Dell wagt sich erstmals auf die SPS/IPC/Drives nach Nürnberg und zeigt dort Geräte aus seinem Geschäftsbereich OEM Solutions. Hat der weltweit größte Online-PC-Händler den Industrie-PC-Markt für sich entdeckt?
Vor einem Jahr hat Dell einen ersten sog. "Industrial PC" vorgestellt. Oder besser gesagt: das, was Dell dafür hält. Denn in Wirklichkeit sind die ausgestellten Dell-PCs übliche Desktop-Geräte, ergänzt durch einige Features oder Komponenten, die bei bestimmten Anwendungsszenarien in der Industrie nützlich sind. Die Systemkomponenten wie Prozessoren und Boards entstammen jedoch der Desktop-PC-Produktion von Dell. Und so versuchen die Amerikaner auch eher, mit Skalierungseffekten, Preis und längerfristiger Lieferfähigkeit zu argumentieren.
"Dell stellt 15 Millionen PCs im Jahr her", sagt Josh Neland, Technology Evangelist von Dell aus Texas. "Davon können unsere Kunden profitieren und einen Industrie-PC zum Desktop-Preis bei uns bekommen." Dell sagt zu, dass die KUnden das Gerät dreieinhalb Jahre lang bei Dell bestellen können - bei Produktzyklen von 18 Monaten bei Intel-Chipsätzen schon ein gewisser Fortschritt gegenüber dem Desktop-Markt. Ersatzteile sind fünf Jahre lang lieferbar.
Andreas Ertel, der von Fujitsu Technologie Solutions, der ehem. Fujitsu Siemens in Augsburg, zu Dell gewechselt ist, schätzt den Markt recht realistisch ein: "In die harten Industrie-Anwendungen werden wir nicht reinkommen, aber viele Kunden brauchen das auch gar nicht. Es gibt viele Bereiche, wo ein Desktop-PC völlig ausreicht." Allerdings brauchen viele Kunden kalkulierbare Produktlebenszyklen, weil Produkt-Zertifizierungen oder Redesigns sehr kostspielig sind. Diese Kalkulationsgrundlage sieht Dell bei seinen Geräten als gegeben an.
Außerdem bietet Dell seine Geräte als OEM-Ware an, d.h. es sind z.B. neutrale Gehäuse ohne Dell-Logo oder modifizierte Gehäuse im Erscheinungsbild des Kunden möglich. Als Beispiel wurde auf dem Messestand ein Tower gezeigt, der auch von Siemens als Medical-PC vertrieben wird.