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Industrielle Kommunikation

Funk wird Kabel überflügeln

06. Mai 2020, 11:23 Uhr   |  Harry Schubert

Funk wird Kabel überflügeln
© ABI Research

Die Einnahmen aus industrieller Vernetzung (4G-, 5G- und LPWA-LTE) in USA, Deutschland, China, Südkorea und Japan sollen sich in fünf Jahren (2025 bis 2030) mehr als verzehnfachen.

Eine starke Nachfrage nach Funknetzen, speziell 4G- und 5G-Campusnetze, sagen Nokia und ABI Research voraus. Ihre Umfrage unter Unternehmen aus dem Maschinenbau, Automobilbau und der Konsumelektronik zeigt: ab 2023 werden in der Industrie mehr Geräte per Funk als leitungsgebunden kommunizieren.

Noch vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben Nokia und ABI Research 602 Personen mit Entscheidungsbefugnissen in den Branchen Maschinenbau, Automobilbau und Konsumelektronik befragt, weltweit. Mit der Ende 2019 abgeschlossenen Studie wollen beide Unternehmen die Investitionstrends für Industrie 4.0 identifizieren.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 74 % der Befragten planen, ihre Kommunikations- und Steuerungsnetze bis Ende 2022 aufzurüsten. Mehr als 90 % prüfen den Einsatz von 4G- und/oder 5G-Mobilfunk in ihren Betrieben. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52 %) glaubt, dass die neueste Generation von Mobilfunktechnik (4G/LTE bzw. 5G) erforderlich sein wird, um die eigenen Transformationsziele zu erreichen.

Entwicklung von Funk- und leitungsgebundener Kommunikation in der Industrie.
© ABI Research

Die Zahl der per Kabel verbundenen Geräte in der Industrie wird nur langsam zunehmen. Dagegen erleben per Funk kommunizierende Geräte einen Boom, so dass ab 2023 Funk zur dominierenden Kommunikationstechnik in der Industrie wird.

Unternehmen, die Investitionen in 4G oder 5G planen, wollen damit vor allem die bestehende Infrastruktur digitalisieren und verbessern (63 %), mittels Robotik die Automatisierung vorantreiben (51 %) und die Produktivität der Mitarbeiter erhöhen (42 %).

Untersucht wurden die kurzfristigen Faktoren, die die Investitionsentscheidungen für neue industrielle Systeme beeinflussen – in den Bereichen IT und Automatisierungstechnik (OT –  Operational Technology).

IT-Treiber sind in erster Linie die Reduktion von Ausfallzeiten (53 %), die Verbesserung der operativen Effizienz (42 %) und der Sicherheit (36 %).

Bei der Automatisierungstechnik zeigen sich der Wunsch, veraltete Infrastruktur zu ersetzen (43 %), die Effizienz zu verbessern (40 %) und die Kapazität zu erhöhen (38 %) als treibende Faktoren.
 
Weitere Ergebnisse der Umfrage sind:

  • 88 % der Befragten geben an, dass sie bereits mit 4G/5G-Campusnetzen vertraut sind.
  • 84 % derjenigen, die 4G/5G in Erwägung ziehen, favorisieren ein eigenes lokales Campusnetz in ihren Produktionsstätten.
  • Vorrangige Investitionsbereiche sind die Automatisierung und Modernisierung von Maschinen (47 %), IIoT-Initiativen (42 %), gefolgt von Cloud-Infrastrukturen (37 %).

Deutschland: 4G/5G ein großes Thema für die Industrie

Ein Blick auf die Antworten der Befragten in Deutschland zeigt, dass auch hierzulande sich rund drei von vier Entscheidern (76 %) mit dem Einsatz von 4G/5G in der Fertigung beschäftigen. Weitere 15 % beschäftigen sich ausschließlich mit 5G. Gefragt nach den wichtigsten Business Cases, die durch 4G oder 5G unterstützt werden könnten, nennen 22 % der Befragten die Digitalisierung bestehender Anlagen und Maschinen, 17 % das Thema Sicherheit/Überwachung.

Bei den Gründen für Investitionen in industrielle Systeme geben 60 % der Befragten als wichtigsten Faktor im IT-Bereich an, die Ausfallzeiten von Maschinen reduzieren zu wollen. Im Automatisierungsbereich werden vorrangig Verbesserungen bei Qualität und Effizienz mit je 38 % als Investitionstreiber gesehen. Im Ländervergleich ist das Thema Sicherheit (31 %) für die Teilnehmer aus Deutschland besonders wichtig.
 
Ryan Martin, Principal Analyst von ABI Research und einer der Verfasser der Studie: »Wichtig ist: Die Ergebnisse zeigen, dass Industrieunternehmen eine Präferenz für Funk-Campusnetze haben, die sich vollständig in ihrem Besitz befinden und von ihnen betrieben werden. Die Unternehmen bevorzugen dabei das Inhouse-Management, um Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Offensichtlich wollen sich die Befragten nicht ganz auf Wi-Fi/WLAN festlegen und ziehen die neuesten Funktechniken in ihre Überlegungen ein. Infolgedessen ist 2020 ein entscheidendes Jahr für Netzwerkhersteller, um den Markt über die Vorteile von 4G/LTE und 5G aufzuklären.«
 
Manish Gulyani, Vice President Marketing bei Nokia Enterprise: »Wir sind an einem Wendepunkt bei der Transformation in Richtung Industrie 4.0 angelangt, weil die dafür notwendige schnelle und sichere Konnektivität jetzt verfügbar ist. Die Untersuchung zeigt den großen Bedarf an industrietauglichen Funknetzwerken, um die transformativen Vorteile der Digitalisierung und Automatisierung nutzen zu können. Verbunden mit der Verfügbarkeit von einfach zu implementierenden privaten Campusnetzen wird dieser Bedarf nach unserer Auffassung zu einer schnellen Verbreitung führen.«

Für die Studie »Enterprise Digital Transformation through Industry 4.0« hat ABI Research 602 Personen mit unterschiedlichen Entscheidungsbefugnissen drei Branchen befragt: Automobilbau (201), Konsumelektronik (201) und Maschinenbau (200). Die Befragten arbeiteten in Unternehmen, in den USA (161), Deutschland (100), Japan (100), China (40), Indien (40), Australien (40), Großbritannien (41), Kanada (40) und Frankreich (40). Die Umfrage wurde Ende 2019 und damit vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie abgeschlossen.

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