Die Verknappung von Bauteilen zeigt erste Auswirkungen auf die EMS-Branche. Die von uns zum Thema »Allokation« befragten EMS-Unternehmen bestätigen: Langsam aber sicher wird es in einigen Produktbereichen eng.
»Uns erreichen in den letzten Wochen täglich neue Informationen der Hersteller über Lieferzeiterhöhungen und zu erwartende Kapazitätsengpässe. Im DRAM-Segment wurden sogar bereits Allokationen ausgesprochen. Bei Tantals haben sich die Lieferzeiten von April bis September um mehr als 60 Prozent erhöht, teilweise sogar verdoppelt«, erklärt Dr. Uwe Schmidt-Streier, Geschäftsführer von Flextronics SBS.
Auch Harald Schiemann, Sales Manager bei cms electronics stellt fest, »dass die Lieferzeiten etwas steigen und es bei bereits bestätigten Lieferterminen vermehrt zu Verspätungen kommt.« Noch hielten sich die Verzögerungen aber noch im akzeptablen Bereich, so Schiemann. Dass viele Distributoren im Zuge des Abschwungs ihre Lagerbestände radikal reduziert haben, betrachten einige EMS-Firmen kritisch. Andreas Wegner-Berndt, Leiter Einkauf & Vertrieb bei ABS Elektronik: »Pufferbestände wurden teilweise abgeschafft, so dass seitens der Distributoren sehr eingeschränkter Spielraum hinsichtlich kurzfristiger Bedarfe oder Bedarfsschwankungen besteht. Hier kommt es immer häufiger vor, dass die Wiederbeschaffungszeiten der Hersteller direkt auf den Kunden übergehen.«
Die Standard-Lieferzeiten aus der Distribution seien teilweise auf 14 bis 16 Wochen hoch geschossen, stellt Herbert Schröder, Einkaufsleiter Bei Kuttig Electronic fest. Weniger dramatisch sieht dagegen Guido Kotthaus, Einkaufsleiter bei der TQ-Gruppe die Lage: »Es gibt bisher zwar vermehrt Ankündigungen über eine drohende Allokation – beispielsweise für STMicroelectronics, Texas Instruments und Micron - jedoch kam es bisher noch nicht zu außergewöhnlichen Verzögerungen in der Lieferkette.« Einige Hersteller taktieren zudem mit ihrer Produktstrategie, berichtet Schmidt-Streier: »Bei den Keramik-Kondensatoren zeichnet sich ab, dass bei größeren Bauformen (1210 / 1206) Kapazitäten zugunsten der kleineren Bauformen (0402 / 0603) reduziert werden, so dass für größere Bauformen Bestellungen bereits mit einem Liefertermin von mehr als vier Monaten bestätigt werden.«
Fallen die Domino-Steine?
Noch jonglieren die EMS-Firmen ihren Bedarf relativ gut, auch wenn der Einkauf seit einiger Zeit zunehmend zur Herausforderung wird, wie Anke Bartels, Key Account Manager CRM bei der BMK Group bestätigt. Ob Allokationen auf dem Komponentensektor letztlich auch zu Verknappungen und deutlichen Lieferverzögerungen bei Baugruppen führen, wird wohl davon abhängen, wie gut die Beteiligten in der Supply-Chain in den kommenden Wochen und Monaten zusammenarbeiten. »Es ist wichtig, engen Kontakt zum Lieferanten zu halten und Regelungen zu treffen, damit die Forecasts nicht nur als Information sondern als Aktion begriffen werden«, meint Schmidt-Streier.
Allerdings reiche es nicht aus, eine gut funktionierende Schnittstelle zwischen Bauteilhersteller und EMS zu haben, so Schmidt-Streier, wenn die Forecasts der Kunden den tatsächlichen Bedarf nicht widerspiegeln. »Die Kunden müssen im Bedarfsfall bereit sein, für Bauteile, die vor starken Lieferzeiterhöhungen bzw. Allokation stehen, längerfristige Bindungen einzugehen.« Laut Bartels sind besonders neue Projekte von den unkalkulierbaren Lieferzeiten betroffen, weil neue Komponenten, meist Halbleiter, noch nicht auf Lager sind und nur mit Verzögerung in Serienreife auf den Markt gebracht werden: »Wir haben daher unsere Kunden sensibilisiert und bitten darum, immer Second-Source-Bauteile auf ihren Stücklisten freizugeben.«