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Interview zum Berufseinstieg

Ab in den Job

17. Oktober 2018, 13:49 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

Ab in den Job
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Wie ergeht es anderen auf dem Weg in den ersten Job nach dem Studium? Tam Nguyen stellte sich unseren Fragen.

Was macht ein Ingenieur nach dem Studium? Als Erste in unserer Serie beantwortet diese Frage Tam Nguyen, Doktorandin bei BMW. Wir sprachen mit ihr über die Wahl ihres Studienganges und Einstiegsmöglichkeiten bei BMW.

Warum hast Du Elektrotechnik studiert?
Tam Nguyen: Meine Wahl des Studienganges hat sich eher entwickelt. Während des Abiturs wusste ich noch nicht, was ich studieren möchte. Es gibt viele Ratgeber und Lesestoff, aber im Endeffekt sind das nicht die Dinge, die einen beeinflussen. Ich habe in der Schule Physik gemocht und hatte Spaß daran, Schaltpläne zu zeichnen und ohm‘sche Gleichungen zu lösen. Dadurch bin ich auf die Elektrotechnik aufmerksam geworden, auch weil mein Vater Elektriker war. Hinzu kam, dass der Studiengang an der TU München einen sehr guten Ruf besitzt. Da es nicht unbedingt ein typischer Studiengang für Frauen ist, war ich mir nicht ganz sicher, ob er für mich passen würde. Letzten Endes habe ich es dann einfach mal mit dem Studiengang versucht.

Hast Du während des Studiums schon gearbeitet und warum wolltest Du in die Industrie?
Ich habe fast immer gearbeitet, sogar schon während der Schulzeit. Nur während des Grundstudiums nicht, da hatten wir acht bis neun Prüfungen pro Semester, die wir alle bestehen mussten. Ab dem 4. Semester habe ich mir immer wieder Praktika gesucht, von vier Wochen bis zu vier Monaten. Als Studentin habe ich es mir schön vorgestellt, bei einer großen Firma wie BMW zu arbeiten und dort Erfahrungen sammeln zu dürfen. So war ich zum Beispiel ein Jahr Werkstudentin bei BMW Motorrad. Es war positiv, dass ich mir meine Zeit als Werkstudentin frei einteilen konnte, gerade wenn Prüfungen anstanden. Auch meine Abschlussarbeiten und meine Promotion wollte ich außerhalb der Uni machen. Es ist wichtig, sich früh zu entscheiden, ob man einen Weg in der Forschung an einer Uni oder den Weg in die Industrie gehen möchte. Ich möchte anwendungsbe­zogen arbeiten und nicht an etwas forschen, das am Schluss ein Molekül umdreht. Ich will sehen, dass am Ende etwas dabei
herauskommt.

Meine Bachelor-Arbeit habe ich dann bei Fos4X geschrieben, ein Hersteller faseroptischer Messelektronik. Es war damals ein kleines Start-up und mein Betreuer war gleichzeitig der Firmengründer. Von ihm habe ich unter anderem auch das Programmieren gelernt. Es ging um Funktionsentwicklung von Eiserkennungssystemen für Windkraftanlagen. Meine Masterarbeit habe ich in Singapur am Campus der NUS (National University of Singapore) geschrieben. Die Firma heißt TUM Create und ist eine Forschungseinrichtung der TU München. Es war ein tolles, innovatives Umfeld mit sehr vielen jungen Leuten und Doktoranden. In meiner Arbeit ging es um 3D-Modellierung von Lithium-Ionen-Packs. Beim Masterstudium habe ich mich auf Energietechnik spezialisiert und bin dadurch auf das Thema Batterien aufmerksam geworden. Ich fand es gut, dass mein damaliger Professor seine Vorlesung selbst gehalten hat. Nach Abschluss meines Masterstudiums 2016 habe ich direkt begonnen, bei BMW zu promovieren.

Interview mit Tam Nguyen, Doktorandin bei BMW.
© BMW AG

Interview mit Tam Nguyen, Doktorandin bei BMW.

Es hilft, die Strukturen zu kennen

War BMW Dein Wunscharbeitgeber oder gab es noch andere Bewerbungen?
Ich habe schon im Vorfeld mit einigen Doktoranden bei BMW gesprochen und wollte meine Doktorarbeit unbedingt hier machen. Bereits ein viertel Jahr vor Abschluss meines Masterstudiums habe ich mich hier beworben. Dazu habe ich direkt mit der Abteilung, die mich interessiert hat, Kontakt aufgenommen und gefragt ob es Forschungsthemen gäbe, auf die ich mich bewerben könnte. Ich habe dann eine passende Stelle gefunden und wir haben gemeinsam ein Thema erarbeitet. Das Forschungsexposé habe ich dann mit meinem Doktorvater an der TU München abgestimmt. Da das sehr schnell geklappt hat, habe ich andere Bewerbungen nicht weiter verfolgt.

Hattest Du ein klassisches Bewerbungsgespräch und wie ist es verlaufen?
Ja, ich hatte ein Fachgespräch erst mit dem Vorgesetzten, mit den Kollegen und dem Personalbereich. Ich habe mich meiner Stärken bewusst gemacht und mich auf die Fragen der einzelnen Bereiche vorbereitet. Es war ein sehr gutes Gespräch mit dem Personaler, mein Chef war da bereits auf meiner Seite.

Hattest Du das Gefühl, dass es bei der Bewerbung geholfen hat, schon als Praktikantin bei BMW zu arbeiten?
Ich denke, es hilft, die Strukturen zu kennen und schon einmal hier gearbeitet zu haben. Ich betreue auch Studenten und finde es gut, wenn sie schon erste Arbeitserfahrungen gesammelt haben, am besten bei BMW.

Ich möchte lernen, Menschen für meine Arbeit zu begeistern

Welche Kriterien sind Dir bei der Wahl des Arbeit­gebers wichtig?
Ich möchte die Möglichkeit haben, mich immer weiter fortzubilden und weiterzuentwickeln. Außerdem möchte ich die Chance haben aufzusteigen und Personalverantwortung zu übernehmen. Ich möchte auch lernen, Menschen für meine Arbeit zu begeistern. Ich erwarte, dass Diskriminierung, beispielsweise von Frauen, kein Thema mehr ist. Ich will mich nicht von Männern unterbuttern lassen, die denken, Frauen haben in diesem Job nichts zu suchen. Leider gibt es das immer mal wieder. Es ist einfach ein männerdominierter Beruf.

Würdest Du erwarten, dass so etwas gar nicht mehr vorkommt oder dass es einen Stelle gibt, bei der Du einen Vorfall melden kannst?
Falls so etwas vorkommt, würde ich es direkt ansprechen und hinterfragen. Zu einer Stelle zu laufen, löst meines Erachtens nicht das Problem. Ich wünsche mir, dass das Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern nicht mehr explizit angesprochen werden muss. Ich stelle mir vor, dass Männer und Frauen gleich viel verdienen können, ohne dass ich darüber sprechen müsste. Als junge Frau werde ich oft sofort als Praktikantin oder Werkstudentin abgestempelt und das finde ich schade.

Kommt so etwas auch bei BMW vor?
Ich denke dass es kein firmenspezifisches Thema ist, sondern eher ein gesellschaftliches. In Frankreich ist es beispielsweise normal, dass die Frauen voll arbeiten und Männer in Elternteilzeit gehen. In Deutschland wirst du dafür schief angesehen.

Ich lege Wert darauf, ehrlich miteinander umzugehen

Welche Dinge würdest Du Studienanfängern oder angehenden Doktoranden mit auf den Weg geben?
Ich würde dem Studienanfänger raten, möglichst früh Arbeitserfahrungen zu sammeln und direkt mit Menschen zu sprechen, auch aus anderen Studiengängen. Ich halte das für sinnvoller als sich das Wissen nur über Bücher anzueignen. Außerdem würde ich raten, die Grundlagenprüfungen ernst zu nehmen. Ich hatte einen Professor in Schaltungstechnik 1. Er hat in der ersten Vorlesung gemeint, schauen sie links, schauen sie rechts, ihr Nachbar wird im nächsten Semester nicht mehr da sein. Ich denke, viele unterschätzen, dass vor allem das Grundstudium sehr mathelastig ist. Bei der täglichen Arbeit sollte jeder klar kommunizieren was er oder sie möchte und was nicht. Vieles ist schnell geklärt wenn man kurz am Schreibtisch vorbeigeht oder zum Telefonhörer greift.

Was sind die wichtigsten Werte in Deinem Leben?
Ich lege Wert darauf, ehrlich miteinander umzugehen und auch Themen anzusprechen, die Dich beschäftigen. Dein Chef oder Deine Kollegen können nicht riechen, wenn Dich etwas stresst oder Du unzufrieden bist. Jeder sollte die Möglichkeiten, die sich ihr oder ihm bieten, wahrnehmen und wertschätzen. Meine Eltern kamen aus Vietnam nach Ostdeutschland und hatten nicht die Möglichkeit zu studieren. Da es Gastarbeitern damals nicht erlaubt war, Kinder zu bekommen, wäre ich fast abgeschoben worden. Zum Glück kam dann der Mauerfall. Ich hatte das Glück, dass meine Eltern sehr hart gearbeitet haben, um mir mein Studium zu ermöglichen.

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