Die MID-Technik setzt sich endgültig durch

30. November 2009, 9:00 Uhr | Corinna Puhlmann, Markt&Technik

Auch in der Wirtschaftsflaute hält der Siegeszug der MID-Technologie an. Insbesondere in China ist die Nachfrage enorm, dort werden mittlerweile Antennen für Handys zunehmend in dieser Technik und in hohen Stückzahlen produziert.

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Die dreidimensionale Leiterplatte nimmt weiter Form an. Denn mit dem MID-Verfahren lassen sich Leiterbahnen direkt auf Kunststoffteile aufbringen; der Geometrie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Die Branche spricht von räumlich spritzgegossenen Schaltungsträgern oder so genannten »Molded Interconnect Devices« – kurz MIDs.

Obwohl die Technologie und die Herstellungsverfahren nicht neu sind, hat in den letzten 18 Monaten eine Dynamik eingesetzt, die so nicht vorherzusehen war. In Asien ist ein Projekt nach dem anderen – dem Dominoeffekt ähnelnd – in die Volumenproduktion gegangen. MID-Vorreiter sind dabei die Antennen für hochwertige Handys und Smartphones, weil hier der räumliche Designeffekt, den die MID-Technik bietet, stark zum Tragen kommt. Parallel dazu ist in Europa zumindest das Interesse an der Technologie gestiegen; die Kundenanfragen fallen immer konkreter aus.

Während in diesem Jahr viele Branchen zum Teil schmerzlich geschrumpft sind, konnte sich der MID-Sektor komplett der Wirtschaftsflaute entziehen. Das untermauert auch der Blick in die jüngsten Geschäftszahlen der Firma LPKF, die ihren Umsatz im MID-Segment im Vergleich zum Vorjahr um rund 300 Prozent steigern konnte. »Der Geschäftsbereich hat sich fantastisch entwickelt; zum Teil sind wir mit der Produktion der Maschinen nicht mehr hinterhergekommen«, berichtet Nils Heininger, Geschäftsbereichsleiter von LPKF. Jubelstimmung herrschte auch im September dieses Jahres: LPKF konnte vor drei Monaten den bislang größten Auftrag der Firmengeschichte verkünden, einen Auftrag in Höhe von mehr als 6 Mio. Euro für Lasersysteme zur Herstellung von dreidimensionalen Handy-Antennen. Dieser markierte laut Ingo Bretthauer, dem Vorstandssprecher von LPKF, den endgültigen Durchbruch der Technologie, zumal weitere Handy-Antennen-Projekte folgten.

Dass sich die MID-Technologie vorwiegend in Asien angesiedelt hat, hängt damit zusammen, dass dort die Massenfertigung abgewickelt wird. Zu den Kunden von LPKF gehören jedoch Unternehmen aus aller Welt, die ihre Fertigung verlagert haben. »Gleichzeitig stellen wir fest, dass in China der Qualitätsanspruch stark steigt«, sagt Nils Heininger. »Es trifft nicht mehr zu, dass dort einfach nur billig produziert wird.« Um der großen Nachfrage aus China weiterhin gerecht werden zu können, hat LPKF dort im Oktober zwei weitere Niederlassungen in Chengdu und Peking eröffnet.

Aber auch bei den Produkten bzw. Systemen hat man entsprechend nachgelegt: Weil sich der MID-Durchbruch vor allem im hohen Stückzahlenbereich abspielt, hat das Unternehmen im Frühjahr ein neues High-End-Lasersystem, die »Fusion3D«, auf den Markt gebracht. Der neue Laser-Direktstrukturierer, der etwa doppelt so viel kostet wie die Vorgängergeneration, ist vor allem auf Geschwindigkeit hin getrimmt: Er ist mehr als dreimal so schnell wie der Vorgänger. Auf einer stabilen Granit-Grundplatte lassen sich bis zu vier Laserquellen in sieben Positionen montieren, um jedes LDS-Bauteil (LDS = Laser-Direktstrukturierung) ohne zusätzliche Positionierzeiten rundum zu strukturieren. Dadurch verkürzen sich die Durchlaufzeiten deutlich, in Einzelfällen sogar um 80 Prozent. Das könnte der MID-Technologie einen weiteren Wachstumsschub verleihen.

Wird der MID-Boom anhalten?

Heininger ist überzeugt: »In den nächsten Jahren wird sich die MID-Technologie als ein Standardverfahren bei der Antennenfertigung von Mobiltelefonen etablieren.« Aber welche Anwendungen werden als nächstes folgen? Hohes Potenzial hat auch die Antennenfertigung für das in Asien rasant wachsende Geschäft mit Note- und Netbooks. Hält auch in diesen Produkten das MID-Verfahren Einzug, so öffnet sich ein weiterer Volumenmarkt.


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