmen weltweit, die sich überhaupt mit der selektiven Veredelung von Schüttgut auseinandersetzen. Hinzu kommt noch, dass wir die Technologie bereits seit mehr als zehn Jahren beherrschen! Damit gehören wir zu den Exoten am Markt. Umso erfreulicher ist es, dass es jetzt tatsächlich so aussieht, als ob wir einen Stein ins Rollen gebracht hätten.

Können Sie ihren Ansatz der selektiven Veredelung kurz beschreiben?

Wir haben ein zuverlässiges Verfahren entwickelt, mit dem wir Schüttgut selektiv veredeln können, so wie man es von der Bandgalvanik her kennt. Im Prinzip sind die Schritte sogar gleich. Bislang lagen aber Welten zwischen der selektiven Veredelung von Schüttgut und Bandware in punkto der Akzeptanz und Verbreitung: Bei der Bandgalvanik ist das selektive Aufbringen von Gold aus Kostengründen heute gar nicht mehr wegzudenken, also absolut Standard! Dass wir diese Preisersparnis auch bei Schüttgut – also bei losen Teilen – realisieren können, war unseren potenziellen Kunden bislang größtenteils nicht einmal bewusst. Man hatte die Selektivveredelung von Schüttgut einfach nicht auf der Rechnung. Und jetzt rutscht sie langsam in den Fokus.

Worauf ist diese plötzliche Dynamik begründet?

Natürlich ist der Leidensdruck in der Branche gestiegen. Der Goldpreis ist in den letzten zehn Jahren von 9,53 Euro pro Gramm auf einen Preis um die 34 Euro gestiegen! Weil sich die Kosten mehr als verdreifacht haben, ist in manchen Unternehmen sogar die gesamte Kalkulation ins Wanken geraten. Wir wissen zum Beispiel von Firmen, die auch heute noch Goldpreise von unter 20 Euro in ihrer Kalkulation haben! Es existiert also seit längerem Handlungsbedarf, der jetzt im Bewusstsein ankommt. Dazu tragen die explodierenden Rohstoffpreise, die Verknappung der Rohstoffe und die befürchtete kurze Reichweite der Rohstoffe bei.  Die Rohstoffmärkte vermitteln sehr viel Unsicherheit, zum Beispiel weil Rohstoffe von politischen Staaten als Machtpotenzial benutzt werden. Das alles zwingt die Unternehmen dazu, sich für neue Überlegungen zu öffnen. Für die Galvanoindustrie ergeben sich daraus große Chancen. Dass hat sich auch auf der electronica widergespiegelt. Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.

Wie hat sich das ausgedrückt?

Auf der electronica haben uns viele Firmen angesprochen, die sich mit der Rohstoffproblematik beschäftigen und das  Einsparpotenzial jetzt nutzen wollen. Zudem haben strategische Entwicklungsabteilungen namhafter Unternehmen Kontakt zu uns aufgenommen, die explizit nach Möglichkeiten für die Selektivveredelung von hochwertigen Schüttgutteilen suchen. Hier stehen sehr konkrete Projekte im Vordergrund.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den positiven Resonanzen? Werden Sie zum Beispiel die Kapazitäten im Bereich der selektiven Veredelung erweitern?

In den vergangenen Jahren haben wir unser Verfahren permanent weiterentwickelt und auch die entsprechenden Kapazitäten aufgebaut. Diesen Weg werden wir natürlich weiter gehen. Wir haben heute bereits die achte oder neunte Generation bei den verschiedenen Verfahren eingeführt. Viel wichtiger ist jedoch für uns die Erkenntnis, dass wir jetzt den nächsten Schritt gehen müssen: Der Markt verlangt neben der selektiven Veredelung von Goldkontakten auch verstärkt nach neuen galvanischen Oberflächen.

Sie haben oft gefordert, dass die Galvanobranche über den Tellerrand hinausblicken muss. Was ist heute also gefordert?

All unsere großen Kunden verfolgen eigene Forschungsprojekte, auch im Bezug auf die Oberflächen. Zum Teil beziehen uns die Kunden in ihre Entwicklungsaktivitäten mit ein. Die Galvanobranche muss sich daher spezialisieren; sie muss zukunftsorientierte Diversifikation betreiben – und das am besten immer in Verbindung mit den Kunden und den Chemiezulieferanten zusammen. Das wurde uns auf der electronica von den Besuchern auf unserem Stand immer wieder bestätigt.

Welche Ziele verfolgt Ihr Unternehmen in naher Zukunft?

Als Resonanz auf die Kundenreaktionen werden wir Entwicklungsprojekte, die neue galvanische Oberflächen betreffen, jetzt  zeitlich nach vorne ziehen. Die Unternehmensspitzen und die Entwicklungsabteilungen der großen Elektronikunternehmen reagieren auf die Veränderungen des Marktes überraschend schnell und suchen nun den Kontakt zu uns, um mit uns über neue Oberflächen für Technologien wie der Elektromobilität oder den Bereich der Erneuerbaren Energien zu sprechen. Wie wollen zum Beispiel unser Augenmerk verstärkt auf neue Legierungen sowie auch auf Diffusions- und Dispersionsschichten richten und die Oberflächentechnologie so weiterentwickeln, dass sie für unsere Kunden einen Wettbewerbsvorteil bietet, ähnlich wie heute die selektive Veredelung von Schüttgut.

 

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