Starker Auftragseingang und operative Verbesserungen treiben die Profitabilität des EMS-Dienstleisters GPV voran. Das Unternehmen hebt die Umsatzprognose für 2026 an.
Der dänische Elektronikfertiger GPV hat im zweiten Quartal 2026 seine Profitabilität weiter verbessert. Während der Umsatz nur leicht zulegt, sorgen die in den vergangenen zwei Jahren umgesetzten strukturellen und operativen Maßnahmen für einen deutlichen Ergebnissprung. Gleichzeitig verzeichnet GPV einen kräftigen Auftragseingang – ausgebremst wird das Wachstum derzeit vor allem durch die eingeschränkte Verfügbarkeit bestimmter Komponenten.
Im zweiten Quartal erzielte GPV einen Umsatz von 2,245 Mrd. DKK, fünf Prozent mehr als im ersten Quartal. Für das erste Halbjahr ergibt sich damit ein Umsatz von 4,385 Mrd. DKK, ein Minus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Deutlich stärker entwickelte sich das Ergebnis: Das EBITDA stieg im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 187 Mio. DKK. Im ersten Halbjahr verbesserte sich das EBITDA um 16 Prozent auf 347 Mio. DKK. Damit setzt sich die seit Anfang 2025 beobachtete Verbesserung der EBITDA-Marge fort.
Besonders positiv entwickelt sich der Auftragseingang. GPV meldet für das erste Halbjahr ein Book-to-Bill-Verhältnis von 154 – den höchsten Wert seit 2021. Ein Teil der Aufträge ist für die Produktion im weiteren Jahresverlauf vorgesehen, der überwiegende Teil reicht jedoch bereits bis ins Jahr 2027.
Grund dafür sind unter anderem die verlängerten Forecasts der Kunden. GPV hatte diese angesichts der angespannten Versorgungslage gebeten, ihre Bedarfsplanung zeitlich auszuweiten. Betroffen sind insbesondere Speicherchips, Leiterplatten und weitere elektronische Komponenten.
»Ein Book-to-Bill-Verhältnis auf diesem Niveau haben wir seit 2021 nicht mehr erlebt«, erklärt CEO Bo Lybæk. Entscheidend sei nun, wie viele Materialien GPV rechtzeitig beschaffen könne. Denn der hohe Auftragseingang lässt sich derzeit nicht vollständig in Produktion und Umsatz umsetzen.
Als größte Wachstumsbremse bezeichnet GPV die Materialverfügbarkeit. Vor allem die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz und Rechenzentren treiben die Nachfrage nach Speicherchips und weiteren elektronischen Bauteilen. Lieferengpässe, verlängerte Lieferzeiten und steigende Preise sind die Folge.
GPV hat deshalb eine konzernweite Supply-Chain-Taskforce eingerichtet. Sie soll die lokalen Einkaufsteams bei der Beschaffung schwer verfügbarer Komponenten und bei der Suche nach Alternativen unterstützen. Nach Angaben des Unternehmens sind zudem die Aktivitäten in den Bereichen Rechenzentren, Halbleiter und Verteidigung gestiegen.
Parallel arbeitet GPV an weiteren Produktivitätssteigerungen. Nach Fortschritten in der SMT-Fertigung liegt der nächste Schwerpunkt auf der Automatisierung und Optimierung der THT-Bestückung. Insgesamt bestückt GPV nach eigenen Angaben jährlich rund 5 Milliarden elektronische Bauteile.
Die verbesserte Profitabilität führt das Unternehmen zudem auf die in den Jahren 2024 und 2025 umgesetzten strukturellen Veränderungen zurück. Dazu gehören die Konsolidierung kleinerer Produktionsstandorte, Anpassungen bei zentralen Funktionen und eine stärkere operative Verantwortung der einzelnen Werke.
Für das Gesamtjahr zeigt sich GPV trotz der weiterhin volatilen Marktbedingungen zuversichtlich. Das Unternehmen erhöht seine Umsatzprognose für 2026 von bislang 8,5 bis 9,0 Mrd. DKK auf 8,6 bis 9,1 Mrd. DKK. Die EBITDA-Prognose wird gleichzeitig auf 710 bis 750 Mio. DKK eingegrenzt; bislang hatte GPV 690 bis 750 Mio. DKK erwartet.
Höhere Materialpreise dürften zwar in der zweiten Jahreshälfte für zusätzlichen Umsatz sorgen, laut GPV aber nicht entsprechend positiv auf das EBITDA durchschlagen.
»Wir gehen mit einem starken Auftragsbestand, verbesserten Erträgen und einer effizienteren Organisation in die zweite Jahreshälfte«, sagt Lybæk. Die größte Unsicherheit bleibe die Verfügbarkeit von Materialien.