Schwere Ladekabel, enge Parkflächen und steigende Diebstahlzahlen machen das Laden von Elektrofahrzeugen kompliziert. Igus verlagert die Technik deshalb in die Luft – und präsentiert ein neues Kabelführungssystem, das den Komfort erhöht und besser vor Diebstahl schützt.
Denn das Problem ist real: Liegen Ladekabel am Boden, sind sie nicht nur unhandlich, sondern auch ein begehrtes Ziel für Diebe. Der Energieversorger EnBW warnt vor deutlichen Zuwächsen bei entsprechenden Delikten. Das Unternehmen verzeichnete 2025 einen Ladekabelklau im Bereich von 15 bis 20 Kabeln pro Tag. Die Über-Kopf-Kabelführung von igus setzt genau hier an: Es zieht die Leitungen außerhalb der Betriebszeiten ein, so dass es für Diebe deutlich schwerer ist, sie zu erreichen. Davon profitieren können besonders öffentliche Ladehöfe, Raststätten, die Hafenlogistik und Tiefgaragen.
Vor allem im Schwerlastverkehr zeigt sich eine große Schwachstelle der bisherigen Infrastruktur. Die Kabel für das sogenannte Megawatt-Charging (MCS) sind massiv – bis zu vier Kilogramm pro Meter Gewicht machen das Handling für Fahrer zur körperlichen Belastung.
Mit dem System „e-tract DC horizontal“ bringt igus nun eine Lösung auf den Markt, die genau dieses Problem entschärfen soll. Entwickelt für E-Lkw, Reise- und Linienbusse, übernimmt die Technik das Bewegen der Kabel nahezu vollständig.
So funktioniert das System: Eine Führungsrinne wird oberhalb des Fahrzeugs installiert – entweder freistehend oder integriert in bestehende Hallenstrukturen. In dieser Rinne liegt das Kabel in Schlaufen und wird über ein Förderbandsystem bewegt. Per Knopfdruck setzt sich das System dann in Gang. Das Kabel fährt nach vorne, senkt sich kontrolliert ab und lässt sich ohne Kraftaufwand mit dem Fahrzeug verbinden. Für Fahrer bedeutet das eine spürbare Entlastung im Alltag.
»Das System ist ausfallsicherer als Bodenlösungen«, erklärt Christoph Koch, Produktmanager bei igus. »Weil die die Leitungen nicht mehr durch Bodenkontakt verschleißen und es kein Risiko mehr gibt, dass Fahrzeuge sie überfahren oder beschädigen.«
Kabel, die nicht mehr am Boden liegen, sind besser geschützt – vor Verschleiß, vor Unfällen und vor äußeren Einflüssen. Das reduziert Wartungskosten und vermeidet teure Stillstände, etwa in Logistikzentren oder Busdepots.
In der AC-Variante soll das Kabelführungssystem von Igus künftig auch für Pkw zum Einsatz kommen. Klar ist, mit der steigenden Zahl zugelassener Elektroautos muss die Ladeinfrastruktur besser und flexibler werden. Oft ist der Platz für Ladesäulen oder Wallboxen am Boden begrenzt, etwa in Parkhäusern. igus wird daher das System „e-tract horizontal“ auch in einer kompakten Version für Wechselstrom auf den Markt bringen. Die Führungsrinnen, die hier deutlich schmaler sind als in der DC-Version, lassen sich direkt über den Parkplätzen montieren. Die Leitungen, die ebenfalls dünner sind, können per Knopfdruck automatisch Richtung Boden gefahren werden, sodass Fahrer sie bequem mit dem Fahrzeug verbinden können.