Arbeiten als Ingenieur Was macht eigentlich ein Qualitätssicherer?

Der erfolgreiche Qualitätssicherer verfügt über interdisziplinäres Fachwissen, Soft-Skills und ausgeprägte persönliche Eigenschaften.
Der erfolgreiche Qualitätssicherer verfügt über interdisziplinäres Fachwissen, Soft-Skills und ausgeprägte persönliche Eigenschaften.

Ingenieure arbeiten in den verschiedensten Bereichen, auch in der Qualitätssicherung. Michael Burghartz-Widmann, Trainer und Vorstandsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ), berichtet über das Arbeitsumfeld und die Aufgaben eines Qualitätssicherers.

Markt&Technik: Herr Burghartz-Widmann, in welcher Abteilung sind denn Qualitätssicherer typischerweise angesiedelt?

Michael Burghartz-Widmann: Qualitätssicherung wird oft nur aus Sicht der Produktionsprozesse gesehen. Allerdings sind Qualitätsprüfer/innen Fachkräfte für Qualitätssicherung, die ihre Beschäftigungen in Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und nahezu in allen Wirtschaftsbereichen finden. Darüber hinaus sind sie bei Verbänden und Organisationen sowie in Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen tätig. In der technischen Untersuchung und Beratung bzw. der öffentlichen Verwaltung bieten sich weitere Beschäftigungsfelder, z.B. in Materialprüfungsanstalten bzw. -ämtern. In Fertigungsstätten führen sie Funktions- und Qualitätskontrollen durch. Sie sind auch im Labor tätig, wo sie z.B. Stichproben aus der Fertigung analysieren. Durch die Vielfältigkeit ihrer Aufgaben sind sie daher auch in den unterschiedlichsten Abteilungen angegliedert, wie Logistik, Entwicklung oder Vertrieb.

Gibt es einen typischen Werdegang von Qualitätssicherern?

Beschäftigte in diesem Bereich starten in der Regel mit einer Ausbildung oder einem Studium. Für Qualitätsprüfer/innen können z. B. Studienrichtungen sinnvoll sein, wie Qualitätssicherung im Maschinenbau, Fertigungsmesstechnik oder Qualitäts- und Umwelt-Management. Insbesondere in Hinblick auf Industrie 4.0 und der aktuellen Entwicklung im Automobilsektor sind darüber hinaus Bereiche wie technische Elektronik, sowie Werkstofftechnik und -prüfung von großer Bedeutung. Je nach Branche benötigt man darüber hinaus Kenntnisse über spezifische Messtechniken (z. B. physikalische bzw. chemische Mess- und Prüfverfahren) sowie über die Handhabung von branchentypischen Prüfmitteln. Sofern Auswertung und statistische Aufbereitung der Prüfergebnisse zur Tätigkeit gehören, sind auch statistische und Dokumentationskenntnisse erwünscht. Eine selbstständige Arbeitsweise sowie Organisations- und Teamfähigkeit sind ein Muss. Die einzelnen Faktoren zeigen, das der Werdegang eines Qualitätssicherers daher äußert vielfältig ist.

Wie sieht ein typischer Tag im Berufsalltag eines Qualitätssicherers aus?

Lassen Sie mich diese Frage mit einem Zitat von Carl Friedrich Gauß (1777 – 1855, deutscher Mathematiker, Astronom und Physiker) beantworten: »Das Ergebnis habe ich schon, jetzt brauche ich nur noch den Weg, der zu ihm führt«. Wenn wir dieses Zitat in den heutigen Berufsalltag übertragen, so sind die Aufgaben eines Qualitätssicherers sehr abwechslungsreich. Sie sind zudem stark von der jeweiligen Branche abhängig, in der er tätig ist. Daher kann man nicht von dem typischen Berufsalltag eines Qualitätssicherers sprechen.

Wie entwickelt sich das Berufsprofil der Qualitätssicherer weiter?

Michael Burghartz-Widmann: Das Qualitätswesen entwickelt sich in den unterschiedlichen Branchen sehr schnell. In der Vergangenheit war die Qualitätssicherung ein Teil des Qualitätsmanagements. Aufgrund des wachsenden Spektrums an Anforderungen, der steigenden Aufgabenkomplexität sowie der erhöhten Kundenanforderungen an individualisierte Serien-Produkte wird die Qualitätssicherung zunehmend zu einem eigenständigen Bereich. Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung befinden sich auf gleicher Ebene und ergänzen sich gegenseitig.

Die aktuelle Entwicklung im Qualitätswesen zeigt, dass infolge zunehmender Vernetzung der Tätigkeiten und der immer engeren Beziehung zwischen Kunden und Lieferanten die Anforderungen an Qualitätssicherer deutlich steigen werden. Das gilt insbesondere im Hinblick auf den verstärkten Kosten- und Technologie-Wettbewerb sowie die Herausforderungen im Bereich Industrie 4.0.

Diese Trends erleben wir besonders stark im Automotive-Bereich. Die Produktlebenszyklen werden hier immer kürzer. Die Individualisierung der Produkte, die Komplexität der Entwicklungs- und Produktionsprozesse und das damit verbundene dynamische Umfeld stellen Qualitätssicherer täglich vor neue Herausforderungen. Hinzu kommt noch die Ressourcenknappheit.

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