Was unternehmen Sie also, um aus der Krise – die aus Ihrer Sicht andauern wird – gestärkt hervorzugehen?
Das ist eine schwierige Frage, denn dafür gibt es leider kein Patentrezept. Vielmehr muss man die Maßnahmen als ein großes Bündel sehen. Ein wichtiger Baustein ist sicherlich die Fokussierung auf die Kernkompetenz. Des Weiteren besteht heute die große Chance darin, Prozesse und Abläufe zu verbessern und effektiver zu gestalten – sowohl in unserem Unternehmen als auch bei unseren Kunden.
Der Kunde versucht heute sehr stark, seine Kosten zu optimieren. Das eröffnet uns beispielsweise die Möglichkeit, mit unserem Systemgeschäft weiter zu wachsen. Insgesamt ist festzustellen, dass die eingefahrenen Strukturen am Markt aufbrechen, weil der Kunde seine Lieferantenbeziehungen neu überdenkt und zugänglicher für wirtschaftliche Lösungen ist. Das bietet natürlich enorme Chancen.
In welchen Bereichen verzeichnen Sie derzeit Wachstum – im bereits angesprochenen Systemgeschäft?
Zumindest entwickelt sich dieses Segment verhältnismäßig stabil. Wir haben uns vor einigen Jahren dazu entschlossen, in den ITMarkt einzusteigen. Das zahlt sich jetzt aus. Auf der letzten CeBIT hat Rittal beispielsweise ein voll aktives Rechenzentrum gezeigt. Unter anderem konnten wir damit demonstrieren, wie sich die Außenluft kostengünstig zur IT-Klimatisierung einsetzen lässt. Mit unserer Free-Cooling-Anlage können wir bis zu 50 Prozent der Klimaleistung einsparen.
Wir bieten aber auch USVs mit hohem Wirkungsgrad und neue Softwarelösungen zur Überwachung des gesamten Systems an – also die komplette IT-Infrastruktur aus einer Hand. Dieses Segment werden wir jetzt weiter ausbauen, um die Lösungen noch kosteneffizienter zu gestalten. Das bedeutet auch, dass wir in unseren Service und in die Kundennähe investieren müssen. Weitere Wachstumsmöglichkeiten sehen wir im Bereich der regenerativen Energien. Allerdings bleibt hier noch abzuwarten, ob auch dieses Segment noch von der Krise geschwächt werden wird, da die Investitionen in diesem Bereich viel langfristiger ausgelegt sind und Aufträge teils noch aus dem Vorjahr stammen.
Was ist momentan die größte Herausforderung für Sie?
Rittal ist in einer guten Position, weil das Unternehmen durch seine Struktur und seinen Hintergrund als Familienunternehmen solide finanziert ist. Die größte Herausforderung sehe ich daher auf der mentalen Seite. Die meisten von uns haben solch eine Rezession noch nicht erlebt, weder das Management noch die Mitarbeiter, auch nicht unsere Kunden und Lieferanten. Darauf muss man natürlich entsprechend reagieren.