Arbeit der Zukunft Schulz 4.0?

Martin Schulz setzt bei der Digitalisierung auf mehr Mitbestimmung, Tarifverträge und neue Gesetze. Viele seiner Ideen stammen aus dem Weißbuch von Andrea Nahles.
Martin Schulz setzt bei der Digitalisierung auf mehr Mitbestimmung, Tarifverträge und neue Gesetze. Viele seiner Ideen stammen aus dem Weißbuch von Andrea Nahles.

Die SPD bejubelt ihren Spitzenkandidaten Martin Schulz. Die Industrie dürfte verhalten auf den Kandidaten reagieren, denn bei der Digitalisierung der Industrie und der Arbeit 4.0 liegt Schulz voll auf Linie der Bundesarbeitsministerien Andrea Nahles. Die ist nicht überall beliebt.

In Bielefeld, in Ostwestfalen, im Herzen der Industrie 4.0-Vorbildregion von Nordrhein-Westfalen rammt Martin Schulz seine arbeits- und sozialpolitischen Pflöcke ein – in der Tagespresse dominiert die Ankündigung der Agenda 2010-Reform. Doch Schulz sagt noch mehr, wichtiges für die Industrie. Tenor: Ohne Digitalisierung geht es nicht, aber sie braucht Gesetze und Regeln und viele neue Tarifverträge. Vieles was der Kanzlerkanidat umjubelt präsentiert, kennen politische Beobachter schon aus dem Weißbuch zur Arbeit 4.0  (mehr dazu hier) – nicht unbedingt ein Lieblingswerk vieler Wirtschaftsvertreter. Andrea Nahles sie wird kopiert und darf sich freuen, sie bestimmt die Sozial- und Arbeitspolitik der SPD.

Doch Schulz geht in seiner Rede (mehr hier) vor zahlreichen Genossen nicht sehr oft auf die Digitalisierung oder Arbeit 4.0 ein – ist der Begriff zu angstbesetzt? Nur zum Ende wird er deutlich, seine Forderung: Wenn Mensch und Maschine in der Industrie 4.0 gut zusammenarbeiten, entsteht ein Produktivitätszuwachs, den er gerecht verteilt sehen will und dieser Gewinn könne auch dazu führen, dass Menschen in Zukunft weniger arbeiten müssten. Wie diese Verteilung aussehen soll, ließ Schulz offen. 

Wildern bei Nahles

Schulz machte gleichzeitig deutlich: Ohne Tarifverträge wird die Industrie nicht in den Genuss von Flexibilisierung von Arbeitszeit kommen. Der neue SPD-Hoffnungsträger rückt insgesamt wieder näher an die Gewerkschaften. Dazu gehört auch: Die Mitbestimmung soll mit Schulz wieder an Bedeutung gewinnen – in der Qualifizierung, aber auch bei der Fragmentierung von Belegschaften. Schlupflöcher über ausländische Gesellschaften sollen gestopft werden. Crowdsourcing bezeichnete Schulz als »moderne Form der Ausbeutung« und versprach eine neue Definition des Arbeitnehmerbegriffs. 

Doch Schulz machte auch einen Schritt auf die Unternehmer zu. Die Digitalisierung und Industrie 4.0 braucht gut qualifizierte Mitarbeiter. Die SPD will die Weiterbildung zum Arbeitnehmerrecht entwickeltn, die duale Ausbildung stärken, dieses sei eine ökonomische Vernuft, so Schulz. Auch diese Ideen stammen aus dem Weißbuch.

Schulz oder sein Team haben ganz schön bei Andrea Nahles Weißbuch gewildert. Man muss nicht alle Ideen von Schulz unterstützen, aber die SPD hat konkrete Vorschläge vorgelegt, von der Bundeskanzlerin hört man zu dem Thema nur wenig. Auf Twitter kommentierte der Hauptgeschäftsführer der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, Thorsten Alsleben: »#Schulz will Wirtschaft abwürgen, Arbeitslosigkeit erhöhen und Sozialkassen ruinieren.« Das klingt noch nicht nach einem Alternativvorschlag, mehr nach Unsicherheit.