Rückschau Tech Forum Datacenter

Rechenzentren zwischen KI, Energie und Infrastruktur

24. Juni 2026, 10:49 Uhr | Autor: Jörg Schröper | Redaktion: Corinne Schindlbeck
Tech Forum Datacenter in Frankfurt am Main
Die Rechenzentrumsbranche ist stockkonservativ, Datacenter-Themen absolut »dröge«? Mitnichten. Die von Componeers und Markt&Technik veranstaltete Konferenz ‘Tech Forum Datacenter’ im Juni in Frankfurt am Main zeigte aktuelle Entwicklungen, technische Herausforderungen und neue Ansätze für den Betrieb moderner Rechenzentren.
© Componeers

Die Konferenz ‘Tech Forum Datacenter’ im Juni in Frankfurt am Main zeigte technische Herausforderungen und neue Ansätze für den Betrieb moderner Rechenzentren. Diskutiert wurde unter anderem die IT als strategischer Hebel für kommunale Energie- und Wärmekonzepte.

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Die im Rahmen der Reihe „Tech Forum Datacenter“ von Componeers im Juni in Frankfurt am Main ausgerichtete Konferenz fand auch in diesem Jahr einen beachtlichen Teilnehmerzuspruch. Gelobt wurde anschließend einhellig besonders die hohe fachliche Qualität der Beiträge und die Auswahl der Themen. Letzteres ist gerade im Raum Frankfurt bemerkenswert, findet dort doch nahezu täglich „irgendwas mit Rechenzentren“ statt.

Für alle, die das Tech Forum Datacenter noch nicht kennen; Die Veranstaltung bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze im Bereich moderner Rechenzentrumsinfrastrukturen. Sie richtet sich an Betreiber, Planer, Ingenieure, IT-Verantwortliche sowie Vertreter aus Wirtschaft und öffentlicher Hand und will in erster Linie technische Fachinformationen mit strategischen Fragestellungen rund um den Betrieb und die Weiterentwicklung von Rechenzentren verbinden.

Nach der Eröffnung durch die Veranstalter stand in Frankfurt zunächst die zunehmende Komplexität moderner Dateninfrastrukturen im Mittelpunkt. Die Eröffnungs-Keynote von Professor Dr. Roman Brylka zeigte einen Weg auf, wie sich Rechenzentren effizienter gestalten und gleichzeitig einfacher betreiben lassen, und zwar konkret unter Zuhilfenahme einer mit KI- und Geodaten weiterentwickelten Supply Chain. Dabei wurden aktuelle Herausforderungen hinsichtlich Skalierbarkeit, Energieeffizienz und Betriebssicherheit deutlich, was als Konsequenz laut Brylka durchaus zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Prinzip „Just in Time“ führen kann.

Im weiteren Verlauf widmet sich das Forum der Rolle von Rechenzentren im Kontext der digitalen Transformation und der Energiewende. Der dazu passende Vortag von Matthias Natterer (42 N) legte den Fokus auf die Zukunft der IT als strategischem Hebel für kommunale Energie- und Wärmekonzepte. Anhand konkreter Projekte konnte Natterer belegen, dass gerade im kommunalen und regionalen Umfeld mit einer passenden Herangehensweise eine beachtliche Marktchance besteht.

Marina Plietsch vom Münchner Startup Ewigbyte stellte im Anschluss einen innovativen Ansatz zur langfristigen Datenspeicherung vor: Optische Speichermedien, sprich Glas, eignen sich besonders gut für die dauerhafte Archivierung großer Datenmengen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierte man folgerichtig dann auch die Bedeutung regionaler Rechenzentren für digitale Souveränität, Versorgungssicherheit sowie die unabhängige Speicherung sensibler Daten. Die Diskussion, an der neben den drei Sprechern des Vormittags auch Holger Nickel vom deutschen DCIM-Spezialisten AixpertSoft teilnahm, verdeutlichte die wachsende Bedeutung lokaler Infrastrukturen angesichts geopolitischer und regulatorischer Anforderungen.

Nach der Mittagspause richtet sich der Blick auf technische und betriebliche Fragestellungen. Der Vortrag von Frank Fehlemann (Riello UPS) zur Modernisierung unterbrechungsfreier Stromversorgungssysteme zeigte, wie schnell sich ökonomische und ökologische Vorteile bei der Erneuerung kritischer Infrastrukturkomponenten ergeben können. In seiner darauf folgenden Präsentation verdeutlichte Holger Nickel, wie aktuelle Anforderungen an Data-Center-Infrastructure-Management-Systeme (DCIM) aussehen. Auch in diesem Umfeld stehen insbesondere die Themen Datensouveränität, Energieverfügbarkeit und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt.

Der Nachmittag begann mit einer eher außergewöhnlichen Demonstration: Martin Wernet (Schwarzwalddogs) zeigte live im Plenum, wir Spürhund Ace versteckte Datenträger, Minikameras oder Abhörgerät findet und damit zur Sicherheit auch im Datacenter beitragen kann.

Michael Hausleitner (ABB) adressierte ein ganz anderes Thema: 800 V DC im Rechenzentrum. Hausleitner stellte dazu eine Struktur vor, die einerseits die Komplexität der Stromversorgungsinfrastruktur im RZ verringert und andererseits in der Lage ist, die Energieeffizienz signifikant zu steigern.

BdNI-Chef André Gerlach zeigte in einer Kurzpräsentation ein neues Programm der Bildungsinitiative, dessen Ziel es ist, vom VdS zertifizierte Rechenzentrums-Sachkundige auszubilden – ähnlich dem Konzept, mit dem die BdNI bereits seit vielen Jahren im Bereich Datenverkabelung tätig ist.

Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion zur Wechselwirkung zwischen Künstlicher Intelligenz und Energieverbrauch. Die beschäftigten sich mit der Frage, ob KI vor allem als Treiber steigender Strombedarfe zu bewerten ist oder zugleich wesentliche Potenziale zur Effizienzsteigerung im Betrieb von Rechenzentren eröffnet, eine Problemstellung mit auch gesamtgesellschaftlicher Relevanz und entsprechend engagierten Diskussionsbeiträgen aus dem Plenum.

Durch die Kombination aus Fachvorträgen, Diskussionsrunden, Ausstellung und Networking will das Tech Forum Datacenter einen praxisorientierten Überblick über die aktuellen Entwicklungen der Branche bieten und eine Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Anwendern, Herstellern, Dienstleistern und Experten schaffen. Für das Event in Frankfurt lässt sich feststellen: Mission erfüllt.

Dr. Jörg Schröper ist freier Fachjournalist in München.

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