'Googlememo'-Affäre und Genderkritik 'Selbstverständlich ist das sexistisch!'

'Women in Tech'-Programme - alles Unsinn, weil die Biologie von Frauen in Wahrheit schuld daran ist, dass sie lieber Germanistik statt Ingenieurwissenschaften wählen? Die Kündigung seines Entwicklers bescherte Google nicht nur einen Shitstorm, sondern mobilisierte auch Gender-Kritiker in Deutschland.
'Women in Tech'-Programme - alles Unsinn, weil die Biologie von Frauen in Wahrheit schuld daran ist, dass sie lieber Germanistik statt Ingenieurwissenschaften wählen? Die Kündigung seines Entwicklers bescherte Google nicht nur einen Shitstorm, sondern mobilisierte auch Gender-Kritiker in Deutschland.

Diskriminierung oder Meinungsfreiheit? Ein Anti-Diversity-Pamphlet verstößt gegen die internen Richtlinien, Google feuert den Urheber. Der Shitstorm richtet sich aber mehrheitlich gegen Google. Ein Ventil, um endlich mal die 'unsägliche Gleichmacherei' kritisieren zu können?

Wie es begann: Der Google-Programmierer James Damore – wohlgemerkt, kein tumber Geselle, sondern Harvard-Absolvent – hatte in einem internen Anti-Diversity-Papier die Behauptung aufgestellt, dass  - kurz zusammengefasst - Frauen vor allem aus biologischen Gründen so selten in der Tech-Industrie vertreten seien. Und man sich deswegen die diversen Förder-Programme sparen sollte. 

Aufgrund fraulicher Gefühlslage (z.B. ängstlicher und weniger stressresistent) und daraus resultierenden, unterschiedlichen beruflichen Präferenzen im Vergleich zu Männern würden sie die Tech-Industrie meiden. Männer seien in der Technik schlicht erfolgreicher, weil es eben ihrem Naturell entspreche.

Damore will zum zweiten mit dem Papier erreichen, dass die Diskussion offen geführt wird. ‘Ich bin für Diversity’, schreibt er in seinem Memo, aber man befinde sich in einer Echo-Kammer, einer ‘Monokultur’, wo abweichende Meinung nicht gelten dürfe. Viele würden so denken wie er, trauten sich aber nicht, das auch zu sagen, um nicht gegen feministisch-ideologische Grenzen zu stoßen und gegen politische Korrektheit zu verstoßen. Insgesamt schade das aber dem Konzern, findet er.

James Damore ist inzwischen nach eigenen Angaben gefeuert worden. Man könnte die Meldung damit als Einzel-Meinung abhaken. Doch die Google-Belegschaft zeigte sich derart gespalten zwischen Ablehnung und Applaus, dass Google-Chef Sundar Pichai sogar seinen Urlaub abbrach, um sich in die Debatte einzuschalten. Und auch in den sozialen Medien wurde heftigt diskutiert, Damore erhielt viel Zustimmung. Auch aus Deutschland.

Auf Twitter zum Beispiel machen viele ihrem Ärger auf Google Luft, sprechen über ‘Goolag’, zeichnen das Google-Logo mit Hitler-Bärtchen und schimpfen über Gleichschaltung und Googles fehlende Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen. 

So mancher versteht die Aufregung gar nicht. Der Beitrag von Damore sei doch konstruktiv; auf Facebook etwa schreibt T3n-Leser Christoph Köpernick:

‘Der Google-Autor ist nicht gegen Diversität. Er regt zu einem offenen Diskurs an. (...)  Wenn Ideologie dazu führt, dass Mitarbeiter aufgrund von Quoten eingestellt werden, die die Arbeit nicht so gut machen, ist das kontraproduktiv. Chancengleichheit fördern steht auf der anderen Seite und ist legitim. Es kommt auf das richtige Maß an. Der Google-Autor sieht diese Balance in Gefahr und steht damit nicht alleine dar. Ihn aufgrund dieser differenzierten schriftlichen Diskussion zu entlassen lässt vermuten, dass es statt Offenheit doch eher eine versteckte Einbahnstraße gibt. Als Shareholder gehen einem die Alarmglocken an, wenn Ideologie vor Pragmatismus gestellt wird.’

Gender Mainstreaming - die Förderung des Abbaus von Ungleichheit – nur eine fehlgeleitete Ideologie? Die Forschung dazu verwehrt sich, die Fakten sprächen schließlich eine andere Sprache.

Dr. Susanne Ihsen ist seit vielen Jahren Professorin für Gender Studies. Beheimatet ursprünglich am Lehrstuhl für Elektronik und Informationstechnik der TU München, seit 2009 an der TUM School of Governance.  

Täuscht der Eindruck, Frau Prof. Ihsen, dass die Gender-Forschung in letzter Zeit vermehrt Kritik erfährt? Ist das sogenannte Google-Manifest von James Damore sexistisch?