Karriere Robotik-Professorin wird Bahn-Technik-Vorstand

Karriere bei der Bahn: Prof. Dr. Sabina Jeschke geht nach Berlin.
Karriere bei der Bahn: Prof. Dr. Sabina Jeschke geht nach Berlin.

Was lange währt, wird endlich gut: Prof. Dr. Sabina Jeschke von der RWTH Aachen wird neuer Technik- und Digitalisierungsvorstand der Deutschen Bahn. Die studierte Informatikerin kommt aus der Automatisierungs- und Robotikforschung und ist ein Anhänger von KI. Markt&Technik stellt sie vor.

Die in Schweden geborene Wissenschaftlerin gilt vielen als Vordenkerin in der Digitalisierung von Industrie und Unternehmen. 

Für Jeschke ist die Zukunft in der Fertigung, der Industrie die Verbindung von Künstlicher Intelligenz, Virtual und Augmented Reality und Additive Manufacturing. Die Künstliche Intelligenz plant, in VR und AR werden die Planungen evaluiert und überprüft, aus Fehlermeldungen lernt wiederum die KI bis zu dem Punkt, dass Werkstücke dann zunächst in Verfahren der additiven Fertigung hergestellt werden. 

Doch Jeschke kennt auch die Ängste der Mitarbeiter vor KI. Die zentrale Leistung der KI-Systeme ist gleichzeitig das, was bei Menschen Unbehagen hervorruft. KI-Systeme beruhen auf dem schnellen Austausch von Sensordaten untereinander. »Den Menschen steht das nicht zur Verfügung, sie können nicht mit den Augen des anderen sehen,« illustriert Jeschke auf einer Veranstaltung in Hamburg. Und das mache Angst, weil man diese Leistung der KI  nicht beurteilen könne.

Aber dieser Austausch von Sensordaten mache genau die Sicherheit dieser KI-Systeme aus. Die Systeme können nicht mehr durchprogrammiert werden, weil sichere Systeme nur dann entstehen, wenn sie selbständig agieren und auf Ereignisse reagieren können. Und hier liegt für Jeschke auch ein Grund für die zögerliche Adaption von KI-Systemen in der Maschinenbauwelt. »Ingenieure müssen ein Stück ihrer bisherigen Top-Down-Kontrolle abgeben.« 

KI bei Volvo

Sabina Jeschke ist seit Juni 2009 Direktorin des Cybernetics Lab IMA/ZLW & IfU der RWTH Aachen University, Fakultät für Maschinenwesen. Im Sommersemester 2017 widmet sie sich im Rahmen eines Sabbaticals der Weiterentwicklung ihrer Forschung im Bereich des künstlichen Bewusstseins (artificial/machine consciousness) und beteiligt sich bei der Volvo Car Corporation in Göteborg am Aufbau eines Think Tanks Starke künstliche Intelligenz. Sie ist Vorstandvorsitzende des VDI Aachen und Mitglied des Aufsichtsrats der Körber AG. Sabina Jeschke studierte Physik, Informatik und Mathematik an der TU Berlin. Sie ist Mitglied und Gutachterin in zahlreichen Gremien und Kommissionen, Alumni der Studienstiftung des Deutschen Volkes, IEEE Senior und Fellow der RWTH Aachen University. Im Juli 2014 wurde sie durch die Gesellschaft für Informatik (GI) mit der Auszeichnung Deutschlands digitale Köpfe geehrt. Im September 2015 erhielt sie von der Internationalen Gesellschaft für Ingenieurpädagogik (IGIP) die goldene Nikola-Tesla-Medaille für ihre Beiträge zu einer modernen Ingenieurausbildung.

Für den Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn wurde neben Jeschke auf der ehemalige Siemens-Vorstand Siegfried Russwum gehandelt.