Die Deutschen sehen großen Nachholbedarf bei Verkehrsinfrastruktur, bleiben aber optimistisch. Das Auto dominiert weiter, während das Interesse an E-Autos steigt. Hürden sind Preis, Reichweite und Ladeinfrastruktur. China führt beim EV-Image.
Die Modernisierung der Infrastrukturen ist für die Deutschen nochmals dringlicher geworden: 83 Prozent halten die Sanierung des bestehenden Straßennetzes für besonders wichtig. Es folgen die Sanierung des Schienennetzes (80 Prozent) und der Brücken (77 Prozent) sowie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (71 Prozent). Alle genannten Werte sind im Vergleich zur Vorjahreserhebung nochmals gestiegen. Lauter wird der Ruf nach mehr Ladestationen für Elektroautos (46 Prozent) – im Vorjahr sahen 32 Prozent darin eine Priorität.
»Der Sanierungs- und Modernisierungsbedarf der Verkehrsinfrastrukturen brennt den Deutschen unter den Nägeln«, sagt Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach und acatech Senatorin. »Gleichzeitig hat die Bevölkerung die Hoffnung auf Besserung keinesfalls aufgegeben: 65 Prozent glauben an Fortschritte in den kommenden Jahren, allerdings überwiegend an begrenzte Fortschritte.«
Das Auto ist unverändert das wichtigste Verkehrsmittel: 75 Prozent nutzen es mehrmals in der Woche, 53 Prozent sogar täglich. Mit großem Abstand folgen Fahrrad (35 Prozent mehrmals wöchentlich) und ÖPNV (25 Prozent). 77 Prozent der Nutzer bewerten das Auto als unverzichtbar, 49 Prozent das Fahrrad.
26 Prozent ziehen für den nächsten Kauf auch ein E-Auto in Betracht: ein weiterer Zuwachs von 3 Prozentpunkten im Vorjahresvergleich. Unter den Bürgerinnen und Bürgern mit hohem sozioökonomischem Status sind dabei deutlich mehr E-Auto-Aufgeschlossene (46 Prozent) – unter den Befragten mit niedrigem sozioökonomischem Status ziehen nur 11 Prozent elektrische Modelle in Betracht.
Der Erhebungszeitraum der Umfrage (Februar 2026) lag vor der Blockade der Straße von Hormus und den damit massiv steigenden Kraftstoffpreisen. Schon jetzt wird ein zusätzlich verstärktes Interesse an E-Autos deutlich: Im März 2026 wurden knapp 360.000 Elektroautos in Europa neu zugelassen – ein Anstieg von 78 Prozent gegenüber dem Februar. Bereits jede vierte Neuzulassung fährt elektrisch.
Noch attraktiver wäre ein E-Auto für viele Menschen, wenn die Kaufpreise niedriger (60 Prozent), die Reichweite höher (51 Prozent), die Ladezeit kürzer (49 Prozent) und die Lademöglichkeiten zahlreicher (44 Prozent) wären. Die Reichweitensorge ist noch immer nicht ganz ausgestanden: Rund jeder Vierte schätzt die Reichweite von E-Autos auf unter 400 Kilometer und damit geringer als die meisten heutigen Modelle bieten.
Welches Land baut besonders gute E-Autos? 49 Prozent der Befragten sehen China auf Platz 1, gefolgt von Deutschland (27 Prozent). Japan und Südkorea liegen mit 17 Prozent bzw. 14 Prozent dahinter. Nur die USA (8 Prozent) und andere Länder (1 Prozent) schneiden schlechter ab. Seit 2025 ist der Imagevorsprung von China trotz einer Imagesteigerung deutscher EV-Hersteller erheblich größer geworden.
»Das wachsende Interesse an E-Mobilität ermutigt – nun braucht Deutschland ein konzertiertes Zusammenwirken: Mehr Lademöglichkeiten zu guten Preisen, niedrigschwellige Incentivierung und attraktive Modelle unserer Hersteller müssen zusammenspielen. Die aktuelle Preisentwicklung an den Zapfsäulen gibt Elektrofahrzeugen einen zusätzlichen Schub. Deutschland sollte das Momentum nutzen und Elektromobilität politisch weiter unterstützen«, sagt acatech Präsidiumsmitglied Thomas Weber und fügt hinzu: »Jetzt ist das Zeitfenster für Deutschland, Elektromobilität weiter voranzubringen, Infrastrukturen zu modernisieren und Innovation zu stärken. Darauf vertrauen viele Menschen.«
Breite Bevölkerungsschichten setzen auf wissenschaftlichen Fortschritt und technische Innovation: 74 Prozent der Deutschen glauben, der Zugverkehr könne durch Fortschritt und Innovationen zuverlässiger werden. 73 Prozent erwarten dadurch eine verbesserte Verkehrssteuerung. 58 Prozent erhoffen sich eine bessere Verknüpfung der Verkehrsmittel, die sich durch integrierte Verkehrsinfrastrukturen erreichen lässt.
Die große Mehrheit hat nach wie vor Vorbehalte gegenüber vollautonomem Fahren, allerdings mit sinkender Tendenz. 79 Prozent hätten Bedenken, sich einem vollständig autonom fahrenden Pkw anzuvertrauen; deutlich geringer sind die Bedenken beim Einsatz im ÖPNV. Unterhalb der Stufe des vollautonomen Fahrens gibt es jedoch in der Bevölkerung ein großes Interesse an autonomen Assistenzsystemen für Brems-, Abstands- und Spurhalteregulierung.
Über den Mobilitätsmonitor
Die repräsentative Allensbach-Umfrage im Auftrag von acatech stützt sich auf 1.052 persönliche Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren. Die Interviews wurden im Februar 2026 durchgeführt. Der acatech Mobilitätsmonitor erscheint jährlich seit 2020, sodass auch Veränderungen und Trends sichtbar werden.