Catena-X & Factory-X erstmals verbunden

Interoperabilität für Manufacturing-X

16. April 2026, 08:40 Uhr | von Ulrike Peter für GEC
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Produktionsdaten sicher und souverän entlang der Wertschöpfungskette nutzen – das ist der Kern von Manufacturing-X. Wie sich dafür Catena-X und Factory-X erstmals technisch verbinden lassen, zeigt ein gemeinsamer Showcase von German Edge Cloud, Cofinity-X und der SmartFactory Kaiserslautern.

Mit Manufacturing-X entsteht in Europa ein offenes Datenökosystem für die industrielle Produktion. Unternehmen sollen Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette sicher teilen und nutzen können, ohne ihre Datensouveränität zu verlieren. Voraussetzung dafür ist die Interoperabilität verschiedener Datenräume und Industrieökosysteme.

Manufacturing-X befindet sich derzeit noch im Aufbau. In zahlreichen Förderprojekten und industriellen Pilotökosystemen entstehen die technischen und organisatorischen Grundlagen für ein interoperables Datenökosystem der Industrie. Ein Ziel ist es, bestehende und neue Datenräume so miteinander zu verbinden, dass Daten sicher und souverän über Unternehmens-, Domänen- und Branchengrenzen hinweg genutzt werden können.

Eine zentrale Herausforderung dabei ist die Interoperabilität unterschiedlicher Datenraum-Architekturen und Industrieökosysteme. Erst wenn diese technisch zusammenarbeiten, lässt sich die Vision eines durchgängigen, souveränen Datenflusses entlang der industriellen Wertschöpfungsketten realisieren.

Catena-X und Factory-X verzahnt

Statt Datensilo: In einem gemeinsame Showcase zeigen die Industrie 4.0-Unternehmen German Edge Cloud, Cofinity-X und die SmartFactory Kaiserslautern jetzt, wie sich Catena-X und Factory-X technisch verbinden lassen – und welche Architekturansätze dabei zum Einsatz kommen.

Im Zentrum steht die technische Verzahnung zweier zentraler Industrieökosysteme: Catena-X als offener, föderierter Datenraum für die Automobilindustrie und Factory-X als branchenübergreifende Referenzarchitektur für eine digital vernetzte Produktion. Der Demonstrator zeigt, wie Identitäten, Zugriffsrechte und Datenschnittstellen so aufeinander abgestimmt werden können, dass ein konsistenter Datenaustausch über Unternehmens-, Domänen- und Branchengrenzen hinweg möglich wird.

Damit adressiert der praktische Anwendungsfall eine grundlegende Anforderung der industriellen Datenökonomie: Produktionsdaten entstehen zunächst innerhalb der Fabrik, müssen für viele Anwendungsfälle jedoch auch entlang der Wertschöpfungsketten verfügbar sein. Der Demonstrator zeigt exemplarisch, wie sich dieser Übergang von isolierten Produktionsdaten hin zu einem föderierten Datenraum technisch realisieren lässt.

Von der Produktion in den Datenraum

Die technische Grundlage der Intra-Factory-Integration bilden das Oncite Digital Production System (DPS) der German Edge Cloud sowie Dataspace OS von Cofinity-X. Oncite DPS fungiert als zentrale Datendrehscheibe innerhalb der Fabrik. Das System erfasst und kontextualisiert Produktionsdaten aus Maschinen, Anlagen und Sensoren und bereitet sie strukturiert sowie standardkonform für die Weitergabe an übergeordnete IT-Systeme und Datenraum-Connectoren auf.

Dieter Meuser, German Edge Cloud

Dieter Meuser, CEO der German Edge Cloud: »Viele Lösungen sehen im Demo-Case gut aus. Im Werk zählen andere Maßstäbe: Stabilität, Integrationstiefe und Betriebssicherheit. Genau dort entscheidet sich, ob Digitalisierung echten Nutzen bringt.«

© German Edge Cloud

»Unsere Aufgabe ist es, Produktionsdaten so zu strukturieren und zu integrieren, dass sie souverän entlang der Wertschöpfungsketten genutzt werden können«, erklärt Dieter Meuser, CEO der German Edge Cloud. Über den Connector Dataspace OS könnten Unternehmen diese Daten anschließend sicher, standardisiert und regelkonform in den Catena-X-Datenraum einbringen und mit ihren Partnern teilen. Die Kontrolle über die Daten bleibe dabei jederzeit beim jeweiligen Dateneigentümer, der Zugriffsrechte und Nutzungsbedingungen selbst festlegt.

Branchenübergreifende Datenräume

Cofinity-X stellt als Betreibergesellschaft die Datenraum-Infrastruktur bereit und übernimmt den Betrieb zentraler Dienste – darunter das Unternehmens-Onboarding, die Verwaltung von Identitäten und Zugriffsrechten sowie die Registrierung von Dataspace-Connectoren. Damit entsteht ein technischer und organisatorischer Rahmen, in dem Daten sicher, vertrauenswürdig und skalierbar zwischen Unternehmen ausgetauscht werden können – auch über Branchengrenzen hinweg.

 »Der Showcase zeigt, dass föderierte Datenräume auch branchenübergreifend funktionieren«, sagt Thomas Rösch, CEO von Cofinity-X. Rösch betont dabei, dass das Modell ausgedehnt werden könne: »Diese Datenökosysteme schaffen die Grundlage für Interoperabilität – heute zwischen Catena-X für die Automobilbranche und Factory-X als industriellem Ökosystem, morgen für weitere Branchen.«

Rollen entlang der Datenwertschöpfung

Im Rahmen der Zusammenarbeit übernehmen Cofinity-X und German Edge Cloud klar definierte Rollen entlang der Datenwertschöpfung. Cofinity-X fokussiert sich auf die horizontale Integration zwischen Unternehmen. Auf Basis des Eclipse Dataspace Components (EDC) Connectors stellt das Unternehmen interoperable Connector-Infrastrukturen für den sicheren, föderierten Datenaustausch bereit. Diese Ebene bildet die Grundlage für den Datenaustausch entlang der Wertschöpfungsketten.

Die German Edge Cloud verantwortet die vertikale Integration innerhalb der Unternehmen sowie die Intra-Factory-Vernetzung. Grundlage dafür sind die von Factory-X spezifizierten MX-Ports – standardisierte Integrationspunkte für Produktionssysteme, die unter anderem von der SmartFactory Kaiserslautern bereitgestellt werden und die strukturierte Anbindung von Produktionsanlagen an übergeordnete Datenräume ermöglichen.

Demonstrator in realer Produktionsumgebung

Als Produktionsdemonstrator dient die Modellfabrik der SmartFactory Kaiserslautern mit der Produktionsinsel »_Phuket«. Die modulare, serviceorientierte Anlage zeigt exemplarisch, wie digitale Zwillinge auf Basis der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS), OPC-UA-basierter Maschinenkommunikation und einem souveränen Datenaustausch in einer realen Fertigungsumgebung zusammenspielen.

»Für Manufacturing-X sind interoperable Datenräume ebenso wichtig wie eine belastbare Referenzarchitektur, die in realen Produktionsumgebungen funktioniert«, erklärt Prof. Dr. Martin Ruskowski, Vorstandsvorsitzender der SmartFactory Kaiserslautern. »Mit unserer Modellfabrik zeigen wir, wie sich Ökosysteme konkret verbinden lassen – reproduzierbar und übertragbar auf industrielle Produktionslandschaften.«

Der gemeinsame Showcase wird erstmals auf der Hannover Messe 2026 präsentiert. Am Stand von GEC demonstrieren die Partner live, wie sich die Vision von Manufacturing-X Schritt für Schritt in der industriellen Praxis realisieren lässt. (uh) 


Hannover Messe – German Edge Cloud – Halle 16, A16; Cofinity-X – Halle 13, Stand C24; SFKL – Halle 13, Stand C35

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