Automated CCI in der Fertigung

AOI-System prüft Schutzlacke beidseitig

13. April 2026, 12:00 Uhr | Nicole Wörner
Die Aufnahme des Multi Line CCI zeigt, dass zu viel Lack auf dem Steckverbinder aufgetragen wurde.
© Göpel Electronic

Die Qualität des Schutzlacks auf Leiterplatten ist essenziell für die Zuverlässigkeit elektronischer Baugruppen. Das AOI-System Multi Line CCI von Göpel Electronic prüft Conformal Coatings automatisch auf vollständigen Auftrag, Defekte und korrekte Schichtdicke – wahlweise ein- oder beidseitig.

Schutzlackierungen auf Leiterplatten sind vor allem dann wichtig, wenn Baugruppen sicherheitsrelevante Aufgaben übernehmen oder in rauen Umgebungen eingesetzt werden. Typische Anwendungen finden sich in Luft- und Raumfahrt, Marine, Automotive, Wehrtechnik sowie in Beleuchtungs- und Industrieanwendungen. Die Beschichtungen schützen vor Feuchtigkeit, Schmutz, Staub, Kondensation und Temperaturschwankungen. Der fluoreszierende Lack wird durch Sprühen oder Tauchen aufgebracht.

Mit steigender Miniaturisierung und wachsender Packungsdichte erhöht sich die Anforderung an eine kontrollierte Lackierung. Systeme für die automatische optische Inspektion (Automated Conformal Coating Inspection, CCI) überprüfen, ob der Lack entsprechend des Lackierplans aufgetragen wurde. Kontrolliert wird, ob an definierten Stellen zu viel oder zu wenig Beschichtung vorhanden ist. Ergänzend erfolgt eine Schichtdickenmessung, um die Einhaltung vorgegebener Toleranzen sicherzustellen.

Die Aufnahme des Multi Line CCI zeigt, dass zu viel Lack auf dem Steckverbinder aufgetragen wurde.

Die Aufnahme des Multi Line CCI zeigt, dass zu viel Lack auf dem Steckverbinder aufgetragen wurde.

© Göpel Electronic

Ausgefeilte Kamera- und Beleuchtungstechnik

Hierfür hat Göpel Electronic das System Multi Line CCI entwickelt. Es arbeitet mit einer hochauflösenden Farbkamera und telezentrischer Optik bei einem Bildfeld von 44 × 44 mm. Eine UV-Beleuchtung von oben sowie seitliche UV- und Weißlichtquellen erzeugen kontrastreiche Aufnahmen. Die fluoreszierenden Partikel im Lack werden durch UV-Licht angeregt, sodass Defekte wie Kratzer oder Blasen sicher erkannt werden. Optional lässt sich das System mit bis zu acht Schrägblickkameras ausstatten, um Bauteile in geneigter Ansicht zu prüfen. Ein integrierter Messkopf bestimmt die Lackdicke an verschiedenen Punkten der Baugruppe. Die Bauteilfreiheit beträgt 120 mm, mit Schichtdickenmessung 80 mm.

Das neue Multi-Line-Inspektionssystem von Göpel Electronic punktet mit einer hochauflösenden Farbkamera, bis zu acht Schrägblickkameras, Lackdickenmessung und 120 mm Bauteilfreiheit

Das neue Multi-Line-Inspektionssystem von Göpel Electronic punktet mit einer hochauflösenden Farbkamera, bis zu acht Schrägblickkameras, Lackdickenmessung und 120 mm Bauteilfreiheit

© Göpel Electronic

Beidseitige, flexible Prüfung

Für getauchte Baugruppen ist eine beidseitige Inspektion möglich, das heißt, das System prüft Leiterplatten gleichzeitig von oben und unten. Der Inspektionsbereich umfasst 540 × 450 mm bei einer Werkstückträgergröße von 620 × 510 mm und einem maximalen Transportgewicht von 15 kg. Der Einsatz erfolgt in der Regel nach dem Trockenofen, eine Nassprüfung ist ebenfalls möglich. Abhängig von der Konfiguration unterstützt das System eine Rückführung der Baugruppen unter dem Inspektionsmodul. Das Prüfprogramm wird über die Pilot-AOI-Software von Göpel erstellt. Auf Basis von CAD-Daten wie Gerber-, Bestückdaten, ODB++- oder OPM-Dateien sowie dem jeweiligen Lackierplan definiert die Software die zu prüfenden Bereiche. Über die Funktion MagicClick lässt sich das Prüfprogramm innerhalb weniger Minuten generieren.


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