Umfrage

KI im Einkauf: Nur 2 Prozent haben eine klare Strategie

23. April 2026, 11:06 Uhr | Karin Zühlke
Wie klar ist KI im Einkauf strategisch verankert?
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Künstliche Intelligenz wird im Einkauf immer noch getestet – aber nicht strategisch eingesetzt. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage der Einkaufsberatung Kloepfel by Epsa unter 62 Einkaufsverantwortlichen.

Nur zwei Prozent haben eine klare Strategie

Nur zwei Prozent der Unternehmen verfügen über eine klare KI-Strategie im Einkauf. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) ordnet den KI-Einsatz überhaupt nicht strategisch ein. Bei 18 Prozent handelt es sich um Bottom-up-Initiativen der Mitarbeitenden.

„KI wird oft für einzelne Aufgaben genutzt, aber nicht in Prozesse und Systeme integriert. Ohne diese Integration entsteht kein ROI. Viele Unternehmen optimieren damit nur das Bestehende, statt echte Wertschöpfung zu schaffen. Dies zeigt auch sehr klar, dass KI Chefsache sein muss“, sagt Christoph Knöll, Mitgründer der KI-Beratung Neurawork.

Kaum Integration, keine Prozesse

Besonders deutlich wird das Defizit bei der Einbindung in bestehende Systeme und Abläufe. 87 Prozent der Unternehmen haben KI nicht oder nur kaum in ihre Einkaufssysteme integriert. Nur zwei Prozent verfügen über eine tiefe Integration, etwa in ERP- oder SRM-Systeme.

Auch operativ, also im konkreten Tagesgeschäft wie Bestellungen, Analysen oder Lieferantenmanagement, spielt KI bislang kaum eine Rolle. 48 Prozent nutzen sie gar nicht und 29 Prozent nur in Testprojekten, 19 Prozent punktuell. Lediglich drei Prozent setzen KI in mehreren Einkaufsprozessen ein.

KI bleibt ein Tool – kein Bestandteil der Wertschöpfung

Drei von vier Befragten (76 Prozent) setzen KI als Chatbot für einfache Aufgaben ein, etwa für Recherchen oder Textarbeiten. Deutlich seltener wird KI für anspruchsvollere Aufgaben genutzt. Nur 29 Prozent verwenden sie für Auswertungen oder Kalkulationen, lediglich 21 Prozent in Analysen oder strategischen Prozessen. Gleichzeitig gibt knapp ein Viertel (23 Prozent) an, KI im Einkauf gar nicht zu nutzen.

Wildwuchs statt Struktur

Der Umgang mit KI ist in den meisten Unternehmen kaum organisiert. 56 Prozent arbeiten mit individuellen, ad-hoc Lösungen ohne klare Standards. Weitere 26 Prozent haben nur begrenzte Regelungen etabliert. Einheitliche Ansätze oder zentrale Steuerung sind die Ausnahme. Nur fünf Prozent der Unternehmen haben ihren KI-Einsatz im Einkauf standardisiert – etwa durch zentrale Assistenten, einheitliche Prompts und definierte Use Cases.

Hinzu kommt die Datenbasis als strukturelles Problem. Nur acht Prozent der Verantwortlichen stufen ihre Einkaufsdaten als „sehr gut“ – also sauber, strukturiert und gepflegt – für den KI-Einsatz ein. Während 42 Prozent die Datenlage immerhin als „gut“ bezeichnen, sieht exakt die Hälfte der Befragten (50 Prozent) hier eine kritische Barriere.

Die Zufriedenheit ist entsprechend verhalten. 39 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit dem KI-Einsatz. Fast jeder Zweite bewertet ihn als neutral. 13 Prozent sind zufrieden, niemand ist sehr zufrieden.

Die Stichprobe ist klar industriell geprägt

52 Prozent der Teilnehmer stammen aus der Industrie und jeweils 23 Prozent aus Handel und Dienstleistungen. Die Unternehmen verteilen sich über alle Umsatzklassen hinweg, mit Schwerpunkt auf dem Mittelstand. Die Umfrage wurde von März bis April 2026 online durchgeführt.

Fazit: Der Einkauf steht beim Thema KI noch am Anfang

„Der Einkauf befindet sich beim Thema KI noch in einer frühen Phase. Statt echter Transformation dominiert ein Nebeneinander aus Einzelanwendungen, Tests und Insellösungen. Der eigentliche Hebel von KI – die Automatisierung zentraler Prozesse, die Verbesserung von Entscheidungen und die Erschließung neuer Wertschöpfung – bleibt weitgehend ungenutzt“, sagt Alexander Hornikel, Country Manager der Einkaufs- und Lieferkettenberatung Kloepfel by Epsa.


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