Relais: Kurz vor der Allokation?

12. Oktober 2009, 15:44 Uhr | Erich Schenk, Markt&Technik

Angesichts der Wirtschaftskrise haben die Relaishersteller »die Fertigungskapazitäten in den letzten zwölf Monaten den Marktgegebenheiten angepasst, die Lager sind abgebaut«, erläutert Rudolf Kammerer, Vertriebsleiter Komponenten bei Panasonic Electric Works Deutschland.

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Doch seit einigen Wochen beobachte man ein verändertes Bestellverhalten der Kunden: Aufträge würden vorgezogen, Mengen erhöht oder einfach kurzfristig bestellt: »Diese Kombination führt automatisch in vielen Bereichen zu einer sehr angespannten Liefersituation, in Teilbereichen stehen wir sogar kurz von einer Allokation.« Nur mit einer sehr engen Abstimmung und Transparenz des Bedarfs der Kunden über die nächsten Monate ließe sich eine »weitere Verschärfung« der Situation verhindern.

Wesentlich weniger drastisch beurteilt hingegen Jürgen Loithaler, Director Global Marketing von Tyco Electronics’ Relay Products Group, die momentane Situation: »Wir erwarten keine Allokation zum Ende des Jahres.« Zwar habe es »vorübergehend« einen Anstieg der Lieferzeiten gegeben, aber nur bei wenigen Produkten und nur in Fällen, in denen Kunden »sehr kurzfristig die Abnahme erheblich erhöht haben«. Immerhin sei die Relais-Nachfrage seit Februar nicht mehr weiter gesunken, habe sich gar im Sommer auf »leicht erholtem Niveau« eingependelt, liege aber dennoch »deutlich« unter den Stückzahlen des Vorjahreszeitraums.

Wie beurteilen nun Broadline-Distributoren wie Arrow und Avnet die Liefersituation bis Ende 2009? Bei den General-Purpose-Relais und den Relais für den Automobilbereich steigen Axel Prauss, Director EMCO Marketing Arrow EMEA, zufolge die Lieferzeiten »partiell auf bis zu 20 Wochen «. Als Grund führt er den steigenden Bedarf bei gleichzeitig heruntergefahrener Produktion der Lieferanten an. Aber selbst bei weiter zunehmender Nachfrage sieht sich Arrow dank der aktuellen Bevorratung und einer entsprechenden Disposition in diesen Bereichen »gut aufgestellt«. In anderen Segmenten der E-Mechanik wie Steckverbindern ließe sich derzeit »keine überproportionale« Anfrage und Bestellaktivität feststellen, wenngleich man ein leichtes Wachstum verzeichne. Prauss’ Prognose für den Rest des Jahres lautet demzufolge beruhigend für die Kunden: »Zu Engpässen kann es kommen, falls die Nachfrage plötzlich explodieren sollte. Solange dies nicht der Fall ist, können wir den Bedarf problemlos decken.«

Alan Jermyn, Vice President European Marketing bei Avnet Abacus, konstatiert eine »kurzfristig steigende Nachfrage«, denn die Kunden begännen nun, die in den vergangenen sechs bis neun Monaten geleerten Läger wieder zu füllen. Weil aber einige Hersteller ihre Kapazitäten »drastisch« gesenkt haben, erwartet er »weiterhin leicht« zunehmende Lieferzeiten. Grundsätzlich ließe sich die Lieferzeit nur schwer voraussagen, »sie kann durchaus sehr viel höher sein als momentan erwartet», warnt Jermyn. Bei einigen E-Mechanik-Produkten wie Kfz-Relais habe man bereits Allokation. Dass weitere Produktgruppen in solch eine Situation geraten könnten, erwartet der Avnet-Manager für dieses Jahr »eher nicht«. Bei passiven Bauelementen sei die Lage sehr unterschiedlich und die Informationen der diversen Hersteller in puncto Lieferzeiten widersprüchlich. Fakt sei jedoch, dass die Lieferzeiten für einige spezifische Tantalkondensatoren (Klasse A und B) auf 20 Wochen geklettert sind, für einige hochkapazitive MLCCs gar Wartezeiten von 30 Wochen und mehr in Kauf genommen werden müssten.


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