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Embedded Linux im Feuerwehrauto

Ein neues Bediensystem für den Panther

29. Juni 2021, 15:30 Uhr   |  Karin Zühlke

Ein neues Bediensystem  für den Panther
© Rosenbauer/WEKA Fachmedien

Der Panther gehört zu den erfolgreichsten und effizientesten Flughafen­löschfahrzeugen weltweit dank Features wie Panoramasicht-Fahrerhaus, ein auf 20 Meter ausfahrbarer Löscharm und zwei 750-PS-Motoren, die das 52-Tonnen-Fahrzeug in weniger als 25 Sekunden auf Tempo 80 beschleunigen.

Rosenbauer International aus Österrreich ist weltweit eine führende Adresse, wenn es um Feuerwehrtechnik geht. Für das Flughafen­löschfahrzeug Panther entwickelte und produziert Ginzinger ein neues Bediensystem. Seit 2020 ist es in Serie.

Der Panther gehört zu den erfolgreichsten und effizientesten Flughafenlöschfahrzeugen weltweit dank Features wie Panoramasicht-Fahrerhaus, ein auf 20 Meter ausfahrbarer Löscharm und zwei 750-PS-Motoren, die das 52-Tonnen-Fahrzeug in weniger als 25 Sekunden auf Tempo 80 beschleunigen. Zur schnellen und einfachen Bedienung sämtlicher Funktionen im und am modernen Feuerwehrauto sind im Cockpit intuitive Bediensysteme mit Tasten, Touch- und Grafikbildschirm im Einsatz. Dieses MMI erleichtert den Maschinisten im Einsatz ihre Arbeit. Ob Pumpe, Schaumzumischsystem, Wasserwerfer, Lichtmast oder Generator, sämtliche Funktionen können darüber gesteuert werden.

Für die Entwicklung einer neuen Generation von Bedieneinheiten machte sich Rosenbauer auf die Suche nach einer integrierten Controller-Plattform. Rosenbauer verfügte bis dato über ein Bediensystem, bei welchem Display und Controller getrennt waren. I/O, CAN und Videoschnittstellen für die Rückfahr- und -Korbkamera waren daran gekoppelt. Ziel war es, bis 2020 ein neues, komplett integriertes System auf den Markt zu bringen. Dabei sollte es eine 7“- und eine 10“-Variante des Rosenbauer-Bediensystems „RBC LCS“ mit hochauflösendem Display geben.

Rosenbauer
© Rosenbauer

Severin Wiesmüller, Rosenbauer »Der Einsatzbereich des Bediensystems ist aufgrund seiner einfachen Einbauweise vielfältig. Sämtliche Funktionen im Cockpit, vom Kombiinstrument über die Steuerung des Blaulichts und der gesamten Beleuchtung während des Einsatzes bis hin zu den Kamerasystemen für Drehleiterkorb oder Rückwärtsfahrten können darüber gesteuert werden.«

Rosenbauer entschied sich für ein kundenspezifisches Embedded-System von Ginzinger electronic systems. Eine Spezialität von Ginzinger sind modular anpassbare Hardware- und Softwareplattformen auf Embedded-Linux-Basis. Die Kombination der Plattform mit Open-Source-Betriebssystem und der hauseigenen Elektronikproduktion überzeugte Rosenbauer.

Nach dem Projektstart für das Rosenbauer-Bediensystem RBC LCS erfolgte die erste Grobkonzeption.

Die Anforderungen an das Bediensystem waren umfangreich: Für den Einsatz im Feuerwehrfahrzeug war ein robustes und universelles Bediensystem gefragt, das bei rauen Umgebungstemperaturen von –30 Grad bis +65 Grad weltweit Einsatz finden soll. Anspruchsvolle Normen hinsichtlich Dichtheit, Schock und Vibration galt es zu erfüllen.

Die Hardware musste hohe Rechenleistung für die Anwendung bereitstellen. Grafischer Bildschirm, Touchscreen und dynamische Animationen sowie mehrere Videostreams von Kameras am Fahrzeug mussten problemlos verarbeitet werden. Wenn es brennt, muss ein Feuerwehrfahrzeug unmittelbar einsatzbereit sein. Schnelles Hochstarten innerhalb von fünf Sekunden und Standby-Betrieb bei ausgeschalteter Zündung waren weitere Anforderungen.

Das Bediensystem muss über ein kratzfestes, brillantes Touchdisplay verfügen, welches bei jeder Witterung im Außenbereich und mit Feuerwehrhandschuhen bedienbar ist. Rund um das Touchdisplay sorgen bis zu zwanzig beleuchtbare Taster für die modulare, individuell konfigurierbare Bedienung von Beleuchtung, Signalanlagen, Einbaumodulen und vielen anderen Funktionen.

Bei den Hardwareschnittstellen waren mehrere unabhängige CAN-Schnittstellen, analoge und digitale Kameraeingänge, LAN und USB gefordert. Für Rosenbauer war die komplette Offenlegung der Software für das RBC LCS essenziell. So kann Rosenbauer auch in Zukunft das komplette System warten und pflegen. Darüber hinaus wichtig war die Integration in das vorhandene Rosenbauer-Software-Framework. Als Hardwarebasis wurde ein Embedded-System mit i.mx6-Dual-Core-Prozessor in einer automotiven Variante implementiert. Die Recheneinheit wurde mit 2 GB RAM, 1 GB Flash und 64 GB eMMC Flash ausgestattet.

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1. Ein neues Bediensystem für den Panther
2. Robustes und universelles System von –30 Grad bis +65 Grad

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