Jianghai: 1 Milliarde Dollar Umsatz

Nachhaltige Überzeugungsarbeit brachte den Erfolg

27. Januar 2023, 13:30 Uhr | Engelbert Hopf
Ole Bjorn
© Jianghai

In 20 Jahren hat sich Europa für Jianghai zum wichtigsten Absatzmarkt nach China entwickelt. Als Spezialist für kundenspezifische Alu-Elkos gestartet, gelang dem Unternehmen inzwischen in China wie in Europa mit Folienkondensatormodulen der erfolgreiche Eintritt in den E-Mobility-Markt.

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Ausbau der Fertigungskapazitäten

Nach Auskunft von Distributoren sind die Lieferzeiten für Alu-Elkos im Allgemeinen immer noch lang, teilweise kann man offenbar immer noch von Allokation sprechen. Wie sehen Sie das?

Unsere Produktionszeiten bewegen sich bereits seit Monaten wieder im Normalbereich. Wir liegen bei sechs bis acht Wochen Produktionszeit. Dann kommt die Seefracht hinzu – da sich hier immer noch Unsicherheiten ergeben können, kalkulieren wir in Summe von der Auftragserteilung bis zu dem Tag, an dem der Kunde die Ware erhält, mit einem Zeitraum von 15 bis 20Wochen. Wenn Sie gewillt sind, die Ware per Luftfracht zu beziehen, wären wir auch in der Lage, die Ware in 6 bis 8Wochen nach Auftragserteilung zu liefern.

Traditionell wurde Jianghai als Hersteller von Alu-Elkos wahrgenommen. Wie wichtig sind heute die Produktgruppen der Folien- und Polymerkondensatoren für das Unternehmen?

Aluminiumelektrolytkondensatoren stehen auch heute noch für über 75Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens. Damit bleiben diese Bauteile auf absehbare Zeit unser Kerngeschäft. Gleichzeitig muss man aber auch feststellen, dass das Segment der DC-Link-Folienkondensatoren durch die neuen Halbleitertechnologien, die inzwischen verstärkt zum Einsatz kommen und die höhere Zwischenkreisspannungen erfordern, stark wächst.

Durch die Notwendigkeit der Energiewende und den dadurch explodierenden Markt der Charger dürften Folienkondensator-Module zu einem der boomenden Produktsegmente der nächsten Jahre werden. In China verzeichnen wir bereits seit einigen Jahren zudem ein starkes Wachstum bei Lithium-Kondensatoren,ein Produktsegment, das in Europa beispielsweise noch fast nicht angekommen ist. Da dürfte sich auch in Europa in den nächsten Jahren ein interessanter neuer Markt entwickeln.

Wie wichtig ist das Anwendungsgebiet E-Mobility heute für Jianghai? Sind Sie hier als Zulieferer auf dem chinesischen Heimatmarkt tätig? Gibt es diesbezüglich auch Aktivitäten in Europa?

Wie bereits erwähnt verfügen wir über automatisierte, Automotive-zertifizierte Produktionslinien, auf denen wir in hohen Stückzahlen kundenspezifische Module herstellen. Viele dieser Designs werden natürlich auch in Europa generiert.

Unter dem Eindruck der Lieferkettenprobleme wurde in den letzten zwei Jahren weltweit in den Ausbau der Fertigungskapazitäten investiert. In welchem Maße ist Jianghai hier aktiv geworden?

Jianghai hat nicht nur die Produktionskapazitäten an sich an den bestehenden Fertigungsstätten für Vormaterialien und Kondensatoren erhöht, sondern hat gleichzeitig auch die Produktionstiefe verbreitert. Konkret bedeutet das, dass heute zum Teil an Produktionsstandorten, in denen vor der Corona-Pandemie nur Vormaterialen hergestellt wurden, inzwischen auch Kondensatoren produziert werden. Damit verfügt Jianghai heute in Summe über acht Produktionsorte in China, an denen Kondensatoren hergestellt werden.

In Europa hat unter dem Eindruck des Überfalls Russlands auf die Ukraine und der darauffolgenden Abkehr von Rohöl- und Erdgaslieferungen aus Russland das Thema Energiekosten massiv an Bedeutung gewonnen. Anodenfolien herzustellen dürfte auch in China energieintensiv sein. Wie handhabt Jianghai dieses Thema?

Zum einen, indem an einzelnen Standorten JointVentures mit Energieerzeugern eingegangen wurden. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass 2021 in China zudem rückwirkend CO2-Abgaben eingeführt wurden, beschäftigt sich eine Taskforce im Unternehmen intensiv etwa mit Plänen, verstärkt durch Windenergie oder Photovoltaik gewonnenen Strom zur Versorgung der Produktionswerke zu nutzen. Die Dinge sind hier noch in Bewegung.

China hat zum Jahreswechsel seine Corona-Politik grundlegend verändert. Inzwischen schießen die Infektionszahlen in die Höhe, das bevorstehende chinesische Neujahrsfest könnte zu einem Mega-Spreader-Ereignis werden. Mit welcher Entwicklung rechnen Sie in den nächsten Wochen?

Man hat aus den Erfahrungen der letzten drei Jahre gelernt: Es gibt heute an verschiedenen Fertigungsstandorten genug Vormaterial-Puffer, um flexibel auf Lockdowns oder Ähnliches reagieren zu können. Zudem haben wir durch das europäische Headquarter in Deutschland hier die Möglichkeit der Zwischenlagerung und Bedarfspufferung. Aus diesem Grund rechnen wir aktuell für die nächsten Wochen nicht mit Schwierigkeiten im Tagesgeschäft.

Seit der Gründung von Jianghai Europe hat sich die Welt spürbar verändert. China wird heute als systemischer Rivale und Wettbewerber wahrgenommen. Wird das Ihrer Einschätzung nach direkte Auswirkungen auf Ihre zukünftige Geschäftsentwicklung in Europa haben?

Im Gegensatz zu kritischer Infrastruktur, Internetkomponenten oder systemischen Produkten bieten wir mit Kondensatoren Hardwareprodukte an, für die es in allen gängigen Designs Marktbegleiter gibt. Diese Produkte sind transparent und bieten keine Angriffspunkte für eine Manipulation. Da es sich, überspitzt ausgedrückt, um Produkte einer rund 140Jahre alten Technologie handelt, werden diese mit Sicherheit nicht zu einem Mittel der Politik werden können. Unsere Pläne in Europa haben sich deshalb nicht verändert.


  1. Nachhaltige Überzeugungsarbeit brachte den Erfolg
  2. Ausbau der Fertigungskapazitäten


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