In Europa wird man sich dagegen mit kleineren Stückzahlen zufriedengeben müssen, weil die Massenproduktion in vielen Bereichen der Elektronikindustrie abgewandert ist. Das größte Potenzial und Spielfeld für die MID-Hersteller bietet derzeit der Automotive-Markt. Dass die spritzgegossenen Schaltungsträger die hohen Ansprüche der Kfz-Industrie erfüllen, hat man bereits mit einzelnen Projekten belegt.
Ein Beispiel für eine solches MID-Bauteil ist der Lenkradbedienschalter im neuen BMW Z4 (E98), den die Firma TRW Automotive Safety Systems liefert. Das Lenkrad, das mit einem rechten und einem linken Bedienschalter bestückt ist, wird seit Frühjahr in Serie mit Stückzahlen hochlaufend auf 40.000 Schalterpaare im Jahr produziert. An der Realisierung des technisch relativ einfachen MID-Bauteils war neben TRW auch ein Konsortium an anderen Firmen beteiligt, wie Spritzgießern sowie Laser-, Metallisierungs- und EMS-Dienstleistern.
Die große Herausforderung bei solchen Projekten besteht darin, die einzelnen Fertigungsschritte – die an vielen Orten ausgeführt werden – ineinandergreifen zu lassen. Hier gibt es in Europa noch Optimierungspotenzial. Zweifler hatten in den vergangenen Jahren auch Bedenken, dass sich die MID-Technik nicht wettbewerbsfähig in die Massenfertigung führen lasse. Die Referenzen, die man aus Asien hat, beweisen das Gegenteil.
In Europa könnte die MID-Technik vor allem dazu genutzt werden, sich einen technischen Vorsprung in verschiedenen Bereichen zu verschaffen. Bei Sensorik-Packages, wie Drehwinkel- und Beschleunigungssensoren, haben sich europäische Firmen dank der MID-Technik bereits eine Führungsrolle erarbeitet. Auch bei der Weiterentwicklung der Medizinelektronik- Branche, beispielsweise im Bereich der mobilen Analysegeräte, könnten spritzgegossene Schaltungsträger künftig eine wichtige Rolle spielen.